Blütenvielfalt bei Cannabis

Medizinalhanf: Welche Rolle spielt das Terpenprofil?

Berlin - 23.05.2019, 15:45 Uhr

Eigentlich erwarten Patienten, Apotheker und Ärzte, dass das Stoffprofil einer Cannabismarke über mehrere Chargen konstistent bleibt. Doch ganz so selbstverständlich ist das nicht. (Foto: imago images Zuma Press)

Eigentlich erwarten Patienten, Apotheker und Ärzte, dass das Stoffprofil einer Cannabismarke über mehrere Chargen konstistent bleibt. Doch ganz so selbstverständlich ist das nicht. (Foto: imago images Zuma Press)


Grotenhermen: Erfahrene Patienten merken den Unterschied

Also handelt es sich bei Terpenprofilen und „Entourage-Effekt“ nur um reine Marketing-Phänomene? Der internationale Cannabisexperte, Dr. Franjo Grotenhermen, kann dies aus seiner umfassenden Behandlungserfahrung nicht bestätigen. „Im Laufe der Jahre haben viele Ärzte festgestellt, dass Cannabispatienten sehr wohl Wirkunterschiede zwischen den Blütensorten bemerken, selbst wenn der THC- und CBD-Gehalt ähnlich ist. Deshalb spielt bei der Blütenauswahl für erfahrene Ärzte und Patienten das gesamte Inhaltsstoffspektrum eine Rolle", sagte der Mediziner, der auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Cannabismedizin (ACM) und Fachautor mehrerer Bücher über Medizinalhanf ist, zu DAZ.online.  

Umgekehrt gefragt – wie groß sollte die Sortenvielfalt eigentlich sein? Vor Inkrafttreten des sogenannten Cannabisgesetzes standen laut Grotenhermen gerade mal fünf  Blütensorten für die Therapie per Ausnahmegenehmigung zur Verfügung. „Die zunehmende Diversität ist zwar grundsätzlich zu begrüßen – ergibt allerdings nur dann Sinn, wenn hinter den jeweiligen Blütennamen auch ein reproduzierbares Stoffprofil steht, was bei den niederländischen Sorten eher gegeben ist als bei einigen kanadischen“, differenziert der erfahrene Arzt. „Diesen Anspruch sollte aber jeder Cannabisproduzent haben. Denn als Arzt muss ich mich darauf verlassen können, dass ich meinen Patienten Blüten verordnen kann, deren Wirkprofil sich nicht von Charge zu Charge unterscheidet."

Manche Terpene haben eigene Wirkungen

Der Facharzt aus Rüthen hat sich wissenschaftlich intensiv mit der Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe der Cannabispflanze befasst. In einem seiner Übersichtsartikel weist er auf direkte pharmakologische Effekte einzelner Terpenkomponenten hin. So weist Myrcen im Tierversuch analgetische und muskelrelaxierende Effekte auf und Linalool neben antiepileptischen auch analgetische Wirkungen. Pinen soll unter anderem antientzündlich und bronchodilatorisch wirken und bei d-Limonen gibt es Hinweise auf antidepressive Effekte beim Menschen. Eben diese Komponenten, bei denen es bei den Analysen der „Penadios 22/1“-Proben Abweichungen gegeben hatte. 



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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8 Kommentare

Unterschied

von Claus am 17.06.2019 um 19:29 Uhr

Ich habe den Unterschied, bei derselben Sorte. Von einer Charge zur anderen, selber bemerkt. Habe in der Apotheke gesagt, hier ist nicht das drin was draufsteht. Die Antwort war es ist eine Pflanze, demzufolge kann sich immer alles ändern.

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Prof. Dingermann

von Krankgemacht am 13.06.2019 um 12:46 Uhr

Wenn der Mann, der also das BfArM berät, jetzt ausgerechnet die Handhabe mit Cannabis vereinfachen möchte und das gute Kraut auf THC und CBD runterbrechen will, dann kann ich schon fast unterstellen, dass er auf Reinstoffextrakte aus ist, um die Pflanze wieder zu verbieten. Doch diese ist eine richtige Chemiefabrik, die durch gezielte Züchtung viele Richtungen abdecken kann. Bei anderen Medikamenten wird der Patient häufig zum "Versuchskaninchen" und muss das eine oder andere testen, bis er ein verträgliches Mittel findet. Was soll daran schlimm sein, sich durch mehrere Marihuanastrains zu testen, bis man seine Favoriten gefunden hat, wenn das bei den kleinen weißen Pillen mit teils tödlichen Nebenwirkungen der normale Alltag ist?

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Hervorragender Artkel

von Pharmixx am 04.06.2019 um 12:15 Uhr

Sehr geehrte Frau Dr. Jung!
Wie immer bei Ihnen; Hervorragend recherchiert und ohne viel Prosa auf den Punkt gebracht. Bitte weiter so.

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Verbrecher

von SourDiesel am 29.05.2019 um 19:48 Uhr

Da kann der Patient auch selbst anbauen und 24€ pro Gramm sparen! Wenn das Terpenenprofil sowieso immer unterschiedlich ist. Was ja u.a. als Grund herangezogen wurde warum Patienten nicht selbst anbauen solten. Und das obwohl in anderen Ländern das komischerweise möglich und erfolgreich ist.

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Danke

von Micha Greif am 27.05.2019 um 22:46 Uhr

Danke für diesen sehr guten Artikel! Ich verfolge das Thema bei Ihnen weiter mit großem Interesse.

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Danke

von Konopja am 24.05.2019 um 14:32 Uhr

Das ist ja fast schon ein Skandal!

So viel zum Thema Standartisierte Gleichbleibende Qualität... So wird mit der Gesundheit von Patienten gepokert...

Wie soll man als Patient und Arzt bereits bei Antragstellung die richtige Sorte angeben oder überhaupt finden, wenn schon die Produzenten nicht in der Lage sind dies zu machen.


Wie kann das geduldet werden das nicht das Produkt oder besser gesagt die Inhaltstoffe enthalten sind, welche angegeben werden? Wo ist hier nun die strenge Kontrolle die angeblich durchgeführt wird?

Unverschämtheit.

Super das sich jemand, in dem Fall CMF, mal ins Zeug gelegt hat, und nun Beweise SCHWARZ AUF WEIS hat!

Danke!!!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Danke

von dc am 23.05.2019 um 21:28 Uhr

Danke für diesen wertvollen Beitrag!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Danke

von Patient am 24.05.2019 um 7:01 Uhr

Die Ignoranz der Verantwortlichen ist nicht hinzunehmen

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