Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

19.08.2018, 08:00 Uhr

Apotheke im Dorf, Teil von Heimat – wie lange noch? Versender sahnen mit Rx-Versand ab. Und die Politik such nach fairen Wettbewerbsbedingungen... (Foto: Andi Dalferth)

Apotheke im Dorf, Teil von Heimat – wie lange noch? Versender sahnen mit Rx-Versand ab. Und die Politik such nach fairen Wettbewerbsbedingungen... (Foto: Andi Dalferth)


Ein fairer Wettbewerb steht für Spahn ganz vorne. Und sollte der nicht machbar sein, erst dann nimmt man ein Rx-Versandverbot mal in den Blick. Wir haben verstanden. Immerhin, der Apotheker ist „Teil von Heimat“ und unverzichtbar. Hört man auch bei sächsischen Gesundheitspolitikern: Die Apotheke bleibt im Dorf. Aber wie lange noch? Und: DocMorris eilt von Umsatzplus zu Umsatzplus, auch bei Rx. Konsequent will eine oberbayerische Apothekerin agieren und wirft die Homöopathie raus – ganz im Spiegel-Trend: esoterische Zauberkügelchen. Hauptsache, die Apotheke hat einen Datenschutzbeauftragten!  

13. August 2018

Erst schließt die Post, dann die Sparkasse, dann geht der Arzt und schließlich macht die Apotheke zu – die Regionen, in denen die Gesundheitsversorgung der Landbevölkerung gefährdet ist, nehmen zu. Lasst die Apotheke im Dorf – mit diesem Appell wandten sich Kammer und Verband von Sachsen an die Politik. Zum Gespräch waren Apothekerinnen und Apotheker Sachsens eingeladen. Ein löblicher Austausch, man hatte den Eindruck, die Politik hat verstanden, worum es geht, und sie bekannte sich dazu: Wir wollen die Apotheke im Dorf lassen. Man kann nur hoffen, dass es nicht bei den Lippenbekenntnissen bleibt. Immerhin, der sächsische CDU-Gesundheitspolitiker Krauß glaubt noch an ein Rx-Versandverbot. Und die sächsische Staatssekretärin Kraushaar zeigte sich erfrischend offen für Modellversuche, beispielsweise für Telemedizin und Telepharmazie vergleichbar dem Schweizer Netcare-Modell, bei dem in einem Nebenraum der Apotheke eine Telesprechstunde mit einem Arzt stattfindet. Und Friedemann Schmidt, sächsischer Kammerpräsident und ABDA-Präsident, mahnte bei der Politik an, die Rechtsgrundlage dafür zu schaffen, dass Apotheker und Krankenkassen Verträge schließen können, mit denen Apotheker honorierte Dienstleistungen erbringen können. Mein liebes Tagebuch, das könnte auch die Position einer Apotheke auf dem Land stärken. Und wenn doch eine Apotheke schließen muss, dann funktioniert die Versorgung dennoch – über Botendienste und Rezeptsammelstellen (auch in Sachsen soll bald eine elektronische Sammelstelle eingerichtet werden). Dennoch, wie Wortmeldungen von Apothekerinnen und Apothekern zeigten, wünscht sich der eine oder andere Landapotheker, der allein mit einer PKA und PTA in seiner Apo steht, mehr, z. B. eine kurzzeitige Vertretungsbefugnis durch die PTA oder eine zeitlich begrenzte Schließung der Apotheke, um mal Urlaub machen zu können. Mein liebes Tagebuch, solche Fragen kommen auf. Während eine temporäre Schließung vielleicht regelbar wäre, muss man die Vertretung durch eine PTA allerdings kritisch sehen. Eine PTA hat kein Pharmaziestudium absolviert, sie hat keine Approbation. Und wo sollte eine Vertretungsbefugnis beginnen? Für ein, zwei Stunden? Für einen Tag, für eine Nacht? Eine Woche? Man sieht, mein liebes Tagebuch, das ist nicht machbar, nicht verhandelbar. Das führt, konsequent zu Ende gedacht, zu einem anderen System, das wir nicht wollen. Mein liebes Tagebuch, ich möchte auch in einer ärztlichen Praxis nicht von einer MTA statt vom Arzt behandelt werden.

