DIE letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

24.04.2016, 08:00 Uhr

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: Andi Dalferth)

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: Andi Dalferth)


Der Medikationsplan steht und das E-Rezept ist ante portas. Machen wir’s für umme und der Doktor fürs Honorar? Warum können eigentlich Arzt und Apotheker so schwer miteinander? Oder geht’s besser als Angestellter in der barrierefreien Arztpraxis? Und warum „derzeit kein Honorardeckel“ auch eine Zumutung ist.

18. April 2016

Wie soll man als Leiterin oder Leiter einer Apotheke eigentlich planen können, wenn Politiker ständig eine neue Honorarsau durchs Dorf treiben? Wie soll man da noch Entscheidungen treffen, die echt Geld kosten? Zum Beispiel einen neuen Mitarbeiter einstellen oder einen Kommissionierer anschaffen, um mehr Zeit für die Beratung zu haben. Mein liebes Tagebuch, wir sollen Kaufleute sein, sind aber dermaßen von Launen und spontanen Einfällen der Politik abhängig – langfristige Planungen sind da fast ausgeschlossen. Da droht uns das vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebene Gutachten, das 2018 über unser Honorar entscheiden soll. Da kommen so launige Zwischenrufe von Gesundheitspolitikern, die unser Apothekenhonorar bei Hochpreisern deckeln wollen, was wiederum die Krankenkassen – klar – sehr gut finden. Immerhin, das Wirtschaftsministerium will diese Vorschläge nicht aufgreifen, wie es auf Anfrage bestätigte, eine Änderung der Arzneimittelpreisverordnung sei derzeit nicht geplant, Hmm, mein liebes Tagebuch, wie lange ist „derzeit“? Das klingt alles nicht sonderlich verlässlich und vertrauenerweckend. Und der Schwebezustand bis 2018 ist eine Zumutung.

 

Warnhinweise auf OTC-Schmerzmitteln – wünscht sich das Gesundheitsministerium. Fühlt sich ein bisschen fadenscheinig an, wenn das Gesundheitsministerium jetzt meint, mit einem aufgedruckten Hinweis (Nicht länger als drei bis vier Tage) die „Verbraucher“ (das Ministerium kennt keine Patienten) vor einem ungehemmten Schmerzmittelkonsum warnen zu können. Die Regierung selbst hat doch den Wettbewerb angeheizt, indem sie OTC-Preise freigegeben und den Versandhandel zugelassen hat. Und dann ermunterte sie noch die Patienten, von den Apotheken preiswerte Arzneimittel einzufordern. Die Folge: Apotheken verschleudern nun brav und artig Paracetamol für unter 99 Cent und empfehlen die noch günstigere Großpackung des Schmerzmittels. Das Ministerium: „Oh, die Apotheker machen sogar Wettbewerb! Und die Verbraucher verlangen nach billigen Schmerzmitteln – na, da müssen aber dann Warnhinweise auf die Packungen.“ Hallo, mein liebes Tagebuch, wie schizophren ist das denn?


19. April 2016

Den Medikationsplan erst einmal „für umme machen“ will Versandapo-Chef Christian Buse. Klar, ein Honorar für die Mehrleistung des Apothekers wäre schon schön, meint der Versandapotheker, aber es gebe nun mal Vorteile eines solchen Plans, da sei die Frage nach dem Geld zweitrangig. Mein liebes Tagebuch, den Medikationsplan „für umme“ machen zu wollen, geht Versendern ja auch leicht über die Lippen – sie werden wohl kaum in die Verlegenheit kommen und mit dem Papierausdruck eines ärztlichen Medikationsplans konfrontiert werden, um ihn zu ergänzen. Und deshalb sehnen sie sich auch den elektronischen Plan herbei und – als herzallerliebsten Wunsch – das elektronische Rezept. Aus Sicht der Versandapos nachvollziehbar. Aber: Ein E-Rezept wird den Markt mehr als nur ein bisschen durcheinanderwirbeln. Wenn der Patient sein E-Rezept elektronisch von zu Hause aus oder von Internet-Terminals, die bei Aldi, Rossmann, am Bahnhof oder sonst wo stehen können, an eine x-beliebige (Versand-)Apo schicken kann, hat das eine andere Qualität als heute, wo ein Rezept per Post verschickt werden muss. Ach ja, dann steht da noch die EuGH-Rechtsprechung ins Haus: Sollte das Gericht die Preisbindung für Rx canceln – nein, daran wollen wir heute noch gar nicht denken...

