Arzneimittelsicherheit

Wie können die Nebenwirkungen von Cannabis reduziert werden?

London - 21.03.2017, 07:10 Uhr

Ein Mitarbeiter der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) in Wien arbeitet im Labor mit Cannabis-Setzlingen. (Foto: AGES / dpa)

Ein Mitarbeiter der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) in Wien arbeitet im Labor mit Cannabis-Setzlingen. (Foto: AGES / dpa)


Der weltweite Cannabiskonsum steigt und damit auch die behandlungsbedürftigen Nebenwirkungen. Das belegen Daten aus den USA und Großbritannien, wie eine Literaturrecherche der Fachzeitschrift The Lancet zeigt. Die Arbeit untersucht auch die Frage, ob und wie sich die Sicherheit von Cannabiskonsumenten verbessern lässt.

In der vom britischen Medical Research Council geförderten Arbeit mit dem Titel „Can we make cannabis safer?“ stellt das Autorenteam die Ergebnisse einer Literaturrecherche vor, mit deren Hilfe sie einen Überblick über den aktuellen Wissensstand zur Sicherheit von Cannabiskonsumenten gewinnen wollten. Anlass dazu gab der weltweit steigende Verbrauch und die zunehmende Legalisierung von Cannabis. Obwohl sich die Daten hauptsächlich auf den Gebrauch von Cannabis als Droge beziehen, sind die Ergebnisse auch für die therapeutische Nutzung von Cannabis relevant. Denn ganz gleich in welchem Zusammenhang Cannabis verwendet wird, das Ziel sollte sein, behandlungsbedürftige Nebenwirkungen zu reduzieren.

Problem: Zunehmender THC-Gehalt bei Cannabis

Die Forschungsgruppe um Amir Englund, der sich auf die Cannabisforschung spezialisiert hat und am Psychiatrie-Institut des King’s College in London arbeitet, hält fest, dass Cannabis mit einem hohen Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) das Risiko für Abhängigkeit, Psychosen und kognitive Veränderungen erhöht. Im Gegensatz dazu sinkt das Risiko für diese Nebenwirkungen, je höher der Gehalt an Cannabidiol (CBD) ist. CBD gilt als potenziell therapeutische Komponente von Cannabis, weil es Hinweise darauf gibt, dass es die negativen Effekte von THC abmildern kann.

Anlass zur Sorge bietet die Entwicklung auf dem Cannabismarkt, denn es gibt eine Tendenz zu steigenden THC-Gehalten. Hier sieht man im Durchschnitt weltweit eine Verdopplung, wenn man die vergangenen vier Jahrzehnte betrachtet, wohingegen der CBD-Gehalt ungefähr gleichgeblieben ist, nämlich niedrig bis nicht nachweisbar. Verantwortlich dafür sind systematische Hochzüchtungen der Cannabispflanzen für den illegalen Verkauf und die Beliebtheit der Anbaumethode Sinsemilla, die samenlose Cannabispflanzenhervorbringt sich durch hohe THC-Konzentrationen auszeichnet.

Auch neue Extraktionsverfahren sind problematisch, sie führen teilweise zu THC-Konzentrationen von 75 Prozent. Dazu kommt der Trend zu künstlich erzeugten Cannabinoiden, die schwere Nebenwirkungen hervorrufen können, bis hin zum Tod.



Silke Jäger, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Risiken im Jugendalter werden häufig unterschätzt

Cannabiskonsum mit Folgen

Münster startet Modellprojekt zur kontrollierten Freigabe – Experten sind geteilter Meinung

Cannabis als Genussmittel

Therapie von Cannabisabhängigkeit

Hilft CBD beim Cannabis-Entzug?

Vergleich der therapeutischen Anwendung in Deutschland und der Schweiz

Cannabis als Arznei

Wenn nichts mehr hilft, lindert Cannabis chronische Schmerzen und Krämpfe

Letzte Wahl

Die pharmakologische Perspektive

Cannabis und Endocannabinoide

Aufgepasst bei Cannabidiol-Produkten in der Apotheke

Harmloser Hanf?

2 Kommentare

Nebenwirkungen

von Stevan Menicanin am 24.03.2017 um 1:11 Uhr

Na ja... Nebenwirkungen sind hauptsächlich durch Streckmittel zu erwarten.
Bronchitis z.B.
Psychosen entstehen meistens durch legal highs und beim Cannabis Missbrauch bei Jugendlichen, der durch die Prohibition erst ermöglicht wird und diese schaffen es trotzdem in viele Statistiken mit aufgenommen zu werden, ob wohl sie für ein aufrechterhalten der Ursache (Prohibition) sind.

Der Umstand, dass die Legalisierung für eine gleichbleibende Qualität sorgt, wirkt den Gefahren der Nebenwirkungen eher entgegen, vor allem der Jugendschutz der durch die Legalisierung Einzug erhalten wird, wird dann die größten Schäden bei heranwachsenden minimieren.

Der Vergleich oben hinkt daher etwas, wie Äpfel mit Birnen verglichen, ergibt es nicht viel Sinn.
Da kann man auch Wein mit Portwein vergleichen.
Immerhin ging man früher auch nicht zum Arzt, da es von Grund auf verboten war, in den USA Cannabis zu konsumieren.

Aber nun Wissen wir, für die Deutsche Legalisierung schon mal, irgendwann, dass wir darauf hinweisen müssen, dass es zu psychischen Auffälligkeiten kommen kann, wenn man hochprozentiges Gras, übermäßig viel und über einen längeren Zeitraum konsumiert.
Lieber so, als aus dem Park.
Die schlimmste aller Nebenwirkung jedoch, ist zur Zeit noch die Staatsgewalt... (Gefängnis)
Ich sage es mal so.

Wenn ich nur schlecht über den Gebrauch von Alkohol reden würde, Obdachlose mit Papiertüten aus denen sie sich betrinken und Todesopfer...

Da dieser Vergleich genau so hinckt, da man Drogen nicht wirklich miteinander vergleichen kann, muss jedem klar sein, nur weil etwas weniger gefährlich ist als etwas anderes, man es nicht gestattet bekommt und dadurch intellektuell bevormundet wird, muss man gegen Scheuklappen tragende Lobbyisten und deren Vertreter der Alkohol- u. Pharmaindustrie vorgehen und für die Legalisierung einstehen.

"Menschengemachte Gesetze/Verbote, die mehr Schaden als Nutzen." ÄNDERN!!!

Es sei den, man mag es, das jemand anderes bestimmt, was man darf und was nicht, auch wenn es heißt, das ein fremder Paulus durchs Gehirn wütet.

Prohibition von Alkohol wieder einzuführen währe gesellschaftlich mehr als unwahrscheinlich...
Ich freue mich schon auf den Tag, an dem die Befürworter des Cannabis-Verbots gefragt werden:
Dachten sie damals wirklich, dass...?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Cannabis: Was man weiß, was man wissen sollte

von woewe am 21.03.2017 um 13:51 Uhr

Peter Cremer-Schaeffer (Leiter der Bundesopiumstelle) in seinem Buch „Cannabis: Was man weiß, was man wissen sollte“:
„Allein vom THC-Gehalt eines Cannabisprodukts auf dessen Schädlichkeit zu schließen, ist allerdings nicht möglich. In der medizinischen Anwendung von Cannabis werden Sorten mit einem THC-Gehalt von mehr als 20% verwendet. Daten zu einem erhöhten Nebenwirkungsrisiko liegen derzeit nicht vor“.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.