FDP-Chef Lindner zum Apothekenmarkt

„Diese Liberalisierung ist überfällig“

Berlin - 05.12.2016, 12:58 Uhr

Shop-in-Shop: FDP-Chef Christian Lindner will Rx-Boni aus dem Ausland einerseits begrenzen, andererseits den Apothekenmarkt hierzulande teilweise deregulieren. (Foto: dpa)

Shop-in-Shop: FDP-Chef Christian Lindner will Rx-Boni aus dem Ausland einerseits begrenzen, andererseits den Apothekenmarkt hierzulande teilweise deregulieren. (Foto: dpa)


Die Bundesebene der FDP bleibt dabei: Der Apothekenmarkt muss dereguliert werden. In einem längeren Gastbeitrag in der Samstagsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt FDP-Chef Lindner zwar, dass er Apotheken hierzulande vor unfairem Wettbewerb aus der EU schützen wolle. Allerdings fordert er gleichzeitig mehr Wettbewerbschancen für deutsche Pharmazeuten.

Christian Lindner hatte vor etwa zwei Wochen eine kontroverse Debatte innerhalb seiner Partei ausgelöst: Auf Landesebene hatten sich nämlich einige FDP-Politiker zu Wort gemeldet und hatten allesamt der Forderung der Apotheker nach einem Rx-Versandverbot ihre Unterstützung zugesagt. Lindner allerdings merkte in einem Interview mit der FAZ kurz an, dass er für eine stärkere Wettbewerbsorientierung im Apothekenmarkt und gegen das Verbot sei. Auf Nachfrage von DAZ.online wollte sich Lindner damals nicht im Detail zu seinen Aussagen äußern.

Das hat der FDP-Chef nun in einem Gastbeitrag in der FAZ nachgeholt. Zunächst deutet er an, dass die Apotheker nach seinen Äußerungen ungehalten reagiert hätten. „Es war ein Thema am Rande. Aber aus diesen wenigen Sätzen wurde eine energische Kampagne der Lobby. Mein Bild des respektvollen und sachlichen Apothekers haben einige neue Brieffreunde zu relativieren versucht. Wer diese Debatte verfolgt, wird zukünftig über den Vorwurf lachen, die FDP sei eine Klientelpartei“, schreibt Lindner.

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Lindners Stellvertreterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hatte im Gespräch mit DAZ.online gesagt, dass sich die Apotheker gesellschaftlichen Entwicklungen nicht immer versperren sollten, sonst würden sie „überrollt“. Lindner pflichtet Strack-Zimmermann bei und spricht sich für den Erhalt des Rx-Versandhandels aus: „In Zeiten der Globalisierung, Digitalisierung und des demografischen Wandels hat sich viel verändert. Technische Innovationen und die Bedürfnisse von Kunden und Patienten werden die Transformation vieler Geschäftsmodelle und Branchen weiter vorantreiben. Mehr als ein Drittel der Deutschen bevorzugt heute den Einkauf von Medikamenten im Internet. Dabei ist Beratung auch online oder per Telefon möglich und wird zunehmend in Anspruch genommen.“

Der Liberale bezeichnet die Zulassung des Versandhandels als einen „richtigen Schritt“. Seine Parteikollegen in Bayern und Baden-Württemberg hatten gefordert, das Verbot schnellstmöglich zu etablieren, um den Markt dann in Ruhe auf mehr Wettbewerb einzustellen. Lindner allerdings will davon nichts wissen: „Diskussionen über ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln gehen an der gesellschaftlichen Realität und den Wünschen der Menschen vorbei.“ Außerdem hält er das Verbot für rechtlich nicht machbar: „Und auch wenn eine ältere Rechtsprechung ein Verbot als zulässig angesehen hatte, so sieht die juristische Beurteilung wahrscheinlich anders aus, wenn ein bisher schon erlaubter Versandhandel wieder eingeschränkt werden sollte.“

