Medizintechnik

Start-up will E-Stethoskop in Apotheken verkaufen

München - 25.10.2019, 07:00 Uhr

Den Gesundheitszustand anhand von Lungen- und Herzgeräuschen selbst kontrollieren? Mit einer solchen Idee will es das Start-up Sanascope in die Apotheken schaffen. (Foto: alice_photo / stock.adobe.com)

Den Gesundheitszustand anhand von Lungen- und Herzgeräuschen selbst kontrollieren? Mit einer solchen Idee will es das Start-up Sanascope in die Apotheken schaffen. (Foto: alice_photo / stock.adobe.com)


Sanascope - ein Start-up aus Saarbrücken entwickelte ein elektronisches Stethoskop für das Smartphone. Die Idee dahinter ist, dass jeder von zu Hause die Möglichkeit haben soll, anhand von Herz- und Lungengeräuschen seinen Gesundheitszustand selber zu kontrollieren. Die Jungunternehmer wollen die Apotheken als Hauptvertriebsweg nutzen.

Die Eingebung zu dieser Neuentwicklung hatte der Assistenzarzt der Inneren Medizin Lukas Weick. „Begonnen hat das Projekt damit, dass ich selbst eine Lungenentzündung hatte und diese leider mehrfach übersehen wurde“, so der Mediziner. Der darauffolgende schwerwiegende Verlauf seiner Erkrankung verdeutlichte ihm, dass oft aufgrund fehlender Erfahrung der Ärzte wichtige Hinweise auf Krankheiten übersehen würden. 

Noch im Krankenbett baute er sich sein eigenes elektronisches Stethoskop und begann, seine Auskulation aufzuzeichnen. „Ich wusste, dass künstliche Intelligenz sehr gute Ergebnisse in der Mustererkennung hat und erkannte das Potenzial“, erklärt Weick seine Idee. Auf einem Start-up-Event traf er Informatiker-Kollegen und das Team von Ärzten, Informatikern, einem Betriebswirt, einem Designer sowie einem Produktmanager begann mit der Entwicklung des Gerätes und der App für das Smartphone. 

Uni Saarbrücken unterstützt 

Die größten Herausforderungen seien vor allem der Prozess der Datensammlung und der damit verbundenen Zulassung als Medizinprodukt. Dies liege, laut Weick, vor allem auch an der fehlenden Infrastruktur für die Entwicklung künstlicher Intelligenz im medizinischen Bereich in Deutschland für Start-ups. Doch die Universität Saarbrücken unterstützt das Team durch ihr Starterzentrum. Ein Jahr finanzierte das Start-up sein Projekt selber, seit April dieses Jahres werden sie jedoch nach eigenen Angaben durch das Exist Gründerstipendium der EU unterstützt. 

Und nun haben sie sich bei einem Pitch beim Gründerwettbewerb „Fit 4 Start“ gegen rund 290 Mitbewerber aus den drei Sparten Informations- und Telekommunikationstechnik, Weltraumtechnik sowie Gesundheitstechnik durchgesetzt. Sie erhalten, gemeinsam mit weiteren 18 Jungunternehmen, jeweils ein 16-wöchiges Coaching-Programm und eine Summe von 50.000 Euro für ihre Entwicklung.

Marktzulassung wohl erst in 2,5 Jahren

Die Entwickler von Sanascope rechnen mit einer Marktzulassung ihres Gerätes in rund zweieinhalb Jahren. Das Gerät soll zirka 50 Euro kosten und hauptsächlich in Apotheken verkauft werden. „Aktuell sind wir noch nicht mit Apotheken und Großhändlern in Kontakt“, bestätigt Weick auf Anfrage von DAZ.

Das elektronische Stethoskop wird an ein Smartphone angeschlossen, analysiert Herztöne und Lungengeräusche und ermöglicht es Menschen, sich zu Hause ein Bild von Ihrem Gesundheitszustand zu machen. Verdächtige Geräusche werden erkannt und Empfehlungen für einen Arztbesuch gegeben. „Die Zielgruppen sind zum Beispiel ältere Menschen im Pflegeheimen welche von dem Pflegepersonal untersucht werden können und Eltern mit kleinen Kindern“, so Weick gegenüber der DAZ. 

Derzeit sucht das Entwicklerteam Menschen, gesund oder mit einer chronischen Krankheit, die das Projekt unterstützen wollen, indem sie sich selbst regelmäßig abhören. Die „Beta-Tester“ erhalten ein Stethoskop zugeschickt und werden Teil des Entwicklungsprozesses. Sie können Kritik und Verbesserungsvorschläge einbringen und gemeinsam über die Weiterentwicklung des Projektes diskutieren.


Mareike Spielhofen, Autorin, DAZ.online
daz-online@deutscher-apotheker-verlag.de


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