14. August 2018 

Unser neues Apothekerhäuschen in der Berliner Heidestraße steht schon prächtig da – jetzt hat die ABDA auch noch ein Mega-Werbebanner als Hingucker anbringen lassen. Auf dem Riesenposter ist zu lesen: „Gesundheitsberatung? Will ich Face-to-Face – deshalb gehe ich in meine Apotheke“ – gut gemeint, auch wenn der Slogan ein bisschen schräg klingt. Mein liebes Tagebuch, mal abgesehen davon, wäre interessant zu wissen, wie der Neubau in der Öffentlichkeit ankommt. Da schließen jährlich über 200 Apotheken, da jammern die Apothekers über den Versandhandel, der ihnen die Butter vom Brot nimmt, aber ein schmuckes 35 Mio.-Häuschen können sie sich leisten – das könnte so manchem Zeitgenossen aus Politik und Wirtschaft beim Anblick des Immobilien-Statussymbol in den Sinn kommen. Die Frage stellt sich: Passt so ein Symbol noch in unsere Zeit?

15. August 2018 

Valsartan-Krise, Lunapharm-Affäre, chinesischer Impfstoff-Skandal – zurzeit ist einiges geboten. Und die Politik meldet sich besorgt zu Wort. Aber mein liebes Tagebuch, wird das Folgen haben? Schaut man sich das Interview mit dem CDU-Gesundheitspolitiker Hennrich an, dann ist bis jetzt alles noch recht halbherzig und nebulös. Wo man genau ansetzen will, bleibt offen. Ja, es hakt beim Vollzug, bei den Behörden, und ja, man müsste bei den Rabattverträgen nachjustieren, z. B. irgendwie einen obligatorischen Qualitätsmechanismus einbauen: mehr Kontrollen bei den Herstellern. Mein liebes Tagebuch, da beißt sich doch die Katze in den Schwanz – mehr Kontrollen würde wieder eine bessere Aufstellung und Besetzung der Behörden nach sich ziehen und dafür mangelt es wiederum an Geld. Was Hennrich durchaus sieht: Wir müssten uns vom chinesischen Markt unabhängiger machen, aber das ginge nur mit einer europäischen Lösung, meint er. Europäische Ebene – ich vermute, da wird sich so schnell nichts tun. Und zur Frage, wer bei Krisen, wie sie Valsartan offenlegt, haftet, da sieht Henrich die Kassen in der Pflicht. Allerdings, wie kann man das sauber regeln? Vermutlich gar nicht, mein liebes Tagebuch, denn die Kassen würden es auf die Leistungserbringer und Hersteller abwälzen. Enttäuschend waren Hennrichs Anmerkungen zur Importquote – für ihn ist klar, dass der Gesetzgeber nicht eingreifen muss, denn Krankenkassen und Apotheker könnten das jederzeit im Rahmenvertrag regeln und die Quote auf Null senken. Formal richtig, aber da macht er es sich zu einfach. Die Quote ist ja schließlich auf politischem Weg ins Gesetz gekommen und nicht durch einen Rahmenvertrag. Dann sollte sich die Politik dazu bekennen und sie politisch abschaffen. Aber das macht wohl Arbeit. 

16. August 2018 

Werbung, Posts, Influencer – die aggressive Werbung auf allen Kanälen unserer liebsten Versandapo an der niederländischen Grenze trägt reichlich Früchte: Der Umsatz wächst und wächst und wächst, auch mit Rx. Auch Zukäufe von anderen Versandapos wie Eurapon und Vitalsana und die Übernahme des Versandhandelsgeschäfts von apo-rot mögen dazu beitragen. Nach eigenen Angaben erreichte der Päckchenpacker DocMorris im ersten Halbjahr einen Umsatz von 291 Mio. Euro, was auf ein Umsatzplus von 38,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückzuführen ist. Zur Rose, der Mutter-Konzern von DocMorris, meldet stolz, man habe die OTC-Marktführerschaft in Deutschland übernommen. Und auch bei Rx brauchen wir uns um das ach so benachteiligte Versandhandelsgeschäft keine Sorgen zu machen: Ein Umsatzplus von 10 Prozent erwirtschaftete der Versender allein in dieser Sparte. Und damit schon bald noch mehr Päckchen verschickt werden können, wird der Standort Heerlen mit einem neuen Logisitikgebäude erweitert: Wenn heute rund 7,2 Mio. Arzneipäckchen das Haus verlassen, dann sollen es 2020 wohl 30 Mio. sein. Angestrebt werden 50 Mio. Päckchen. So sieht’s aus – dies auch zur Information unserer lieben Gesundheitspolitiker(innen), die gerne mal bei DocMo vorbei schauen oder glauben, den ausländischen Versandhandel nach Deutschland mit ihrem Segen und ihrer Fürsprache unterstützen zu müssen. 