20. April 2016

Bleiben wir beim Medikationsplan: Er steht. Also, die Beteiligten, die Ärzte und Apotheker haben sich darauf verständigt, wie der Plan aussehen soll, wie er erstellt, aktualisiert und fortgeschrieben wird. Dieses Mal ohne Zank und ohne Schiedsstelle. Wie genau alles ablaufen soll, will man derzeit noch nicht rauslassen, da noch Stellungnahmen dazu ausgewertet werden. Immerhin, Ärztin Regina Feldmann, Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wünscht sich, dass Apotheker den Plan unterstützen. Schon klar, mein liebes Tagebuch, würde ich mir, wen ich der Arzt wäre, auch wünschen: „Mein lieber Apotheker-Schnuckiputz, hilf mir bitte mal, den Plan aufzustellen, auf dem Laufenden zu halten, damit ich mein Honorar dafür abrechnen kann. Und vergiss bitte nicht, die OTCs nachzutragen, ja?“ Also, im Klartext: Ohne Apotheker wird’s und kann’s nicht so richtig laufen. Mal ehrlich, ich bin gespannt, ob ein Plan, der auf Papier daherkommt und unter den Heilberuflern nicht elektronisch ausgetauscht werden kann, der lückenhaft ausgefüllt ist, überhaupt ein Renner wird. Wohl eher nicht. Tja, ohne Apotheker wird’s nicht gehen.

 

„Die elektronische Gesundheitskarte kommt“, tönte es 2006! Zehn Jahre später ist sie immer noch nicht richtig da, nur rudimentär. Und vor allem: ohne elektronisches Rezept. Doch in Bayern tut sich jetzt was – weil’s möglicherweise Geld aus dem Innovationsfonds dafür gibt. Unter Federführung des bayerischen Gesundheitsministeriums wollen Ärzte und Apotheker in der Audi-Stadt Ingolstadt ein Modellprojekt starten: Patienten sollen sich dort bald entscheiden können, ob sie ihr Rezept auf der Karte oder in Papierform erhalten wollen. Die elektronische Variante soll auf einem zentralen Server gespeichert werden, auf den Ärzte und Apotheker mit Sicherheitscodes zugreifen können. Noch ist allerdings einiges unklar, z. B. wie werden die Rezepte dann abgerechnet? Was lässt sich darauf verändern und heilen, um Retaxationen vorzubeugen? Doch das wird wohl alles noch geklärt werden – angesichts von potenziellen Finanzspritzen aus dem Topf des Innovationsfonds. Da sind Bayerns Apothekerverband und Apothekerkammer gefordert! Mein liebes Tagebuch, eines Tages wachen wir Apothekers auf und reiben uns die Äuglein: Es ist da, das elektronische Rezept. Die Versandapos freuen sich schon heute. Wäre schön, wenn wir vorher noch ein paar Konditionen und Parameter mitbestimmen könnten.

