OTC-Kauf im Internet

Die meisten gucken auf den Preis

Remagen - 26.04.2018, 11:15 Uhr

„Bekomme ich das im Internet günstiger?“, das Handy gehört mittlerweile zum Einkaufen dazu, wie der Einkaufskorb oder der Einkaufswagen. (Foto: Tyler Olson / Stock.adobe.com)

„Bekomme ich das im Internet günstiger?“, das Handy gehört mittlerweile zum Einkaufen dazu, wie der Einkaufskorb oder der Einkaufswagen. (Foto: Tyler Olson / Stock.adobe.com)


Warum kaufen Menschen aller Altersklassen nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel im Internet statt in einer stationären Apotheke? Welche Präparate bestellen sie dort hauptsächlich und wie steht es mit der Beratung? Die Studie „Online-Einkaufsverhalten im Consumer Healthcare-Bereich“ von Simon-Kucher & Partners hat hierzu mit einer umfangreichen Befragung in die Köpfe von rund 1.150 Endkonsumenten geschaut.

Eine Erhebung der global tätigen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners mit Stammsitz in Bonn gibt mal wieder einen aktuellen Einblick, wie sich die Verbraucher beim online-Kauf von OTC-Arzneimitteln verhalten. Hierzu wurden Ende letzten Jahres rund 1.150 Verbraucher in Deutschland befragt. Von diesen hatten 70 Prozent zumindest einmal nicht-rezeptpflichtige Medikamente online bestellt. Der Prozentsatz steigt mit zunehmender Distanz zur nächstgelegenen Apotheke. Beträgt diese weniger als fünf Minuten, so liegt der Anteil bei 63 Prozent, während bei einer Entfernung zwischen 16 und 30 Minuten vier Fünftel schon mal über das Internet bestellt hatten.  

Warum wird lieber online gekauft?

Mit 81 Prozent sind Preisvorteile für die Mehrzahl aktuell immer noch der Hauptgrund, OTC-Arzneimittel online zu kaufen. Für die Hälfte ist wichtig, dass sie dabei nicht an Öffnungszeiten gebunden sind. 31 Prozent halten es für bequemer, und 25 schätzen das größere Produktangebot. Die Mehrheit der Konsumenten vergleicht zwei bis vier Händler, bevor ein OTC-Produkt online gekauft wird.

Warum nicht online gekauft wird

Aber es gibt auch Aspekte, die die Verbraucher davon abhalten. Rund die Hälfte präferiert allgemein die stationäre Apotheke. 44 Prozent vermissen beim Kauf mittels Klick die persönliche Beratung. Abschreckend wirken auch die Lieferzeiten und Versandbedingungen. So wünschen sich 57 Prozent der Befragten, dass der Mindestbestellwert wegfällt. Für 38 Prozent sind die Versandkosten eine klare Hürde. 19 Prozent haben Angst vor Produktfälschungen.

Die Hälfte hält nicht viel von Telefonberatung

Die Teilnehmer der Studie wurden noch etwas genauer zu ihrer Einstellung hinsichtlich Beratungsangeboten befragt. Hierbei stellte sich heraus, dass zwar mehr als zwei Drittel sich bei ihrem Kauf eine persönliche Beratung wünschen (moderate bis sehr hohe Bedeutung). Die Vorstellungen, wie diese Beratung konkret ablaufen könnte, sind jedoch unscharf. So hat ein Informationsaustausch per Chat für acht Prozent der Befragten eine sehr hohe Bedeutung, für 43 Prozent aber gar keine. Auch per Telefon möchte etwa die Hälfte nicht unbedingt beraten werden. Zwei Drittel können sich auch nicht recht vorstellen, per Video beraten zu werden, wobei Simon-Kucher & Partners vermutet, dass diese Wertung durch den Mangel an Erfahrung damit negativ beeinflusst sein könnte. 

Was am ehesten per Klick bestellt wird

Die Relevanz des online-Bezugs ist je nach Produktkategorie unterschiedlich stark ausgeprägt: 

Bevorzugter Online-Kauf rezeptfreier Arzneimittel
nach Produktkategorie (Angaben für den online-Bezug)

Vitamine69 %
Wundversorgung65 %
Schmerzmittel62 %
Erkältungsmittel62 %
Mittel gegen Magen-Darm-Erkrankungen50 %
Beruhigungs-/Schlafmittel48 %
Antiallergika41 %
Quelle: Simon-Kucher & Partners, Konsumentenstudie (n = 1147) 

Dies gilt auch für die Bereitschaft, Erstkäufe von OTC-Produkten zu tätigen. So würde mehr als die Hälfte (54 Prozent) Schmerz- oder Erkältungsmittel im Internet bestellen, auch wenn es das erste Mal ist. Bei Beruhigungs- und Schlafmitteln würde demgegenüber nur ein Fünftel der Befragten als erstes online kaufen. Weiter hat die Marketingberatung mit der Studie herausgefunden, dass bekannte und etablierte Marken im Bereich Schmerz- und Erkältungsmedikamente auf die Konsumenten vertrauenswürdig wirken und es ihnen dadurch leichter fällt, diese Produkte online zu kaufen. Geläufig sind offenbar auch generische Schmerzmittel, die die Verbraucher teilweise als austauschbar wahrnehmen. 

Noch haben online-Apotheken die Nase vorn 

Erfreulich für die Online-Apotheken: Die Umfrage bescheinigt ihnen im Consumer Healthcare-Geschäft einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Amazon. Noch haben sie bezüglich der Kriterien Praktikabilität, Vielfältigkeit, Zuverlässigkeit, Preise und Schnelligkeit die Nase vorn, aber der Abstand wird nach Erkenntnissen von Simon-Kucher & Partners immer geringer. 

Wer gibt seine Daten her und warum?

Die Studienergebnisse zeigen auch, dass die Verbraucher durchaus gewillt sind, persönliche Daten und Angaben in Online-Shops preiszugeben. Das gilt vor allem für die Jüngeren unter 30 Jahren (44 Prozent gegenüber 33 Prozent bei den über 65-Jährigen). Ist die Datenhinterlegung mit einem Mehrwert durch individuell angepasste Services verbunden, so schlägt das Pendel eher bei den Älteren aus. In diesem Fall würden 72 Prozent der über 65-Jährigen persönliche Daten bereitstellen, gegenüber lediglich sechs Prozent, die das deswegen nicht tun würden. Bei den unter 30-Jährigen wären es nur 67 Prozent und 33 Prozent würden ihre Daten für den Mehrwert nicht hinterlegen. 

Komfort und Bequemlichkeit werden immer wichtiger

„Noch ist der Preis Kriterium Nummer eins für Konsumenten und maßgeblich für die Einkaufsentscheidung online oder stationär“, erklärt Christian Rebholz, Partner in der globalen Life Sciences-Division bei Simon-Kucher & Partners und Experte für Consumer Healthcare, „Aber durch die zunehmende Digitalisierung und das wachsende Online-Geschäft steigt auch die Preistransparenz.“ Rebholz rät deswegen Online-Apotheken und anderen Anbietern von Gesundheitsprodukten dazu, Aspekte wie Komfort und Bequemlichkeit stärker in den Fokus zu rücken, weil diese beim Einkaufsverhalten der Kunden immer wichtiger würden.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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