Auch Gesundheitsminister Jens Spahn will die Apotheke im Dorf lassen: In einem Interview mit der Apotheken-Umschau bekennt er sich dazu: Ebenso wie der Hausarzt sei der Apotheker vor Ort „Teil von Heimat“, auf den man nicht verzichten könne. Schön gesagt, voll im warmen CSU-Mainstream, mein liebes Tagebuch, nur allein mir fehlen die Taten, dass das auch in Zukunft so bleibt. Immerhin, es gibt Spahn-Sätze wie diese: „Ich möchte alles versuchen, um einen fairen Wettbewerb herzustellen. Wenn das nicht gelingt, nehmen wir ein generelles Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente in den Blick.“ Und damit, mein liebes Tagebuch, ist doch eigentlich alles gesagt. Im Klartext: Erst mal versucht man irgendwie einen fairen Wettbewerb herzustellen und sollte das nicht fruchten, dann schaut man sich das Rx-Versandhandelsverbot an. Enthusiasmus fürs Rx-Versandverbot sieht anders aus. Das Spannende wird sein: Wie werden die Versuche für einen fairen Wettbewerb aussehen? Mehr dazu gibt’s von Spahn vermutlich in seiner Rede auf dem Deutschen Apothekertag. 

17. August 2018 

Oh je, jetzt geht’s dahin mit der Homöopathie, die Globokalypse naht, der Untergang und das Ende von Globuli und Co. Die erste Apotheke hat, nach ärztlicher Beratung, Hilfe und Konsultation, die Homöopathika aus der Sichtwahl verbannt. Ein Donnerschlag, der alle Gobuli-Liebhaberinnen und -Liebhaber ins Mark getroffen haben muss. „Hier Homöopathie-freie Zone“ steht zwar außen nicht auf dem Schaufenster, aber drinnen wird es so gelebt. Fast, denn es gibt sie noch, die Kügelchen, aber nur auf Rezept oder auf insistierende Nachfrage von Kunden („Ham se auch was Hämobadisches?“) und erst, wenn sich der Kunde zuvor einen Leitlinienvortrag anhört. Apothekerin Hundertmark im oberbayerischen Weilheim will wissenschaftlich sein, und konsequent. Und vor allem ehrlich. Und Ehrlichkeit kostet, nämlich Umsatz. Nun, mein liebes Tagebuch, das alles ist ehrenhaft und von bewunderswerter Konsequenz. Aber, wird die Realität gnadenlos zurückschlagen? Werden dm und Rossmann schon bald einen Antrag stellen, Homöopathika führen zu dürfen? Wird die Weilheimer Bahnhof Apotheke ihren harten Kurs durchhalten können? Werden die Homöopathie-Gegner Dankesbriefe schreiben? Oder werden Homöopathie-Gläubige diese Apotheke ächten? Und werden in dieser Apotheke auch weiterhin Contramutan, Meditonsin und Traumeel verkauft? Wir wissen es nicht. Meinem lieben Tagebuch  fällt dazu nur ein, ganz frei nach Loriot: „Ein Leben ohne Homöopathie ist möglich, aber sinnlos.“ 

Übrigens, der aktuelle Spiegel hat seine Titelgeschichte „den esoterischen Therapien wie der Homöopathie“ gewidmet. Die Autorin Veronika Hackenbroch hat dazu ihre Meinung: Hokuspokus, eine der absurdesten aller Heilmethoden, Globuli helfen keinen Deut besser als Zuckerkügelchen, wenn überhaupt, haben die homöopathischen Zauberkügelchen einen Placeboeffekt. So gesehen, mein liebes Tagebuch, liegt die oberbayerische Apotheke voll im Trend – von Spiegel & Co.