21. April 2016

Arzt und Apotheker können nicht so recht miteinander. Da ist Sand im Getriebe, es knirscht in der Beziehung zwischen beiden. Dass das nicht nur Vorurteile sind, sondern gelebte Realität, weiß fast jeder Apotheker. Und man kann es jetzt nachlesen in einer Studie, in Auftrag gegeben von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Anhand von Umfragen unter Apothekern und aus Interviews mit Ärzten ist nun klar: In der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheker fehlt es einfach am Wissen über die Alltagsprobleme und Strukturen des anderen. Apotheker fühlen sich als „Nerver“, sie brauchen nachträglich „Kreuzchen“, Ärzte sehen in Apotheker diejenigen, die ihre Kompetenzen überschreiten. Und dann gibt es noch die Sympathie und Antipathie zwischen beiden. Mein liebes Tagebuch, das ist in der Tat nicht einfach. Schön, dass eine Studie versuchte, das Beziehungsgeflecht mal aufzuarbeiten. Und wie wird’s besser? Es führt kein Weg daran vorbei: Beide Heilberufler müssen die Bereitschaft mitbringen, miteinander zu sprechen. Es geht nur so, dass einer die Initiative ergreift und den andern zum Gespräch einlädt. Sie sollten sich dann die Abläufe in der Praxis, in der Apotheke zeigen, die Alltagsprobleme erklären und gemeinsam nach einer Lösung suchen. In einer Diskussionsrunde auf den Münsteraner Gesundheitsgesprächen zu diesem Thema kam auch zur Sprache: Was ist, wenn sich der eine oder andere Ältere nicht mehr umstellen und auf den andern zugehen will? Das dürfte sich dann biologisch lösen, war die Antwort – hier setzt man auf die nachrückende Generation.

 

Dazu passend eine Nachricht von der Insel, wobei ich nicht weiß, ob das jetzt eine positive Nachricht ist oder nicht: In Großbritannien soll bis 2020 in jeder Praxis für Allgemeinmedizin auch ein Apotheker arbeiten. Die klinischen Pharmazeuten sollen sich die Medikation anschauen, Fragen des Patienten klären und so die Ärzte entlasten. Der britische Gesundheitsdienst will dafür 140 Mio. Euro ausgeben, mit denen die Praxen anfangs bezuschusst werden. Nach vier Jahren müssen sie den Apotheker dann selbst vergüten. Ein Modellprojekt dazu, das im vergangenen Jahr angelaufen ist, soll gezeigt haben: Das Interesse der Ärzte sei riesig gewesen. Mein liebes Tagebuch, auf der einen Seite klingt das verführerisch: Die Arzneimitteltherapie und Arzneimitteltherapiesicherheit ist heute so komplex, dass sie ein Arzt allein nicht bewältigen kann – unser Rat wird geschätzt, man braucht die Expertise eines Apothekers. Aber als Beratungsapotheker beim Onkel Doktor angestellt zu sein – ist es das, was wir wollen? Mein Arbeitsplatz: die Praxis für Allgemeinmedizin? Wäre das für deutsche Apothekers vorstellbar? Vermutlich werden wir so schnell nicht in die Verlegenheit kommen, uns in Deutschland ernsthaft darüber zu unterhalten. Denn bei uns gäbe es gar nicht so viele Pharmazeuten, die bei Allgemeinmedizinern arbeiten könnten. Es sei denn: Unsere Regierung nutzt dieses Modell zum Auffangen derjenigen Apotheker, die ihre Apotheke schließen müssen. Mein liebes Tagebuch, du weißt ja: Geheimen unausgesprochenen Plänen zufolge soll es in Deutschland in zehn bis zwanzig Jahren nur noch 15.000 Apotheken geben. Doch bevor solche Alpträume wahr werden: Ich kann mir auch das umgekehrte Zukunftsszenario vorstellen – die Apotheke stellt einen Allgemeinmediziner in der Apotheke ein…

