die letzte woche

Mein liebes Tagebuch

04.04.2016, 11:20 Uhr

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: Andi Dalferth)

Rückblick auf die letzte Woche (Foto: Andi Dalferth)


Um ARMIN ist’s ruhig geworden, wirklich? Um die PTA-Ausbildung in Westfalen-Lippe ist’s dagegen unruhig geworden – was ist da dran? Und ganz unruhig wird man, wenn man an die Umsatzsteuerzahlungen von Versandapos denkt. Und das Unruhigste überhaupt: Kassen werden retaxiert! 

29. März 2016

Mein liebes Tagebuch, es ist ruhig geworden um das ARMIN-Projekt. Die letzten Meldungen zur Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen las man im letzten August. Damals hieß es: „Das Herz von ARMIN schlägt“ – gemeint war damit: Der Medikationsplanserver für ARMIN wurde ans Safenet der Kassenärztlichen Vereinigung angeschlossen. Über diesen Server sollen sowohl Ärzte als auch  Apotheker die Medikationspläne eingeschriebener Patienten einsehen und darauf zugreifen können. Es soll im Prinzip also das möglich sein, was Bundesgesundheitsminister Gröhe auf Bundesebene mit seinem E-Health-Gesetz zwar großmundig geplant, aber zugleich wieder auf Eis gelegt hat: Vorerst soll sein Medikationsplan nicht elektronisch kommuniziert werden, sondern ausgedruckt auf Papier. Und die Apotheker hat er auch erstmal ausgesperrt. Umso wichtiger ist es, dass man mit ARMIN zeigen kann, dass und wie es funktionieren kann, in der Hoffnung, dieses System setzt sich durch. Aber, mein liebes Tagebuch, irgendwie ist ARMIN kein Speedy Gonzales, sondern eher ein kleines Schneckchen, das nur Zentimeter für Zentimeter vorwärts kommt. Der E-Medikationsplan  musste ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen, das Anfang Dezember abgeschlossen war. Ab Anfang 2016 sollten dann theoretisch 70% der niedergelassenen Ärzte auf den elektronischen Medikationsplan zugreifen können. Geplant ist, dass der Apotheker den elektronischen Plan erstellt, die Medikation des Patienten erfasst und der Arzt dann die Details anpasst. In welchem Umfang das schon läuft? Vereinzelt sicher, aber große Erfolgsmeldungen hört man noch nicht. Mein liebes Tagebuch, wir hoffen mal, dass weiter daran gearbeitet wird. Viele Apotheker und Ärzte, die ihre erste Skepsis abgelegt haben und bei ARMIN mitmachen, sind von ARMIN überzeugt. Wenn  Vorgänge wie Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog erstmal zur Alltagsroutine gehören, dann ist eine große Hürde geschafft, wie erste Pilotapotheker und -ärzte melden. Zurzeit sollen rund 600 Ärzte und 900 Apotheker beim Modellprojekt mitmachen. Wirkstoffverordnung und Medikationskatalog sind technisch umgesetzt. Inwieweit die Ärzte das nutzen – darüber gibt es noch keine Zahlen. Wenn jetzt der elektronische Medikationsplan bei ARMIN richtig in Schwung kommen sollte, könnte das einen Schub geben. Könnte. Wir hoffen weiter. Und ja: Angesichts der Schwierigkeiten, die ein solches Projekt wie ARMIN mit sich bringt, nämlich Ärzte und Apotheker unter einen Hut zu bringen, damit sie gemeinsam an einer Sache arbeiten, da ist es fast schon unglaublich, dass es so weit gekommen ist. Also, ARMIN, mach weiter und leg einen Zahn zu!