Braucht eine Apotheke nun einen Datenschutzbeauftragten oder braucht sie keinen? Wenn’s nach der bayerischen Interpretation geht, dann braucht sie angeblich keinen. Das bayerische Innenministerium interpretiert einfach die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ein bisschen hin und her und um, es möchte eine „sachgerechte“ Anwendung „mit Augenmaß“. Das Seehofer-Heimat-Land gibt sich wie immer gern bürgernah und mittelstandsfreundlich. Oder tut zumindest so. Und damit steht Bayern im Widerspruch zu den Landesdatenschutzbehörden und der Bundesregierung. Mein liebes Tagebuch, bei aller Liebe fürs Augenmaß und für mittelstandsfreundliche Regelungen: Zur Kerntätigkeit einer Apotheke gehört doch eine umfangreiche Verarbeitung von Gesundheitsdaten. Jedes Rezept, ja sogar jeder Kundenwunsch, der im Kundenkonto gespeichert wird, betrifft personenbezogene Gesundheitsdaten. Da muss der Datenschutz gewährleistet sein, auch unabhängig davon, ob in der Apotheke weniger als zehn Personen damit beschäftigt sind. Ich vermute mal, mein liebes Tagebuch, Bayern wird mit seiner individuellen Auslegung nicht weit kommen. Der oberste bayerische Datenschützer, Thomas Kranig, Präsident der bayerischen Landesdatenschutzbehörde, stellt sich gegen das Innenministerium und stellt bereits klar: Einen bayerischen Weg kann es bei der DSGVO nicht geben. Es müsse ein Datenschutzbeauftragter benannt werden, wenn mindestens zehn Personen ständig mit der automatisierten Verarbeitung personenbezogener Daten beschäftigt sind. Übrigens, auch der hessische Datenschutzbeauftragte hat sich schon zu Wort gemeldet. Er sieht’s sogar noch strenger: Jede Apotheke braucht einen Datenschutzbeauftragten, zumindest für die Dauer von zwei Jahren. Also, auch wenn’s vielleicht Umstände macht: Ein mögliches Bußgeld vermeidet wohl nur die Apotheke, die einen Datenschutzbeauftragten hat. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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11 Kommentare

Wettbewerb?

von Heiko Barz am 19.08.2018 um 19:12 Uhr

Ein wie auch immer vorgeschlagener „Wettberb“ zwischen Auslandsversendern und „Vor Ort Apotheken“ kann es gar nicht geben, weil:
1. Systematischer Leistungsabgang bei allen sozialbedingten Zusatzversorgungen, die für Vor-Ort Apos schon immer zur Selbstverständlichkeit zählten. ( Not und Nachtdienste etc )
2. Massiv eingeschränkte Einkaufsmöglichkeiten zur Erzielung unternehmerisch wichtiger Industrierabatte, deren Wichtigkeit mit uns vergleichbar, in NL gar nicht debattiert werden, und von der EU, für mich unerklärlich, überhaupt nicht beanstandet werden.
3. unglaubliches Mißverhältnis der MWST-Sätze in Europa ( da macht sich der EU-Gerichtshof einen seeehr schlanken Fuß.)
Und wenn man nicht weiter weiss, dann holt man schnell den freien europäischen Warenverkehr aus der Schublade.
Und wer glaubt, dass der GM diese betriebsvernichtenden Mißverhältnisse ( Mißstände ) des „heimatlichen“ Apothekenbestands zum Vorteil der Deutschen Betriebe abändern will, na, wie sagt man, „Eulen nach Athen.....“!
Wenn nicht endlich mal der Weg der „Eigenbestimmung im Gesundheitswesen“, im Eu-Recht beschrieben,beschritten wird, dann werden wir von von den digitalen Juppie-Politikern ohne jegliche Form der politischen Berufsanerkennung mit analogen Besen aus unserer Lebensplanung herausgefegt.
Sind wir in ihren Augen tatsächlich so wenig wert, Herr Spahn?

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AW: Aw.:Wettbewerb

von Bernd Jas am 19.08.2018 um 21:02 Uhr

Dafür gibt es einen Super-Barz!

