Gesundheitsstatistik

WHO: Deutsche trinken überdurchschnittlich viel Alkohol

Berlin - 12.09.2018, 07:00 Uhr

Dem neuen WHO-Gesundheitsbericht zufolge sind die Impfraten in Deutschland zwar gestiegen, aber der Alkoholkonsum gleichzeitig auch. (Foto: paylessimages / adobe.stock.com)

Dem neuen WHO-Gesundheitsbericht zufolge sind die Impfraten in Deutschland zwar gestiegen, aber der Alkoholkonsum gleichzeitig auch. (Foto: paylessimages / adobe.stock.com)


Die Europäer leben länger und gesünder, aber viele können nicht von ihren Lastern lassen. Rauchen, Alkohol und Übergewicht seien in vielen Staaten ein Problem, geht aus dem neuesten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Europäische Region hervor. Dazu zählen 53 Länder, vor allem in Europa, aber auch einige im Kaukasus und Zentralasien. Auch die Impfraten wurden untersucht.

„In Deutschland liegt der Alkoholkonsum sehr hoch“, sagte die WHO-Expertin Claudia Stein der Deutschen Presse-Agentur. Wer über 15 Jahre alt sei, trinke in der Europäischen Region durchschnittlich 8,6 Liter reinen Alkohol pro Jahr. „In Deutschland sind es aber 11 Liter.“ Spitzenreiter Litauen komme sogar auf 15,2 Liter. In Russland habe der Alkoholkonsum dagegen abgenommen (10,1 Liter) – parallel dazu sei die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgegangen. Kürzlich im Fachjournal „The Lancet“ vorgestellten Daten zufolge trinken Männer in den meisten Ländern deutlich stärker als Frauen. In der Folge ist demnach ein höherer Prozentsatz der Todesfälle bei Männern als bei Frauen auf Alkoholkonsum zurückzuführen.

Zurück zum WHO Bericht: „Die höchste Lebenserwartung in der Europäischen Region haben mit 83 Jahren die Schweiz und Luxemburg“, sagte Stein. Mädchen und Jungen, die in Deutschland geboren werden, werden ihr zufolge im Durchschnitt 81 Jahre alt. „Damit liegt Deutschland im obersten Viertel der Statistiken. Das liegt unter anderem am guten Zugang zum Gesundheitssystem.“

Impfraten in Deutschland verbessert

Auch die Impfraten hätten sich in Deutschland deutlich verbessert. „Sie liegen bei Masern inzwischen bei 97 Prozent“, sagte die WHO-Abteilungsleiterin für Information, Evidenz, Forschung und Innovation. Schlusslicht sei die vom Krieg gebeutelte Ukraine mit 42 Prozent. „Masern sind eine potenziell tödliche Krankheit“, so Stein.

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Europäischen Region bringt zu viele Kilos auf die Waage, Tendenz steigend. „In den meisten Ländern waren mehr Männer als Frauen übergewichtig, doch litten mehr Frauen an Adipositas (extremem Übergewicht) als Männer“, heißt es in der am Mittwoch in London veröffentlichten Studie. In Deutschland sorgen sich Experten um die Zunahme der Adipositas bei Kindern.

Insgesamt zieht die WHO ein positives Fazit: In der Europäischen Region sei die Lebenswartung demnach binnen fünf Jahren um ein Jahr gestiegen. Vor allem die verfrühten Todesfälle durch die wichtigsten nichtübertragbaren Krankheiten - Krebs, Herzleiden, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen - gingen deutlich zurück; zuletzt um zwei Prozent pro Jahr. Der Report zur Europäischen WHO-Region, zu der auch Länder wie Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan gehören, wird alle drei Jahre veröffentlicht. In dem Gebiet leben fast 900 Millionen Menschen.


bro / dpa
brohrer@daz.online


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1 Kommentar

"Klingel Dich frei - Cin-Cin..."

