Rote-Hand-Brief

HIV: Welche Therapien für Schwangere (nicht) geeignet sind

Stuttgart - 29.03.2019, 17:00 Uhr

Eine Schwangerschaft kann auch Sorgen mit sich bringen. Dennoch muss HIV nicht bedeuten, dass man keine gesunden Kinder zur Welt bringen kann. (Foto: pressmaster / stock.adobe.com)

Eine Schwangerschaft kann auch Sorgen mit sich bringen. Dennoch muss HIV nicht bedeuten, dass man keine gesunden Kinder zur Welt bringen kann. (Foto: pressmaster / stock.adobe.com)


Vergangenen Dienstag erschien ein Rote-Hand-Brief des Pharmaunternehmens Gilead Sciences, in dem vor einem Therapieversagen in der Schwangerschaft der drei HIV-Arzneimittel Genvoya®, Stribild® und Tybost® gewarnt wird. Grund seien erniedrigte Plasmaspiegel des Wirkstoffs Elvitegravir und des Boosters Cobicistat. Zu Cobicistat in der Schwangerschaft gab es bereits 2018 einen Rote-Hand-Brief der Firma Janssen, ebenso zu Dolutegravir von ViiV Healthcare. Es stellt sich die Frage: Welche HIV-Therapie kann man in der Schwangerschaft empfehlen? DAZ.online hat sich die Leitlinie angeschaut.

Laut der Deutsch-Österreichischen Leitlinie zur „HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIV-exponierten Neugeborenen“ wurden in Europa vor Einführung der medikamentösen Transmissionsprophylaxe in einer nicht stillenden Population rund 15 bis 25 Prozent der Kinder von ihren HIV-positiven Müttern angesteckt. Die antiretrovirale Kombinationstherapie (cART) soll dann bei Schwangeren mit bekannter HIV-Infektion die Mutter-Kind-Transmissionsrate auf <1 Prozent reduziert haben. Eine wirksame HIV-Therapie ist also sowohl für das Kind, als auch für die Schwangere extrem wichtig.

Grundsätzlich gelten für Schwangere dieselben Behandlungsindikationen wie für nichtschwangere Erwachsene, jede HIV-Infektion in der Schwangerschaft soll behandelt werden. Wird die Infektion erst in der Schwangerschaft diagnostiziert, ist es möglich eine Behandlung erst zu Beginn des zweiten Trimenons (nach Abschluss der Organogenese) in Erwägung zu ziehen. Laut Leitlinie stehen dann prinzipiell alle Substanzklassen zur Verfügung – wobei die wenigsten für den Einsatz in der Schwangerschaft zugelassen sind und auch die klinischen Erfahrungen begrenzt sind. 

Empfohlene Substanzen in der Schwangerschaft 

Aus der Klasse der NRTI (nucleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) werden Tenofovir/Emtricitabin und mit Einschränkung Abacavir/Lamivudin als Fixkombination einmal täglich empfohlen. Zwei NRTI bilden das „Rückgrat“ einer HIV-Therapie. Sie werden im Allgemeinen entweder mit einem Integrase-Inhibitor (INI), einem Protease-Inhibitore (PI) oder einem NNRTI (nicht nucleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren) kombiniert. In der Leitlinie zur Schwangerschaft wird aus der NNRTI-Gruppe Nevirapin zweimal täglich empfohlen.

PI sind allgemein in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir (PI/r) oder Cobicistat (PI/c) stärker wirksam und werden nur mit diesen Booster-Substanzen gemeinsam empfohlen. In der Leitlinie zur Schwangerschaft sind das Atazanavir/r, Darunavir/r und Lopinavir/r.
Aus der relativ jungen Gruppe der INI kann Raltegravir als Teil einer cART oder in Ergänzung sinnvoll sein – in Fällen einer späten HIV-Erstdiagnose in der Schwangerschaft oder bei später Erstvorstellung in der Schwangerschaft zur rascheren Absenkung der HIV-RNA bis zum Geburtstermin.

Medikamentenspiegelmessungen in Schwangerschaft sinnvoll

Wird die Schwangere bereits vor der Schwangerschaft erfolgreich gegen HIV behandelt, soll die vorhandene cART weitergeführt werden. Es soll aber geprüft werden, ob eine Anpassung mit den oben genannten Substanzen im Hinblick auf das Kind möglich und sinnvoll ist. Als Beispiel-Präparate, zu denen wenige Daten in der Schwangerschaft vorliegen, werden die modernen Single-Tablet-Regime (STR) genannt.

Die Leitlinie schreibt, dass vor Beginn der cART ein Resistenztest erfolgen soll und: „Darüber hinaus kann die Pharmakokinetik antiretroviraler Substanzen durch eine Schwangerschaft verändert werden.“ Deshalb könnten Medikamentenspiegel-Messungen sinnvoll sein.
Dass das wirklich so ist, beweisen zwei Rote-Hand-Briefe der jüngeren Vergangenheit. Einer stammt vom 24. Juni 2018 von der Firma Janssen, über den DAZ.online bereits berichtete. Der neueste stammt vom vergangen Dienstag von Gilead.



Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Hypnose als Therapie geeignet?

von Lukas am 01.04.2019 um 11:54 Uhr

Hallo liebe Apotheker-Seite,

sind Hypnose-Therapien wie diese hier: https://www.resetyourhead.de
für schwangere Frauen geeignet?

Liebe Grüße Lukas!

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