APOkix-Umfrage

Lieferengpässe nehmen deutlich zu

Berlin - 10.10.2016, 07:00 Uhr

Apotheken müssen nach wie vor mit Lieferengpässen bei Arzneimitteln kämpfen. (Foto: Daniel Coulmann / Fotolia)

Apotheken müssen nach wie vor mit Lieferengpässen bei Arzneimitteln kämpfen. (Foto: Daniel Coulmann / Fotolia)


Lieferengpässe gehören zum Apothekenalltag. Zwei von drei Apotheken hatten in den vergangenen drei Monaten mehrmals täglich mit fehlenden Arzneimitteln zu kämpfen. Das zeigt die aktuelle APOkix-Umfrage des IFH Köln. 

Vor vier Jahren hatte das Institut für Handelsforschung Köln (IFH) schon einmal gefragt: Wie oft sind Apotheken von Lieferengpässen betroffen? Damals erklärten knapp 22 Prozent der befragten Apothekenleiter, sie seien mehrmals täglich von Lieferengpässen betroffen; rund 19 Prozent der Befragten berichteten 2012, dass bestellte Medikamente etwa einmal pro Tag nicht verfügbar waren.

Im September 2016 hat sich die Situation deutlich verschärft. Das zeigt die aktuelle APOkix-Umfrage. Demnach sagen 65 Prozent der rund 200 befragten Apothekenleiter, sie seien in den vergangenen drei Monaten mehrmals täglich mit Lieferengpässen konfrontiert gewesen. Weitere 22 Prozent der Befragten erhielten zuletzt zumindest einmal pro Tag nicht alle gewünschten Arzneimittel. Und Zuversicht, dass es künftig leichter wird, hat fast niemand: Rund 98 Prozent der APOkix-Teilnehmer gehen davon aus, dass es in Zukunft noch öfter zu Lieferengpässen kommen wird.

IFH Köln

Gefragt, wen sie als Verursacher der Engpässe sehen, antworteten 84 Prozent der Befragten, dies sei die Pharmaindustrie. Aber auch die Krankenkassen (74 Prozent) und die Politik beziehungsweise die Gesetzeslage (69 Prozent) sind aus Apothekersicht verantwortlich. Den Großhandel sieht rund jeder Fünfte als Verursacher, und nur vier Prozent meinen, auch die Apotheken hätten ihren Anteil an den Engpässen.

Doch was könnte Abhilfe schaffen? 95 Prozent der Befragten sind der Meinung, den Lieferengpässen könnte man entgegenwirken, indem die Rabattverträge modifiziert werden. Und gut drei Viertel der Apotheker äußern, dass es für Unter­nehmen unattraktiver gemacht werden sollte, Arzneimittel in Länder zu exportieren, in denen damit höhere Preise erzielt werden ­können.

Nicht zuletzt stimmten 91 Prozent der Aussage zu, durch Lieferengpässe steige die Retaxgefahr, da alternative Präparate abgegeben werden müssen. Und drei Viertel der Teilnehmer sagen, sie hätten das Gefühl,  dass manche Krankenkassen Lieferengpässe ausnutzen, um Rezepte zu retaxieren.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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1 Kommentar

Zumutung

von Karl Friedrich Müller am 10.10.2016 um 9:01 Uhr

Die Lieferengpässe ind eine Zumutung. Dazu noch immer mehr Artikel, die direkt über Pharma Mall bestellt werden müssen.
Retaxierungen für Artikel mit "Sonderkennzeichen" geht gar nicht. Die KK müssen die Entscheidung der Apotheken akzeptieren. Dafür sind die Sonderkennzeichen da.

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