Lindner: Boni-Beschränkung im Rahmenvertrag

So wie Strack-Zimmermann will aber auch Lindner die Apotheke vor Ort erhalten. Vor unfairem Wettbewerb durch EU-Versender müssten diese daher geschützt werden. Lindner dazu: „Während sich große Versandapotheken mit günstigen Preisen am Markt positionieren können, sind die Entwicklungsmöglichkeiten stationärer Apotheken erheblich beschränkt.“ Um einen Schutz zu gewährleisten, bringt der FDP-Chef einen Vorschlag ins Spiel, der auch auf DAZ.online schon heftig diskutiert wurde: „Das Bundesgesundheitsministerium sollte Wege prüfen, etwa über die bestehenden Rahmenverträge mit den Krankenkassen, einen aggressiven Preiswettbewerb der ausländischen Anbieter einzuschränken. Immerhin haben diese das Rabattverbot im Arzneimittelgesetz freiwillig akzeptiert und wollen im System der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen.“ Zur Erklärung: Nach dem Rahmenvertrag zwischen GKV-Spitzenverband und Deutschem Apoothekerverband sind die dem Vertrag beigetretenen ausländischen Versandapotheken bei der Abrechnung preisgebundener Arzneimittel deutschen Apotheken gleichgestellt. Das heißt: Auch für sie gilt die Arzneimittelpreisverordnung.

Kurioserweise schlägt Lindner aber zusätzlich vor, auch den deutschen Markt zu deregulieren, um Apotheker konkurrenzfähiger zu machen. Denn er meint: „Die Apotheke vor Ort ist einem regulatorischen Rahmen unterworfen, der viel Geld kostet und größtenteils Versandapotheken nicht abverlangt wird. Das muss sich ändern.“ Deswegen solle es erlaubt werden, dass Apotheken „als Shop im Shop in Einzelhandelsgeschäften“ Präsenz zeigen, schreibt der Liberale. Und weiter: „Außerdem sollten sie ihr Sortiment um nicht gesundheitsspezifische Produkte erweitern dürfen, wenn gewünscht.“ Diese Liberalisierung sei „überfällig“.

Schließlich fordert Lindner eine Stärkung der pharmazeutischen Kompetenzen der Apotheker. Die Pharmazeuten sollten „zusätzliche Prämien“ für spezifische pharmazeutische Beratungen und Dienstleistungen erhalten. Auch Not- und Nachtdienste müssten besser honoriert und die Sicherstellung des Angebotes in dünn besiedelten Räumen finanziert werden.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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10 Kommentare

Lindner

von Alexander Zeitler am 06.12.2016 um 0:11 Uhr

Labert sich gut auf nem gut bezahlten Stuhl der PKV, oder
Habe kürzlich die Frage gehört: was unterscheidet die FDP von einer Hautkrankheit? Antwort : Nix, die ist die Hautkrankheit. Zum Glück bleibt die FDP klein. Jetzt wählen die auch die letzten blinden Apotheker nimmer.
Ciao Lindner

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F.D.P. F.S.

von G. Wagner am 05.12.2016 um 21:45 Uhr

Was meint eigentlich Friedemann Schmidt dazu? Ist er nicht FDP-Mitglied?

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FDP als Feind des Mittlstandes

von ratatosk am 05.12.2016 um 19:36 Uhr

Nichtwählen reicht nicht mehr !

Freunde , Verwandte , Gleichgesinnte im Verein - Gewerbeverband etc. überzeugen, daß sie das nächste Opfer der FDP sein werden.
Habe selbst schon 5 FDP Wähler überzeugt andere Parteien zu wählen ( 2 waren tatsächlich noch FDP Mitglieder ) Nur so kann man die FDP von den Parlamenten verhalten, haben sich ja als ausdrückliche Feinde der Apotheken geoutet. Als nächste sind zum Wohl der Konzerne die Artzpraxen, die Freiberufler und die Handwerker etc. dran. Noch ist etwas Zeit.

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AW: FDP als Feind des Mittlstandes

von Cj am 05.12.2016 um 21:10 Uhr

Ein dürftiger, marktfeindlicher Kommentar. Und die Ausfälle gegen die FDP sind entlarvend. Trolle des Kommunismus.

Lieberalisierung

von Doris Grünewald am 05.12.2016 um 18:48 Uhr

Man muss ja einfach keine FDP wählen.
Die Liberalen haben ja große Erfahrung darin , ihre Stammwähler zu verlieren. Warum sollte das nicht wieder klappen?

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AW: Liberalisierung

von Cj am 05.12.2016 um 21:33 Uhr

Genau diese Grundhaltung ist Anlass, die FDP zu wählen. Weg mit Monopolen. Wettbewerb auch zwischen Apotheken!!! Das Gesundheitswesen ist so teuer, weil es immer noch Teilnehmer gibt, denen es primär um die eigenen Taschen geht. Die Apotheken gehören auch dazu. Wettbewerb schafft den gerechnen Ausgleich.

