Therapietreue

Auch bei wichtigen Therapien fehlt oft die Adhärenz

Stuttgart - 14.10.2016, 14:45 Uhr

 (Foto: Printemps / Fotolia)

(Foto: Printemps / Fotolia)


Ein Fünftel der verschriebenen Arzneimittel wird von den Patienten nicht wie verordnet eingenommen. Auch bei – aus Sicht des Arztes – wichtigen Therapien ist das der Fall. Allerdings gibt die Mehrheit das dem Arzt gegenüber nicht zu. Das haben aktuelle Untersuchungen ergeben.

Eine aktuelle Studie, die in den Annals of Family Medicine erschien, hat sich damit beschäftigt, ob Patienten verschriebene Arzneimittel auch wie verordnet einnehmen. Zudem wollten die Forscher wissen, ob die Tatsache, dass ein Arzt ein Arzneimittel für wichtig erachtet, Einfluss auf die Adhärenz hat. Ein Team um Dr. Stéphanie Sidorkiewicz von der Universität Paris Descartes beobachtete 128 Patienten, die im Krankenhaus oder bei niedergelassenen Ärzten eine langfristige medikamentöse Behandlung erhielten. Insgesamt wurden 498 Arzneimittel verschrieben.

Die Forscher untersuchten die Therapietreue. Sie stellten fest: Fast 20 Prozent der Medikamente, die von den Ärzten als wichtig erachtet wurden, wurden von den Patienten nicht richtig eingenommen. Es gab keine Korrelation zwischen der Bedeutung, die der Mediziner einer Arznei beimaß und der Einhaltung der vorgeschriebenen Medikation. Anders als vorgeschrieben eingenommen wurden vor allem Blutdrucksenker und Gerinnungshemmer, orale Antidiabetika und Insulin sowie Medikamente gegen Atemwegserkrankungen. Bei fast 50 Prozent der Arzneimittel, die nicht korrekt eingenommen wurde, nannten die Patienten Gründe dafür. Ausschlaggebend waren vor allem unerwünschte Nebenwirkungen oder der Wunsch, das Mittel abzusetzen.

Uneins über Wichtigkeit der Arzneimittel

Ärzte und Patienten scheinen unterschiedlicher Auffassung zu sein, wie wichtig ein Arzneimittel ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer besseren Kommunikation zwischen Arzt und Patient, so das Fazit der Autoren. Denn die mangelnde Adhärenz bei der Arzneimittel-Therapie verhindert eine wirksame Behandlung. Diese Forderung wird von den Ergebnissen einer weiteren Studie unterstützt, die unlängst im Fachblatt Current Medical Search and Opinion publiziert wurde. Bei einer webbasierten Umfrage wurde die Therapietreue von japanischen Patienten mit Bluthochdruck oder Diabetes mellitus untersucht.

Immerhin 11 Prozent der Patienten befanden die korrekte Einnahme der Arzneimittel für unwichtig. 85 Prozent gaben an, sie hätten ihre Arzneien richtig eingenommen. Bei genauerer Betrachtung lagen sie aber im Monat um fünf Tagesdosen unter der Empfehlung des Arztes. 

64 Prozent der Patienten – aber nur 23 Prozent der Mediziner – meinten, dies wäre unabsichtlich passiert. Und nur 46 Prozent der Patienten, die von der Medikation absichtlich oder unabsichtlich abwichen, berichteten das dem Arzt.


Barbara Bückmann, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Was die öffentliche Apotheke heute schon leisten kann

Therapietreue im Alter verbessern

Erklärungsansatz für Non-Adhärenz

„Dissonanz“ zwischen Arzt und Apotheker?

Studie unter chronisch kranken Patienten: Erklärungsansatz für fehlende Therapietreue

„Dissonanz“ zwischen Arzt und Apotheker

Arzneimittel nur anhand von Form und Farbe zu identifizieren vermindert die Adhärenz

Lieber den Namen merken!

Schlechte Adhärenz unter neuen oralen Antikoagulanzien

Prädikat unzureichend

Warum Arthrose-Patienten ihre Schmerzmittel nicht nehmen

Bewusst untertherapiert

Studie der EU-Kommission

Woher kommen Antibiotika ohne Rezept?

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.