Uni Heidelberg

Fördergeld für „Gummibärchen“

Heidelberg - 21.07.2016, 16:00 Uhr

Die von den Heidelberger Forschern, unter denen sich auch Apotheker befinden, entwickelte Arzneiform hat Ähnlichkeit mit Gummibärchen. (fotobeu / Fotolia) 

Die von den Heidelberger Forschern, unter denen sich auch Apotheker befinden, entwickelte Arzneiform hat Ähnlichkeit mit Gummibärchen. (fotobeu / Fotolia) 


An der Uni Heidelberg haben junge Forscher ein Verfahren entwickelt, Peptid- und Protein-Arzneimittel, die bislang injiziert werden mussten, oral zu verabreichen. Als Grundlage für eine Unternehmensgründung gibt es jetzt Fördergeld vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Von „Gummibärchen“ sprechen die Forscher des Instituts für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie (IPMB) an der Universität Heidelberg, wenn es um die von ihnen entdeckte Methode geht, Wirkstoffe, die bislang per häufig schmerzhafter Injektion verabreicht werden mussten, in Zukunft einfach den Patienten zum Schlucken zu geben. Dabei geht es um Peptid- und Proteinwirkstoffe, die etwa in der Behandlung von Diabetes, bei Wachstumsstörungen oder in der Krebstherapie verabreicht werden, sagt Professor Gerd Fricker, Direktor der Abteilung Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie am IPMB.

Gelatine dient als Matrix für die Darreichungsform

Und die Süßigkeit ist auch gar nicht so weit entfernt von der neuen Darreichungsmethode. „Wir haben tatsächlich im wesentlichen Gelatine benutzt, wie wir es auch in einem Paper im European Journal of Lipid Science and Technology von September 2014 beschrieben haben“, erklärt Fricker. „Es handelt sich also tatsächlich um einer Art Gummibärchen. Wir untersuchen aber auch andere Matrixbildner, die möglicherweise Alternativen zu Gelatine darstellen.“

Die Gelatine dient dabei als Matrix, um ein auf Lipiden basierendes Trägersystem zu verfestigen. In diesem Lipid-Trägersystem sind die Biologicals, also die Peptid- und Protein-Wirkstoffe, verpackt. Die verfestigte Darreichung in der Lipid-Verpackung verschafft den Arzneistoffen damit genügend Resistenz und Stabilität, um die Magenpassage zu überstehen und oral eingenommen wirksam werden zu können. Die verabreichten Dosen haben dann tatsächlich etwa Größe und Konsistenz von Gummibärchen.

Forschung seit rund zehn Jahren

„Insgesamt arbeiten wir schon seit rund zehn Jahren an diesen Trägersystemen, wobei es eine ganze Reihe von Vorläufersystemen zu der jetzt benutzten Variante gibt“, sagt Fricker. Nun ist geplant, zur Weiterentwicklung des Systems ein Unternehmen aus der Uni auszugründen. Insgesamt rund 940.000 Euro Fördermittel aus dem sogenannten Exist-Forschungstransfer-Programm stellte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) jetzt dem Team von Gerd Fricker dafür zur Verfügung.

Das Team besteht dabei hauptsächlich aus jungen Forschern. Neben Dr. Silvia Pantze war auch Dr. Frieder Helm mit dem Antrag beim BMWi erfolgreich. Für die geplante Unternehmensgründung, die ab Oktober in die Wege geleitet werden soll, kommen noch der Pharmazeut Robin Tremmel sowie ein junger Wirtschaftswissenschaftler zum Team. 

Mit Fördergeldern Richtung Marktreife

Wann man mit marktreifen Präparaten rechnen könne, sei schwer zu beantworten, sagt Fricker. „Eines unserer Ziele ist es aber, das Projekt in der Exist-Förderphase soweit zu bringen, dass es am Menschen erprobt werden kann“, erklärt der Professor.

Mit dem Programm Exist-Forschungstransfer des BMWi werden forschungsbasierte Gründungsvorhaben gefördert, die mit aufwendigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind. Das Programm besteht aus zwei Förderphasen. In der ersten, die je nach Projekt 18 bis 24 Monate umfasst, sollen wissenschaftliche Ergebnisse in technische Produkte und Verfahren überführt werden. Ferner soll aus der Geschäftsidee ein Businessplan entwickelt werden. Danach kann eine zweite Förderphase für weitere Entwicklungsarbeiten beantragt werden. Das Programm wird mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert.

Mit 15 anderen Projekten setze sich das Vorhaben der Heidelberger aus ursprünglich 54 Projekten, die sich für die Förderung beworben hatten, nach Präsentation vor einer Jury durch.


Volker Budinger, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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