Pop-Up-Store

Amazon testet Präsenzgeschäft auf Berliner Kurfürstendamm

München - 13.11.2018, 17:00 Uhr

Bald auch in Deutschland? Eines der „Amazon Go“-Geschäfte, die ohne Kassen auskommen in Seattle, USA. (Foto: Andrej Sokolow / dpa)

Bald auch in Deutschland? Eines der „Amazon Go“-Geschäfte, die ohne Kassen auskommen in Seattle, USA. (Foto: Andrej Sokolow / dpa)


Der weltweit größte Internethändler Amazon wird in Kürze zum ersten Mal in Deutschland ein Einzelhandelsgeschäft eröffnen – allerdings nur vorübergehend. Der Konzern plant, für sechs Tage einen sogenannten Pop-up-Store am Berliner Kurfürstendamm aufzumachen. Das könnte ein Testballon für weitere stationäre Einzelhandelsgeschäfte sein.

Amazon breitet sich in immer mehr Handels- und Wirtschaftsbereiche aus – im Gesundheitssektor, aber auch weit darüber hinaus. Nun scheint der weltgrößte Versandhändler in Deutschland erstmals testen zu wollen, wie er im Präsenzgeschäft bei den Kunden ankommt. Wie das Unternehmen mitteilte, will Amazon vom 22. bis 27. November am Berliner Kurfürstendamm 26a, der berühmtesten Einkaufsmeile der Stadt, einen Pop-up-Store eröffnen. Der Laden soll außer sonntags von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet sein und mehr als 500 Produkte aus dem Sortiment von Amazon ausstellen. Das Unternehmen kooperiert dabei nach eigenen Angaben mit Partnern wie Samsung, Warner, Huawei und Hewlett-Packard. Außerdem will der Konzern verschiedene eigene Produkte aus der FireTablet-Serie und dem Amazon Echo-Sortiment ausstellen.

Die Produkte sollen mittels eines QR-Codes gescannt und dann direkt über Amazon zur Lieferung bestellt werden können. Amazon verknüpft damit den Präsenzhandel mit der Einkaufsabwicklung über das Internet. Dass das Unternehmen zunehmend auch offline präsent ist, zeigt der kürzlich gestartete Vertrieb von gedruckten Katalogen. Diese enthalten verschiedene Weihnachtsangebote, welche per QR-Code online erworben werden können.

Bislang betreibt Amazon in Europa keine eigenen Geschäfte. Anders in den USA, wo der Konzern neben einigen von Amazon betriebenen Buchläden seit einiger Zeit auch einen Selbstbedienungssupermarkt ohne Verkaufspersonal betreibt, wo die Kunden ohne Bargeld unter Verwendung ihres Smartphones und einer herunter geladenen Amazon-App einkaufen können. Die entsprechenden Beträge werden anschließend vom Amazon-Konto der Nutzer abgebucht. In Kürze will Amazon weitere Geschäfte dieser Art eröffnen.

„Daraus können wir lernen“

Der Berliner Testballon von Amazon wird nach einem Bericht des Tagesspiegel den Betreibern der traditionellen Geschäfte auf dem Ku'damm zwar nicht das Weihnachtsgeschäft durcheinander bringen – aber eine Provokation sei dieser Übertritt in die reale Welt schon. Bei der AG City, die Interessen der Geschäftsleute in der westlichen Berliner Innenstadt vertritt, spreche man betont entspannt von einem „interessanten Experiment“. Daraus „können auch wir noch etwas lernen“, zitiert das Medium Uwe Timm, der dem Vereinsvorstand angehört und außerdem Centermanager im Europa-Center am Breitscheidplatz ist.

Welche Marktdominanz Amazon mittlerweile im deutschen Handel hat, haben kürzlich erstmals Wissenschaftler der Universität St. Gallen in Kooperation mit Payback, der Unternehmensberatung Etribes und der auf Amazon spezialisierten Agentur Factor-a in einer Studie ausgearbeitet. In ihrem „Amazon Watch Report“ haben sie anhand eines Indexwertes berechnet, wie groß die Dominanz in bestimmten Bereichen ist. Demnach liegt sie bei Büchern mit sieben von zehn möglichen Punkten am höchsten. Hier bringt es Amazon auf einen Marktanteil von fast 20 Prozent.

Doch auch bei Spielwaren, Babyartikeln, Sport & Freizeit sowie Elektronik & Computern kommt das Unternehmen auf Marktanteile von mehr als 16 Prozent. Am geringsten ist demnach die Dominanz in den Bereichen Drogerie & Beauty, Kleidung & Schuhe sowie Lebensmittel.

„Der Report zeigt, dass die Dominanz von Amazon zur Bedrohung für viele Händler geworden ist“, sagte Payback-Geschäftsführer Dominik Dommick. „Und Amazon strebt nach immer größerer Dominanz.“

Seit Längerem zeigt sich deutlich, dass Amazon sich in immer mehr Geschäftsfeldern ausbreitet. So investiert das Unternehmen derzeit viel Geld in einen eigenen Musik- und Videodienst. Bezogen auf den Gesundheitssektor wurde jüngst bekannt, dass Amazon gemeinsam mit dem Medizinprodukte-Hersteller und Beratungsunternehmen Arcadia Group die neue Gesundheitsmarke „Amazon Choice“ entwickelt. In erster Linie handelt es sich dabei um den Verkauf von Blutzucker- und Blutdruckmessgeräten. Erst im Juni hatte der Konzern die US-Apothekengruppe PillPack übernommen und angekündigt, mit der Großbank J.P. Morgan und Berkshire Hathaway zusammen eine Krankenkasse für die eigenen Mitarbeiter sowie in einem späteren Schritt für alle US-Amerikaner aufbauen zu wollen.

Wie Amazon versuchen auch andere Onlineunternehmen zunehmend den Schritt in die Offline-Welt und eröffnen Läden in den Innenstädten, beispielsweise jüngst Zalando, Notebooksbilliger.de oder in der Schweiz die Versandapotheke Zur Rose.



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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