30. März 2016

Der Kammerbereich Westfalen-Lippe kommt nicht zur Ruhe. Ein Streit zwischen Apothekerverband und Apothekerkammer über die Finanzierung der verbandseigenen PTA-Schulen hatte im vergangenen Jahr hohe Wellen geschlagen. Im Sommer wurde der Streit beigelegt. Die Kammerversammlung hatte sich darauf verständigt, die Kammerbeiträge zu erhöhen, um damit die verbandseigenen Schulen zu unterstützen. Damit schien die Finanzierung weiterhin gesichert zu sein. Jetzt fällt es einem Apotheker, der selbst Mitglied des Finanzausschusses der Apothekerkammer ist, ein, diese Finanzierungszusage mal überprüfen zu lassen: Er hält sie für rechtswidrig und will dagegen klagen. Mein liebes Tagebuch, das ist sein gutes Recht. Ob das alles aber klug ist? Vor allem, welche Alternativen könnte es geben? Der Apothekerverband macht es deutlich: „Die sichere PTA-Ausbildungsfinanzierung ist für die Apotheken von existenzieller Bedeutung.“ Stimmt, ohne PTA geht herzlich wenig in den meisten Apotheken. Letztlich läuft alles wieder auf die Frage hinaus: Wer sollte PTA-Schulen finanzieren? Ein Apothekerverband, dem Mitglieder freiwillig beitreten können? Kaum , den von ausgebildeten PTAs profitieren alle Apotheken. Eine Apothekerkammer, die sich in erster Linie um die Apotheker, nicht um die PTA kümmern muss? Vielleicht, denn PTA sind für Apotheken existenziell. Oder ist es doch Aufgabe eines Bundeslands, des Staates, die Ausbildung  junger Menschen zu ermöglichen? Was aber tun, wenn sich die öffentliche Hand auf Geldmangel beruft und sich aus der Finanzierung von PTA-Schulen zurückgezogen hat? Man kann gespannt nach Westfalen-Lippe schauen, wie dieser Rechtsstreit weitergeht. Pikant daran ist: Der klagende Apotheker, selbst Mitglied des Finanzausschusses der Apothekerkammer,  wird von einem Rechtsanwalt vertreten, der zumindest zuvor auch die Apothekerkammer beraten hat.  Der Apothekerverband Westfalen-Lippe meint dazu: „Das wirft Fragen auf und bedarf der berufspolitischen Aufklärung.“

31. März 2016

Ja, mein liebes Tagebuch, wer zahlt eigentlich die Umsatzsteuer bei ausländischen Versandapotheken, die nach Deutschland liefern? Wer zahlt welche Mehrwertsteuer an welches Finanzamt? Man vermutet schon lange, dass niederländische Versender das Mehrwertsteuergefälle zwischen Deutschland und den Niederlanden nutzen, um z. B. ihre Boni zu finanzieren. Es soll steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten geben, die auf einer unklaren Lage, wer denn nun für die Zahlung der Umsatzsteuer zuständig ist, beruhen. Liefert eine niederländische Versandapo Rx-Arzneimittel nach Deutschland,  sollen die gesetzlichen Krankenkassen Schuldner der deutschen Umsatzsteuer sein und nicht die ausländische Versandapo. Aber führen die Krankenkassen diese Umsatzsteuer an die deutschen Finanzämter ab? Ein Kölner Rechtsanwalt vermutet, dass weder von der holländischen Versandapotheke noch von den deutschen Krankenkassen eine Umsatzsteuer an ein deutsches Finanzamt abgeführt wird. Mein liebes Tagebuch, da reibt man sich doch verwundert die Augen. Im Jahr 2016, in dem alle Finanzspuren digital nachverfolgt werden können, soll man nicht feststellen können, wer wohin etwas zahlt und wo etwas von wem eingeht? Und den Krankenkassen soll die  technische Möglichkeit fehlen, zwischen Abrechnungen von ausländischen und deutschen Apotheken zu unterscheiden? Von wegen! Ein Abrechnungszentrum, das sich auf die Rezeptabrechnung von Versandapotheken spezialisiert hat, lässt wissen, dass man sehr wohl erkennt, ob es sich um eine in- oder ausländische Apotheke handelt. Denn jede Apotheke hat ein eindeutiges Institutionskennzeichen, das darüber Auskunft gibt. Wird nun die Umsatzsteuer gezahlt oder nicht? Nach Recherchen der DAZ bleibt die Abrechnungspraxis bezüglich der Umsatzsteuer unbeantwortet, GKV-Spitzenverband und die holländischen Versandapotheken reden um den heißen Brei herum, keine Seite gibt eine eindeutige Auskunft dazu. Da fragt man sich: Hat der Fiskus hier kein Interesse, genauer hinzusehen und nachzuforschen? Und die andere Seite: Schäuble will nun sogar jedes Apothekenkassensystem so hochrüsten, dass es vollkommen transparent wird. Vielleicht sollte er mal bei den Krankenkassen und den eigenen Finanzämtern anfangen.