22. April 2016

Das ist wieder so ein Ding: Arztpraxen können Fördermittel aus dem Nationalen Aktionsplan 2.0 beantragen, um ihre Praxen barrierefrei umzugestalten. Und Apotheken, die laut Apothekenbetriebsordnung von 2012 barrierefrei zugänglich sein müssen? Die ABDA duckt sich weg: „Diese Vorgabe dürfte bereits damals von den allermeisten Apothekenbetrieben erfüllt worden sein“, heißt es aus Berlin, keine Probleme aus der Praxis bekannt. Äh, ja klar, mein liebes Tagebuch, viele Apotheken haben brav auf eigene Kosten umgebaut. Und dann steht man plötzlich vor einer Apotheke: Hoppla, da ist noch eine Stufe. Na, na, die ABDA kann doch nicht jede Stufe kennen…

 

Ich hab’s entdeckt, mein Produkt der Woche: das „Vegane Kräuterölbad Kamille“. Mein liebes Tagebuch, wie konnte ich eigentlich bisher ohne ein veganes Kräuterölbad leben? Bin ich bisher in Fleischbrühen oder vegetarischen Bädern gelegen? Egal, nach dieser stressigen Woche gönne ich mir das vegane Bad und tauche darin ab in der Hoffnung, dass es auch genfrei, laktosefrei und glutenfrei ist. Und hoffentlich ohne Kalorien und auch low carb. Dazu ein Schluck Biowasser und der Sonntag ist gerettet.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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10 Kommentare

Den Spieß einfach(?) mal umdrehen

von Kerstin Kemmritz am 24.04.2016 um 12:56 Uhr

Klar gibt es derzeit jede Menge Themen und Entwicklungen, die einen mit Sorge in die Zukunft blicken lassen, weil irgendwie nicht wirklich erkennbar ist, wohin die Reise geht im deutschen Gesundheits- und Apothekenwesen, wer alles mitkommen kann und wer nichtzuletzt für die Reisekosten aufkommt.

Aber drehen wir doch den Spieß einmal um und versuchen wir, das Positive in der Diskussion zu sehen bzw. die Entwicklung entsprechend zu beeinflussen. Was mich diese Woche wirklich positiv überrascht hat, ist die Bewerbung der Bayern um ein Projekt im Innovationsfonds zur Testung des eRezeptes! Finde ich absolut klasse, denn hier sind (offizielle!) Apothekervereinigungen mit dabei, ein auch politisch gewünschtes Projekt kreativ und konstruktiv (und rechtzeitig!) mit zu begleiten und so sicherlich auch die Fallstricke herauszuarbeiten!

Das eRezept ist derzeit bei uns der Inbegriff für Angst vor der Wegsteuerung der Rezepte, was uns tatsächlich als Vorort-Apotheken komplett die Füße unter dem Boden entziehen würde. Aber nehmen wir einfach mal an, es gelänge, diese Sorgen zu beseitigen, weil es natürlich keine Rezeptsammelstelle (=Terminal) in der Arztpraxis, bei der Krankenkasse oder sonstwo geben darf. Nehmen wir an, der Patient bleibt Herr über seine eGK oder den Serverzugang, wo das Rezept gespeichert ist und nehmen wir weiter an, Antikorruptionsgesetz und zusätzliche Regelungen verhindern einen Missbrauch auch wirklich zuverlässig, weil verantwortungsvolle Politiker erkennen, dass Geiz zwar geil, aber bei Gesundheit am falschen Platz ist. Das sollten wir als Berufsstand wirklich vermitteln können, gerade auch dem derzeitigen Gesundheitsminister.

Wenn das gelingt, dann könnte z.B. das eRezept eine Entwicklung in den öffentlichen Apotheken in Gang setzen, die uns wieder Zeit und Freude an der Pharmazie finden ließe! Unter der Voraussetzung, dass die Ärzte eine standardisierte Arzneimittelliste (am besten auch aktuell...) verwenden, die zertifizierte Software alle möglichen Besonderheiten von der Dosierung, Diagnose oder den Ausrufezeichen bei Mehrfachverordnungen selbsttätig setze und der Apotheker mehr Möglichkeiten und Rechte hätte, Änderungen auf dem eRezept zu vermerken (am besten gleich mit push-Mitteilung an den Arzt), würden Formretaxe und Fehlverordnungen massiv reduziert, der Arbeitsalltag extrem vereinfacht werden und wieder mehr Zeit für den Patienten, für die individuelle Pharmazie zur Verfügung stehen!