Richtungsweisend?

von Reinhard Rodiger am 19.08.2018 um 19:11 Uhr

Da wird ziemlich umkommentiert die Bemerkung stehen gelassen, dass das zentrale Anliegen der Apothekerschaft eine gesetzliche Grundlage für Verträge von Apotheken mit den Krankenkassen sei.(sinngemäss nach FS). An keiner Stelle gibt es Hinweise auf den zerstörerischen Charakter von Selektivverträgen. Die Ärzte können ein Lied davon singen. Divide et impera ist doch das Hauptziel der Krankenkassen, um alle gegeneinander ausspielen zu können.Das Fehlverhalten der Kassen, das ohne Aufklärung und politische Rückführung auf die eigentlichen Aufgaben, solche Wünsche sehr gefährlich macht, bleibt unerwähnt.(siehe BVA,Retax,Rahmenvertrag etc). Genauso unerwähnt bleibt der Schachzug von Jens Spahn, Gunnar Müller (Apothekerprotest) anzurufen.Genial, die anzusprechen, die von der ABDA nicht informiert werden.Da besteht immer noch das Geheimabkommen mit der ABDA. Fragen über Fragen.
Da ist noch die Importdebatte.Wäre sie nicht einfach lösbar, wenn die Krankenkassen dazu verpflichtet würden, den "Bonus" auszuzahlen ? Urplötzlich verliert sich das Interesse.

Wäre es nicht Zeit,dass auf den Tisch kommt,was gespielt wird? Oder ist die Unklarheit richtungsweisend?

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Vertretungsbefugnis auf Zeit für PTA

von Anke am 19.08.2018 um 12:16 Uhr

Ich weiss., dieses Thema ist vielen Apothekern ein Dorn im Auge, warum kann ich nicht sagen. Pharmazie Ingenieure und Vorexaminierte haben meines Erachtens auch keine Approbation und kein Pharmaziestudium absolviert und dürfen vertreten. Das ist kein Argument. Warum also nicht für PTA' s, die z.B. mind. 1ü Jahre Berufserfahrung haben eine Zusatzqualifikation mit Abschlussprüfung einführen, die sie auf die Verantwortung gut vorbereitet. Und diese Kraft darf dann für z.B 1 Woche im Jahr vertreten. Diese Person wöre 1000 mal besser geschult als ein Vorexaminierter Und zur fiinalen Sicherheit gäbe es ja noch die Möglichkeit via Skype mit einem Approbierten Rücksprache zu halten. Ich finde in Zeiten des Fachkräftemangels muss man auch mal neue Wege gehen und verstaubte Ansichten über Bord werfen. Bei den Ärzten darf übrigens auch schon eine speziell ausgebildete fachmedizinische Angestellte Hausbesuche machen. Zumindest hier in Niedersachsen. Ich bin seit 30 Jahren PTA und habe noch keinen Fall in meiner Praxis gehabt den ich nicht anhand meines Kenntnissstandes eigenständig lösen konnte. Ich bilde mich regelmässig fort und bin auch im der Lage komplexe Sachverhalte zu verstehen... Bei uns macht ein Vorexaminierter die Chefvertretung, ohne die Hilfe von uns PTA' s wäre er, vorsichtig formuliert, hilflos.Das ist für mich einfach nicht nachvollziehbar. Da wären gut ausgebildete PTA's in meinem Augen sinnvoller. Aber ich befürchte dieses Thema ist so ein wenig wie der Kampf des Don Quichotes. Aber trotzdem möchte ich wenigstens einen weiteren Denkanstoss geben.

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AW: Vertretungsbefugnis auf Zeit für PTA

von Reinhard Rodiger am 19.08.2018 um 13:35 Uhr

Sie haben völlig recht.Es regiert wohl die Angst durch mehr Vertretungsberechtigte an Bedeutung zu verlieren.Dabei ist doch die Praxis nicht zu leugnen, dass im Stillen sehr viele Aufgaben an PTA delegiert werden.Ich sehe keinen Grund, nicht dazu zu stehen.Es ist wohl das Modell der Pseudodominanz, das das Leben schwer macht. In vernünftig geführten Betrieben ist das nicht so. Ich kann Sie nur ermutigen,dieses Messen mit unterschiedlichen Maßen
zu benennen.Das ist notwendig, sollte nur häufiger sein.

AW: Vertretungsbefugnis auf Zeit für PTA

von M. Müller am 19.08.2018 um 17:56 Uhr

Die Vertretungsbefugnis von Vorexaminierten und Pharmazieingenieuren ergibt sich aus der Besitzstandswahrung. Gerade im Fall von Vorexaminierten halte ich das für einen Fehler, da diese wirklich eine schlechtere Qualifikation haben als eine PTA.