Wenn ein Arzt vergessen hat, seinen Vornamen und/oder seine Telefonnummer aufs Rezept zu schreiben, wollen die Ersatzkassen die Apotheken bis zum 30. Juni 2016 nicht retaxieren. Sie haben, wie der Apothekerverein Hamburg berichtet, die Friedenspflicht, die bis Ende März galt, um weitere drei Monate verlängert. Supernett, gell? Und mein liebes Tagebuch, danach gibt’s wieder Retaxkrieg – oder was?  Wie einem diese Spielchen doch langsam auf die Nerven gehen! Es wird höchste Zeit, dass die Schiedsstelle in die Puschen kommt und die klare Ansage macht, dass solche läppischen Formfehler geheilt werden dürfen und auf keinen Fall zu einer Nullretaxation führen.

1. April 2016

Patientenindividuelle Globuli gibt es jetzt! Mein liebes Tagebuch, da sag einer, die Homöopathie sei eine alte überholte verstaubte Therapiemethode. Und das Schönste: Ad usum proprium können sich Apotheker jetzt sogar gegen die lästigen Retaxationen vorbeugen: Einfach Retaxbescheide der Krankenkassen per Fax an den Hersteller schicken – der verarbeitet sie professionell zu Retax D6. Alle Apothekenmitarbeiter können dann schon am nächsten Tag mit der Einnahme beginnen – und Retaxbescheide gehören der Vergangenheit an. Leider nur am 1. April.

Das Bundesgesundheitsministerium, Herr Gröhe höchstpersönlich, möchte endlich den jahrelangen Streit zwischen Krankenkassen und Apotheken beenden: Das retaxfreudige Verhalten einiger Krankenkassen möchte er nicht mehr dulden. Ab Herbst sollen Kassen wegen Formfehlern nicht mehr retaxieren dürfen. Und der Hammer: Die Überweisungen an Krankenkassen selbst werden um den Betrag gekürzt, wenn sie unberechtigte Retaxforderungen erheben.
Mein liebes Tagebuch, o.k., das war schon eine  böse Meldung zum ersten April, gell? Die haben doch jeden anständigen Apotheker mitten ins Retaxherz getroffen! Nein, damit macht man keine Witze! Andererseits: Wäre schon super gewesen, das mit den Krankenkassen, oder?

Tagebuch mit Verspätung

Aufgrund von mittlerweile behobenen technischen Problemen erscheint Ditzels Tagebuch diese Woche ausnahmsweise erst am Montag. Vielen Dank für die Geduld. 
Kommenden Sonntag ist alles wieder beim Alten, dann gibt das Tagebuch wieder zur gewohnten Zeit.

Ihre DAZ.online-Redaktion


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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3 Kommentare

Entscheidend sind die %e.

von Dr. Christoph Klotz am 05.04.2016 um 21:31 Uhr

Lieber Kollege Ditzel, wenn Michels im AVWL nur 50% der selbstständigen Kollegenschaft verträte, dann ..., er rühmt sich aber eine Abdeckung von 95+% zu erreichen, wie das in anderen Kammerbereichen auch der Fall ist. Und mit einer Non-Responderquote von 5% können wir in anderen Bereichen auch gut leben. Deswegen kann ein Verband sehr wohl so eine Last ideell und finanziell tragen, vor allem, wenn er so reich, wie der AVWL ist. Ihre Argumentation ist da doch etwas Michels gefällig.

Die Prozessanstrengung ist richtig, haben wir doch in der Kammerversammlung von Anfang an auf dieses Damoklesschwert hingewiesen.