Statt Formalismus könnten wir mit kleinen Medikationsgesprächen beginnen, die dann im Honorar wahrscheinlich wirklich drin wären. Für die "großen" (zusätzlich honorierten) Analysen wäre auch wieder mehr Zeit vorhanden und selbst die Augenhöhe mit den Ärzten könnten wir erreichen, weil wir weniger nerven müssten.

Bis es soweit ist, dass diese Entlastungen die Apotheken auch "treffen", könnte man einfach mal die Vergütung an die Inflationsrate (seit 2004) anpassen und dann mit oder ohne Gutachten einen neuen Pharmazeutenalltag honorieren. Gerne auch mit einem Teilzeitarzt, der an bestimmten Wochentagen das Medikationsmanagement verstärkt. Ach, ich träume so gerne, denn nichts ist unmöglich!

» Auf diesen Kommentar antworten | 4 Antworten

AW: e-Rezept

von Katharina Stülcken am 24.04.2016 um 15:12 Uhr

Liebe Frau Kemmritz, da nehmen Sie aber ein bisschen zu viel an. Es wird viel "geschmiert" im Gesundheitswesen. In Altenheimen verlieren die Patienten bereits jetzt schon häufig die Hoheit über ihre Rezepte. Auch die Zuweisung zu Rezeptsammelstellen erfolgt leider nicht immer gesetzeskonform. Das e-Rezept wird die gezielte Zuweisung von Rezepten noch erleichtern.

AW: Das große Risiko ...

von gabriela aures am 24.04.2016 um 15:32 Uhr

..beim e-Rezept liegt meiner Meinung nach - ganz ehrlich- im Verhalten der Praxen:

"Ach Herr Müller, damit Sie nicht extra noch in die Apotheke gehen und Ihr Rezept dort vorlegen müssen, machen wir das auch gleich "online" und spätestens heute abend bringt Ihnen die Apotheke Ihre Medikamente ganz bequem nach Hause, ist doch ganz in Ihrem Sinn, gell ?"
Und klick - ratzfatz ist das Rezept weggeschickt....

AW: Antwort zu den Kommentaren

von Kerstin Kemmritz am 24.04.2016 um 17:34 Uhr

Das Risiko sehe ich natürlich auch, aber wenn es gelingt, genau das wirkungsvoll zu verhindern, könnten die unbestritten vorhandenen Vorteile zum Tragen kommen. Das sehe ich auch als eine der größten Herausforderungen des Projektes und da die Bayern ja nicht unbedingt als unüberlegte Draufgänger bekannt sind, ist das Projekt da sicher in guten Händen, zumal ich mit Frau Huml eine sehr realistische Politikern dort im Hintergrund sehe. Wir müssen darauf drängen, dass der Patient die alleinige Hoheit über sein Rezept behält und es dort selbstständig einlösen kann und muss, wo er will. Da schwebt mir derzeit eher die eGK vor als eine Serverlösung, aber mit PINs oder biometrischen Sensoren (Fingerprints) könnte das vielleicht gehen. Also ein ebenso hochspannendes wie natürlich auch gefährliches Projekt, aber lieber kreativ dabei sein und im Sinne des Verbraucher- und Datenschutzes mitgestalten! ;-)