Der PTA die Vertretungsbefugnis zu geben, halte ich für einen Fehler, so sehr ich die meisten PTAs fachlich auch schätze. PTAs haben eine gute Ausbildung. Diese ist aber nicht mit dem akademischen Studium vergleichbar. Ich habe lernen müssen, dass viele PTAs wirklich alles glauben, was ein Pharmareferent so erzählt und vielen die nötige Kritik abhanden gekommen ist (manchmal auch sich selbst gegenüber).

Sie schreiben, dass eine PTA mit Zusatzqualifikation doch vertreten können sollte. Dafür bin ich durchaus auch: Nur bin ich dafür, dass diese Zusatzqualifikation "2. Staatsexamen Pharmazie" heißt. Gerne möge man aufgrund der Berufserfahrung das Grundstudium und das Praktische Jahr wegkürzen; zwei Jahre Hauptstudium an der Uni halte ich für verpflichtend, da sich hier fachlich die Spreu vom Weizen scheidet.

Denken Sie auch über folgendes nach: Wie geht der Weg dann weiter, wenn man der PTA Apotherbefugnisse einräumt? In jedem Supermarkt, der freiverkäufliche Arzneimittel führt, gibt es eine Arzneimittelfachkraft, die einen zweitägigen Kurs zu Arzneimitteln besucht hat und dazu beraten kann. In Zeiten des Fachkräftemangels könnte man auch hergehen, diese Kraft anstatt einer PTA in einer Apotheke einzusetzen. Billiger wäre das. Lesen kann die auch. Und den Satz: "Da kenne ich mich nicht aus, suchen Sie einen Arzt auf" kann diese auch sagen.
Ich denke, dass man das aber auch als PTA nicht möchte.

Herr Ditzel hat schon Recht: Beim Arzt möchte ich auch zum Arzt und nicht zur MfA. Beim Steuerberater möchte ich auch durch den Steuerberater beraten werden und nicht durch die Fachangestellte. Beim Anwalt ebenfalls durch den Anwalt und nicht durch die Fachangestellte. Letztere Berufe arbeiten dem Mensch mit Unistudium zu. Warum soll das in der Apotheke anders sein?

AW: Vertretungsbefugnis auf Zeit für PTA

von Anke am 19.08.2018 um 22:36 Uhr

Sehr geehrte/r Herr/Frau Müller,
die Idee eines verkürzten Studiums für PTA's mit eingeschränkten Rechten, also für eine kurzfriste Vertretungserlaubnis, finde ich grundsätzlich sehr gut. Eine Art Apotheker light. So etwas in der Art schwebt mir auch vor. An die Anfordernisse einer öffentlichen Apotheke angepasst .
Wo ich nicht mit Ihnen daccord gehe, ist die Aussage, PTA glaube alles , was Pharmareferenten erzählen. Das tun einige Ihres Berufsstandes auch. Ich frage immer nach evidenzbasierten Leitlinien und hinterfrage grundsätzlich erstmal alles kritisch und versuche unabhängige Informationen zu bekommen. Ist nicht immer leicht, manchmal unmöglich. Wenn es nach meinem ehemaligen Arbeitgeber ginge, hätten wir nur firmengesponserte Fortbildungen bekommen. Alles andere musste man selber zahlen. Habe ich gerne gemacht um unabhängige Informationen zu bekommen. Letztendlich ist das Hinterfragen von Informationen auch eine Bildungssache, da haben Sie Recht. Aber eine Diskussion über unser Bildungssystem würde hier zu weit führen.
Mir geht es auch darum , dass viele PTA mehr Verantwortung übernehmen müssen als sie von Rechts wegen dürfen, besonders in kleineren Apotheken. Bezahlt werden sie selbstverständlich nur nach PTA Gehalt und unter Aufsicht sind sie sowieso. Warum nicht wenigstens unter Verantwortung eines Apothekers. Und wer mehr will, macht das abgespeckte Studium. Das wäre ein guter Ansatz. Ich habe für meinen Teil meinen Beruf an den Nagel gehängt , weil ich einfach keine Perspektive mehr gesehen habe, und Gesundheitspädagogik studiert. Und nicht bereut. Trotzdem möchte ich für meine ehemalige Berufskolleginnen/ kollegen gerne optimalere Bedingungen haben. Sonst sind die guten PTA's irgendwann alle gefrustet abgewandert. Und das wäre doch sehr traurig für die öffentliche Apotheke.