Außerdem, ich habe das schon bei apotheke-adhoc geschrieben, ich sehe es strategisch durchaus als richtig, die Angelegenheit wieder in ein anderes Licht zu rücken , da sich sowohl die Kammerversammlung als auch der AVWL einig darin sind, dass die Ausbildungsverantwortung nicht beim Berufsstand liegt, egal welche berufspolitischen Fehler in den 60er Jahren in WL begangen wurden.
Wir sollten uns von der Politik in WL nicht erpressen lassen und als AKWL ebenso nicht vom AVWL.
Statt dessen sollte eine Arbeitsteilung stattfinden, die Politik in die Mangel zu nehmen, während der AVWL uns mit seinem Vermögen politische Zeit erkauft.

Außerdem mangelt es mir in WL zu diesem Thema am kollegialen Schulterschluss. Es kann ja nicht sein, das nur ein paar, wie der Kollege Fehske, sich dazu aus dem Fenster lehnen, während die überwiegende Mehrheit nur den Mangel beklagt und von der Zuschauertribüne aus die Entwicklung mit den Händen im Schoß verfolgt.

Wir brauchen da schon etwas mehr Adrenalin im Spiel.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Kammern gegen Verbände

von Wolfgang Müller am 06.04.2016 um 17:16 Uhr

Adrenalin, gerne. Wenn diese Sache (und vor Allem auch Ihre Parteinahme, ansonsten meistens von mir unterstützter lieber Kollege Klotz; außer eben in härteren AG/AN-Fragen!) doch nur mal JEDEM Selbständigen die Augen öffnen würde. Dass Kammern, und auch selbständige Kolleg/innen, die ihr Kammer-Engagement besonders lieben, sehr oft überhaupt nicht die allgemeinen unternehmerischen Interessen vertreten (können)! Ein absolutes No Go, dass "Die Kammer" die Unternehmer (die bösen, reichen, geizigen ...) zur PTA-Ausbildungs-Finanzierung schöntuerisch pressen will ......... auch noch mit dem nun wahrlich nicht ganz repräsentativen Kollegen Fehske als dräuendem Schlechtgewissen-Maßstab, ich bitte Sie ......

Kein Wunder, dass sich das gerade an einem eher kantigen Feindbild-Geschäftsmann wie Klaus Michels (das wird er mir bestimmt nicht übelnehmen) entzündet. In Wirklichkeit brauchen wir viel öfter mal eine viel klarere Abgrenzung von Arbeitgeber-(Verbände)- und Arbeitnehmer-(inzwischen praktisch: Kammern und ABDA)-Interessen. Das ist in anderen Branchen normal und wird als demokratische Auseinandersetzung positiv-sportlich-konstruktiv gesehen. Nur "Wir" tun heilig so, als wenn hier alles verkleistert werden muss. Mit entsprechend desaströsen Entwicklungen in der Berufspolitik für die Typischen Apotheken-Inhaber, vor Allem auch mit Umsätzen weit unter Fehske- und Michels-Level.

Insofern: Guter Aufschlag, Kollege Klotz.

Armin und die trostlose Zukunft

von Heiko Barz am 04.04.2016 um 13:32 Uhr

Liebes Tagebuch, ich glaube, ARMIN wird eingestampft.
Wenn man bedenkt, dass gerade 5% der Apotheken an dieser Studie teilnehmen, muß der Finanzierungsgedanke hervorgeholt werden. Bei 20000 Apotheken wird die "Apothekenbelastung" für die ZAHLER zu hoch sein, um reale Verhältnisse zu zeigen.
Es gäbe nur einen Weg, um reproduzierbare Verhältnisse zu schaffen, und das ist die Erhöhung unser Basispauschale und dabei darf es nicht nur um ein paar Cent gehen!
Außerdem hat Gröhe diese recht überschaubare Problematik schon fremdfirmiert und auf das Jahr 2018 hinausgeschoben.
Dabei wurde das Arzt- Apotheker Dilemma noch gar nicht bewertet.
Erfolge sehen anders aus.

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