AW: Erfahrung nutzen

von Reinhard Rodiger am 24.04.2016 um 19:49 Uhr

Länder mit langer e prescribing -Geschichte machen gerade Bilanz.Dänemark findet als grösstes Problem die mangelhafte Kompatibilität , USA die Generation neuer Fehlerarten , Schweden die fehlende Übereinstimmung verschiedener Dateien,England das zu geringe Training der Ärzte.Gemeinsam ist allen eine aufwendigere Fehlerermittlung und längere Korrekturzeiten vor allem bei Arbeitsverdichtung.Dies gilt vor allem bei Systemausfall und technischen Problemen.Nicht zuletzt bleibt der Patient der Schlüssel, der dann allerdings einem automatisierten System gegenüberstehen wird, dessen Fehlreaktionen nicht mehr eindeutig zu beurteilen sind.Deshalb braucht er eine Anlaufstelle, die all das im Blick hat. Nur davon ist nirgends die Rede.Es geht um Verkleinerung des Apothekenbestandes durch Automatisierung.Falscheingabedetektion ist nur bedingt eine akademische Aufgabe.Der Fehlerfilter wird niedriger gehängt und der Rezeptfluss steuerbarer. .

Guten Morgen,

von gabriela aures am 24.04.2016 um 11:57 Uhr

meine lieben MitschreiberInnen und stillen LeserInnen !

Die Freigabe der OTC-Preise und die daraus resultierenden Rabattschlachten sind zumindest ärgerlich.
Geradezu unverantwortlich und eigentlich eine atemberaubende Frechheit, ist die Aussage unseres höchsten Repräsentanten FS , daß die ApothekerInnen ihre Einkaufsvorteile im Non-RX-Bereich an die Kunden weitergeben können/sollen.
Er befeuert auf perfide Art und Weise die Sonderpreisdebatte , verfügt en passant über unsere Kalkulation und als Sahnehäubchen signalisiert er damit in Richtung Politik und Kassen:
Da geht noch was, da ist noch was zu holen !

(Wird's dafür als moralisches Feigenblatt wieder mal einen DAT-Antrag geben, die On-Pack-Angebote der Industrie zu verurteilen ? Ein Knaller aus der Abteilung "Bigotterie")

Ich werde die "PR-Arbeit" der ABDA ( der meisten Kammern und Verbände aber auch nicht )nie verstehen.Zu wichtigen Themen wie z.B. Lieferengpässe wird geschwiegen( das machen dann Ärzte und RTL), aber sobald man denen, die Kammern, Verbände und somit auch die ABDA nebstl ihren Kostgängern bezahlen, einen Schlag versetzen kann, wird man dort plötzlich hyperaktiv.
Diese Liste der demontierenden Beiträge wird immer länger...

@Herr Ditzel : das "Vegane Kräuterölbad" habe ich auch in der Bude.
Nach lactose-und glutenfreien Produkten ist das doch nur logisch. Damit richtet man auch weniger Schaden an, als mit Nasenspray oder PCM zum Schleuderpreis.
In diesem Bereich bin ich - ganz ehrlich-schmerzfrei: vegan ist halt mega-In - also warum nicht davon profitieren, solange es (noch) geht ?
Und nein, ich halte einzelne Produkte aus der Wellness-und Schönheitsabteilung NICHT für den Untergang der klassischen Apotheke.
Bekannte Vorreiterin: Farmacia Di Santa Maria Novella in Florenz, die 1612 ihre Produkte anbietet.








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AW: Das Angebot...

von gabriela aures am 24.04.2016 um 12:05 Uhr

..einer Firma, deren Namen ich vergessen habe, für 2 Wochen in der Apotheke deren energetisch gepimptes ionosiertes Quellwasser zu testen ( um es anschließend teuer zu verkaufen, denke ich mal), hab ich abgelehnt.
Sooo verzweifelt bin ich dann doch noch nicht ;-)

Neue Arzt-Apotheker-Abhängigkeit?

von Reinhard Rodiger am 24.04.2016 um 11:35 Uhr

Kann die erneute direkte Abhängigkeit vom Arzt die selbsständige Behauptung des Berufs verbessern?
Ist ein Abhängigkeitsverhäktnis dasselbe wie gleiche Augenhöhe?