Versandhandelsverbot? Wer will denn so was?

von Bernd Jas am 19.08.2018 um 10:37 Uhr

Wie dringlich uns dieses Thema ist, sieht man an der überraschenden Flut von Unterschriften die unser lieber Kollege Chris Redmann mit seiner Petition innerhalb kürzester Zeit sammeln konnte.
Die Rettung vor Drakonie rund um den Datenschutz ist da weitaus ernster zu nehmen, obwohl sich bei uns eigentlich nichts, aber auch gar nichts geändert hat, außer das wir jetzt alles aufschreiben und dokumentieren müssen sowie einen Datenschutzbeauftragten beschäftigen und den Patienten neue noch effektiv datenschützendere Kundenkarten unterschreiben lassen.
Außer Kosten zum verbuchen keine Zusatzposten, nur zum Fluchen.
Bullshit halt, an dem wir nochmal zu Grunde gehen werden; wir sind schon auf dem besten Weg.

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die Woche aus Endkundensicht

von Kritiker am 19.08.2018 um 10:20 Uhr

Nach wie vor kann nur darüber spekuliert werden, wie kontaminiertes Valsartan möglicherweise jahrelang in Produkte fast aller Generikamarken gelangte, wobei nicht nur typische Newcomer und Billigheimer betroffen sind, sondern auch renommierte Marken angeblich ach so sehr auf Qualitätssicherung bedachter Unternehmen wie Teva etc.

Vergangenen Freitag ein weiterer Rückruf eines Valsartan Präparats in den USA.

Die Informationspolitik der Pharmaunternehmen ist absolut inakzeptabel. Außer Geseire, wonach man sich an die Vorschriften halte und Frechheiten wie, man erteile Verbrauchern keine Auskünfte, kommt sowohl von Generikaunternehmen als auch den Originalherstellern nichts.

Die GKV Unternehmen äußern sich nicht. Zumindest ist mir nichts bekannt.

Nach wie vor sind keine vertrauensbildenden Ansätze aus Wirtschaft und Politik erkennbar. Und die sind notwendig, da wenn kontaminiertes Valsartan durch alle Kontrollen rutschte unzählige andere kontaminierten Wirk-/Hilfsstoffe verarbeitet worden sein können.

Was sagen die Patienten-/Verbraucherschutzorganisatione? Offenbar nichts.

Was als Patient bzw potenzieller Patient tun?

Arztpraxen und Apotheken nerven? Anwendung von Produkten verweigern, für die der verordnende Arzt und die abgebende Apotheke nicht mit handschriftlicher Unterschrift bestätigen, dass diese pharmazeutisch einwandfrei sind und garantiert keine Schadstoffe enthalten? Damit werden Praxis-/Apothekenmitarbeiter in den Wahnsinn getrieben und es werden wahrscheinlich nur in wenigen Einzelfällen die gewünschten Informationen beschafft werden können.

Kommunikationsversuche mit GKV Unternehmen dürften sich als Zeitverschwendung erweisen.

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AW: Aw: die Woche aus Endkundensicht

von Bernd Jas am 19.08.2018 um 11:02 Uhr

Sehr geehrter "Kritiker",
sie dürfen hier ruhig Ihren Namen nennen, denn Sie Haben völlig Recht.
Arzneimittel dürfen nur Stoffe enthalten die auch auf der Gebrauchsanweisung (Beipackzettel) stehen.
Alles andere wird durch die Vorschriften unserer Arzneibücher (Europäisches Arzneibuch) in Grenzwerten gehalten die nicht bedenklich sind (z.B. Schwermetalle im ppm-ppb-Bereich).
Wird bekannt, das in Medikamenten Stoffe enthalten sind die nicht deklariert sind, gehören diese meiner Meinung nach umgehend vom Markt genommen.

Nachbarn?

von Ulrich Ströh am 19.08.2018 um 8:55 Uhr

Den 35 Millionenbau der ABDA im Berliner Zentrum -kann -man als sinnvoll und notwendig bewerten.

Im Moment allerdings steht das Haus als falsches steinernes Symbol für die aktuellen Probleme vieler Präsenzapotheken .
Kiezapotheken aus der Nachbarschaft in Berlin-Kreuzberg sind mit der Heidestraße nicht kompatibel.

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