AW: Lieberalisierung

von ratatosk am 05.12.2016 um 23:25 Uhr

Ne is klar, alle anderen arbeiten nicht für sich, sondern nur für die Allgemeinheit.
Trolle des Kommunismus, muß man erst mal drauf kommen, die Apothekenbefürworter dorthin zu stellen, die Not ist wohl sehr groß, die Argumente für die Apothekenvernichtung zu gering. Nur mal zur Basisaufklärung ! die ganzen vom Staat an die Apotheken verteilten Lasten wie Notdienst, Rezepturen etc. sind auch nicht marktwirtschaftlich zu rechtfertigen sondern nur als besondere Pflichten fürs Gemeinwohl, was auch gut und recht ist, aber eben von hippen FDP Freaks nicht verstanden wird.
Die Stromversorger dürfen auch nicht Einödgemeinden abhängen, obwohl es rein ! markwirtschaftlich besser wäre etc. Leider habens die FDP Yuppies nicht mehr drauf, eine wikipedia basierte Schmalspur BWL reicht nicht für eine komplexe Gesellschaftliche Gesetzgebung. Möchte aber auch ausdrücklich daraufhinweisen, daß ich großer Fan von Wikipedia bin, aber als ein Baustein und nicht für die komplete Ausbildung.
Und wenn wir schon von Trollen reden, CJ schreibt zu fast jedem positiven Ansatz seinen apothekenfeindlichen Sermon, das ist Trollsein in Reinkultur.
Auch die Parteien stehen im Wettbewerb, man muß niemanden einfach gutfinden der schlecht arbeitet, warum also hier so empfindlich !?

Wünsche?

von Anita Peter am 05.12.2016 um 16:55 Uhr

„Diskussionen über ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln gehen an der gesellschaftlichen Realität und den Wünschen der Menschen vorbei.“
Soso darum hat es der Versandhandel in 13 Jahren auf 0,5% Anteil geschafft. Dieser Anteil wird nur durch das Setzen von monetären Anreizen erhöht werden. Also will Herr Lindner einen knallharten Preiskampf im Gesundheitswesen. Welcher Job wartet auf Sie nach dem Scheitern bei der Bundestagswahl 2017?

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AW: Benehmen

von Cj am 05.12.2016 um 21:25 Uhr

Wo ist der demokratische Respekt vor anderen Meinungen? Ist dies ein Hetzblatt oder was? Tatsache ist, dass Apotheken viel Geld verdienen und Nächstenliebe heucheln. Es geht wie bei allen nur um "Kohle". Und nur der Wettbewerb regelt dies. Danke FDP für den Mut, nicht als Klientelpartei aufzutreten. Der freie, nicht-subventionierte Mittelstand dankt.

Kramerladen

von Peter Bauer am 05.12.2016 um 14:44 Uhr

Die Frage ist eigentlich ,was bringt den Apotheken genügend Geld,damit sie auch in dünn besiedelten Gegenden unseres Landes überleben können und damit die Versorgung mit Arzneimitteln gewährleistet ist.Die Bevölkerung wartet nicht darauf auch in der Apotheke Würstchen und Miederwaren zu bekommen.Der Hauptkostenfaktor einer Apotheke ist das verlangte Fachpersonal.Die pharmazeutischen Beratungen und Zusatzleistungen ,die man zusätzlich bezahlen will,sind allenfalls ein mikriges,sehr wahrscheinlich aber ebenso defizitär bezahltes Umsatzzubrot .Diese Leistungen werden wie die Vergangenheit zeigt nicht einmal annähernd kostendeckend bezahlt..Wenn man allein für eine einfache Rezeptur rein betriebswirtschaftlich alle anfallenden Kosten konkret in Zahlen berechnet,stellt auch Herr Lindner schnell fest wie groß hier die Diskrepanz zur Wirtschaftlichkeit ist .Ein Sonntagsnotdienst wird der Apotheke mit nicht einmal mit 10€/Stunde vergütet.Betriebskosten wohl gemerkt!.
Betriebswirtschaftlich wären mindestens das fünffache notwendig.Herr Lindner ist der gleich Schwafler wie Herr Lauterbach.Und beide gehören in die Gruppe von Leuten ,die von Dingen reden,von denen sie aber so überhaupt keine Ahnung haben.Herr Lindner erklärt bestimmt auch einem Maurer wie er zu mauern hat,und dem Bäcker wie er am besten seine Brötchen verkauft.Was konkretes war von diesen Menschen bis jetzt nicht gekommen.Immer nur oberflächliche Allgemeinplätze.Politiker eben! Und während sie so selbstgefällig lamentieren ,nimmt der Schneeball der Apothekenexistenzvernichtung vor Ort langsam aber stetig Fahrt auf.Laaaabert weiter,das könnt Ihr wenigstens

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