Die Situation in England ist der Schlüssel.Akute Überlastung der Arztpraxen durch langjährige Fehlplanung führte zur Suche nach Möglichkeiten zur Praxisentlastung.So liest sich die Jobdescription des als Angestellter arbeitenden Apothekers wie die eines Arzthelfers mit Spezialkenntnissen.Dabei wirkt die Übernahme ärztlicher Teilfunktionen als Beschaffung billigerer Arbeitskraft.Denn entscheidendes Argument für die Praxis ist der Unterschied von 100 (Arzt) zu 40 (Apotheker) in Pfund/Stunde.
Wo ist von gleicher Augenhöhe die Rede? Regionale Hilfskonstruktionen sind kein Vorbild.Vor allem, weil die Finanzierung durch Abbau des Ertrags der öffentlichen Apotheken erfolgt.Das wirkt so wie von der einen in die andere Tasche, aber nicht als Rangverbesserung-- Vielmehr als Aufgabe der Berufssouveränität zugunsten von Abhängigkeit.

Anders in der Schweiz.Hier bleibt die Triage/primary care unter Kontrolle der unabhängigen Apotheke.Das ist die entscheidende Entlastung der Arztpraxis.Der Engpass hier sind die stetig fallenden Margen, die durch diese Aufgaben bzw die Honorierung nicht ausgeglichen werden.Wichtig ist ,dass hier die Unabhängigkeit gewahrt bleibt.

Gemeinsames Merkmal- gültig auch für Deutschland- ist das Abschmelzen des Apothekenertrags zugunsten von auf anderen Wegen geschaffenen "Ausgleichs".Also weniger öffentliche Apotheken zugunsten von Unselbstständigkeit bei erhöhtem technischen Aufwand.Es konkurriert dann automatisierte Dispensation mit IT-standardisierter Beratung mit arztkapazitätsergänzender Hilfsfunktion.

Bevor also dieses Vorgehen als für uns wünschbar definiert werden kann, sollten die Bedingungen und Folgen offen diskutiert werden.Das ist nicht der Fall.Hier wird noch stark idealisiert.
Dabei steht an erster Stelle die zukünftige Finanzierung und damit die Perspektive für die Zukunft.Auch hier Denkpause?

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Ab dafür

von Bernd Jas am 24.04.2016 um 10:10 Uhr

Guten Morgen Herr Ditzel,

ja das E-Rezept ist bei solchem Wetter schwer am zittern, bitten wir es doch freundlich rein und belassen es dann besser in locus submersus.

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Zusammenarbeit Arzt-Apotheker

von Dr Jochen Pfeifer am 24.04.2016 um 8:48 Uhr

Es gab einmal einen einzelnen öffentlichen Apotheker ohne Amt und Würden, der es wagte, ohne Erlaubnis seines Kammerpräsidenten oder vom ABDA Präsidenten in einer Zeitung, die sogar von Ärzten gelesen wird (welch ein Frevel !!), einen Vorschlag zu machen, der zwar umstritten aber trotzdem diskussionsfähig war. Viele Apothekermedien (insbesondere der Verlag dieses Tagebuchs) schlugen auf diesen Apotheker ein. Aber heute steht im Tagebuch "Beide Heilberufler müssen die Bereitschaft mitbringen, miteinander zu sprechen. Es geht nur so, dass einer die Initiative ergreift und den andern zum Gespräch einlädt."
Wir brauchen eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe- irgendwie bekommen das unsere apothekerlichen Stammesfürsten aber nicht ganz hin, warum wohl?
Wie ich schon in meinem Interview mit "adhoc" gesagt hatte: es darf keine Denkverbote geben- und zwar auf beiden Seiten.
Bei den Studierenden der Pharmazie und der Medizin gibt es schon Formen einer produktiven Zusammenarbeit. Unsere jungen Kolleginnen und Kollegen kriegen das zeitnah hin, da bin ich sicher.

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