von Detlef Eichberg am 12.09.2018 um 8:14 Uhr

Obiger Werbeslogan für einen berühmten Martini wurde als einer der besten ever prämiert. Ohne mich an dieser Stelle zu arg wieder aufplustern zu wollen, stelle ich mal meinen Artikel zum Thema Alkoholmissbrauch aus der Laien-Presse ein:
Alkoholismus
(Von Dr. Detlef Eichberg)
Wahrscheinlich kennt Jede(r) solcherlei Dumm-Sprüche zum Thema Alkohol: Alkohol und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin, aber ohne Suff und Rauch stirbt die andre Hälfte auch. Oder: Zwischen Leber und Milz passt immer noch´n Pils... Dabei hat Alkoholismus nichts mit Dummheit zu tun, denn seit einem Urteil des Bundessozialgerichtes wird der Alkoholabhängigkeit der Status einer Erkrankung zugesprochen, die mit Willen und Intelligenz allein nicht in den Griff zu bekommen ist. Es besteht vielmehr die Notwendigkeit einer Therapie, die aufgrund besagten Gerichtsurteils von der Krankenkasse erstattet wird. Die Ursachen dieser vielfach noch als unanständig bewerteten Erkrankung sind nicht eindeutig zuzuordnen: Erbfaktoren, gesellschaftliche Einflüsse und vor allem psychische Defizite tragen in variierenden Anteilen zum Entstehen dieser Suchterkrankung bei. Erbfaktoren und Gesellschaft wird man schwerlich
verändern können. Daher setzen die meisten Therapien zunächst bei der Bewusstmachung der eigenen Ohnmacht und Hilflosigkeit dem Problem gegenüber an. Man könnte den Vergleich mit einer Allergie wagen: sobald das erste Molekül Alkohol den abhängigen Organismus kontaktiert, treten - gleichsam wie bei Heuschnupfen das Niesen nach Kontakt mit Pollen - Kontrollverlust und alle anderen Suchtsymptome auf. Die einzige Chance, diese nicht von Grund auf heilbare Krankheit zum Stillstand zu bringen, besteht in der konsequenten Abstinenz dem Alkohol gegenüber. Ironisch ausgedrückt könnte man sagen, dass Alkohol für Viele ein Lösungsmittel ist. Er löst Beziehungen, Bankkonten, die Leber und einiges andere auf. Vor allem aber reduziert Alkohol die Belastbarkeit. Mit der Zeit kommt es nicht mal mehr zu der ersehnten Euphorie, die übrigens das Resultat einer vermehrten Freisetzung körpereigener Opiate nach Alkoholkonsum darstellt (Belohnungssystem im Gehirn), also gar nicht so weit vom Heroin-Junkie entfernt ist. Die Gier
und der Zwang zum Trinken haben dann die/den Betroffene(n) voll im Griff. Mit einem simplen Bild lässt sich Entstehung und Therapie des Alkoholismus
veranschaulichen: Stellen Sie sich das Oval einer kleinen Modelleisenbahn vor. Bis zur Pubertät, vielleicht auch länger, fährt Ihre Husch-Husch immer schön im Kreis herum. Dann entdecken Sie auf einmal an einer Weiche die Abzweigung in einen Tunnel. Dieser Tunnel steht für Alkohol: Sie machen die erste Erfahrung seiner Wirkung und Ihr Unterbewusstsein merkt sich die angenehme Entspannung und das Gut-Drauf-Sein. Sie fahren danach wieder brav ihre Runden, ohne die Abzweigung zum Tunnel zu nehmen. Aber inirgend einer Belastungssituation erinnern Sie sich unbewusst an die Erfahrung des Alkohol-Tunnels und Sie biegen ab und fahren durch den Tunnel. Das geschieht mit der Zeit immer häufiger und die normale Strecke wächst langsam mit Gras zu, weil wir nur noch über die Abzweigung durchs Tunnel fahren. Wohl denen, die dann erkennen, dass die Einfahrt zum Tunnel verbarrikadiert und die frühere Strecke wieder frei gelegt werden muss. Hierfür bedarf es der Hilfe. Erst nach Einsicht seiner Machtlosigkeit dem Problem gegenüber kann der Süchtige therapeutisch aufgebaut werden: nach der Aufdeckung seiner psychischen Defizite können anschließend im nüchternen Zustand Verletzungen, unreife Verhaltensweisen, Belastbarkeit und anderes mehr verarbeitet und geheilt werden. Um die zwingend notwendige Trockenheit zu stabilisieren, wird abschließend versucht ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass die bereichernde Erfahrung einer entschiedenen Abstinenz und die damit verbundene neu gewonnene Freiheit, Zufriedenheit und Lebenstüchtigkeit sich lohnt. Für eine lebenslange Abstinenz gibt es keinen Garantieschein, man muss sich achtsam ständig darum bemühen. Daher ist ein Kontakt zu Selbsthilfe-Gruppen und Beratungsstellen dringend zu empfehlen.

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