Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

21.06.2015, 08:00 Uhr


Schreck für die ABDA in der Morgenstunde: Die Kammer Nordrhein droht mit Austritt. Dumm gelaufen, kommt irgendwie ungeschickt. Jetzt, wo wir so ein schönes neues 35 Mio. Euro teures  Apothekerhäuschen bauen wollen, jetzt, wo wir Medikationsmanagement ohne Diagnosekenntnisse machen wollen, jetzt, wo wir noch so die eine oder andere kleine Baustelle haben. Mein liebes Tagebuch, wie  ungerecht doch manche ABDA-Mitglieder sind. Da kämpfen die Oberen um Medikationspläne und Baupläne, verhindern lästiges Diagnosegedöns auf der eCard und reißen Health-Angels auf – und keiner dankt es ihnen. Die Welt ist böse, gell?

15. Juni 2015

Ist ja ganz nett, dass die ABDA-Imagekampagne „Näher am Patienten“ mit dem Gesundheitsmedienpreis „Health:Angel“ ausgezeichnet wurde. Oder vielmehr die erstellende Werbeagentur Cyrano und der Comedian Bernhard Hoecker. Vergeben von der Health Media Award International Ltd. aus Birmingham. Ein Insiderpreis für Insider. Dem Apothekenkunden sagt das nichts. Aber immerhin, dem gebeutelten ABDA-Ego tut’s gut: Ist nicht alles schlecht, was wir machen. Auch wenn die Kampagnenfilmchen nicht jedermanns Geschmack sind. Nur, mein liebes Tagebuch, kann man mit Kinowerbung und ein paar Plakaten auf Bahnhöfen, Flughäfen und einigen öffentlichen Verkehrsmitteln heute noch etwas bewegen? Schwer zu messen. Wird mit solchen Filmchen und Plakaten das Image des Apothekers im Sinne des Perspektivpapiers transportiert? Noch schwerer zu messen.

16. Juni 2015

Vielleicht geht noch was und der Apotheker wird beim Medikationsplan, der mit dem eHealth-Gesetz kommen soll, eingebunden. Meint der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn: „Wir schauen mal, was geht.“ Doch bevor jetzt Jubelstürme ausbrechen: Das heißt noch lange nicht, dass der Apotheker ein Honorar dafür bekommt. Nur wenn ein so hoher Aufwand entstünde, der über das Apothekenhonorar nicht mehr ausreichend vergütet würde, dann könnte sich das die Politik mal ansehen, meint der Gesundheitspolitiker. Aber, so die Spahnsche Logik: Es gibt auch das Argument, dass der Medikationsplan dem Apotheker seine Beratung erleichtert und der Aufwand abnimmt... Und, ja klar, dann gibt’s nichts. Mein liebes Tagebuch, wie geil ist das denn? Vermutlich wird unser Honorar noch gekürzt, wenn der Medikationsplan kommt – weil unsere Arbeit dann leichter wird. Sind sie nicht putzig, unsere Politiker?

 

Also, es ist abgemacht zwischen Deutschem Apothekerverband (DAV), Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung: Apotheker sollen die Diagnosen der Patienten auf der elektronischen Gesundheitskarte, so sie denn mit allem Pipapo kommt, nicht lesen dürfen. Warum sich der  Apothekerverband so rasch und liebevoll mit den Ärzten geeinigt hat, ist nicht ganz nachvollziehbar. Auf einen einfachen Nenner gebracht: Man will wohl keinen Ärger mit den Ärzten. Und man fürchtet eine „rein ökonomisch motivierte Kontrolle der Krankenkassen“. Aber, mein liebes Tagebuch, die in weiter Ferne liegende und angestrebte Königsdisziplin der Apotheker, das Medikationsmanagement, lässt sich ohne Kenntnis der Diagnose nicht so recht durchführen, meinen Experten. Ganz abgesehen davon: Wer nur ein bisschen Management machen darf und kann, wird auch nur ein bisschen (oder gar nicht) dafür honoriert werden. Hand aufs Herz, mein liebes Tagebuch, glaubst du noch daran, dass wir Apotheker jemals ein großes Medikationsmanagement werden durchführen dürfen, wollen, können?  Wenn unser Verband schon bei Fragen, was wir einsehen dürfen, einknickt. Und warum ist bei diesen berufsethischen Fragen eigentlich der DAV beteiligt und nicht die Bundesapothekerkammer?

17. Juni 2015

Da hatte sich mächtig Frust und Unzufriedenheit angestaut beim Präsidenten der Apothekerkammer Nordrhein: Lutz Engelen nutzte die Kammerversammlung für eine Generalabrechnung mit der ABDA, die in einen Austritt der Kammer aus der ABDA münden könnte. Engelens Vorwürfe: Falsche Schwerpunktsetzung bei der Umsetzung des Perspektivpapiers, zu zögerliche Lobbyarbeit der ABDA, die fehlende Zusammenarbeit mit den Ärzten (sich nur auf ARMIN zu fokussieren, sei ein strategischer Fehler), vor allem aber die Erfolglosigkeit in der Honorarfrage. Außerdem gab’s Kritik am Umgang mit den Mitgliedsorganisationen sowie mit Beschlüssen und Absprachen, die ignoriert oder schlicht nicht eingehalten worden seien. Und so forderte die Kammerversammlung Nordrhein die ABDA auf, „durch ein unabhängiges Institut die tatsächlichen Kosten zur Versorgung eines gesetzlich Versicherten mit einem Arzneimittel durch eine öffentliche Apotheke“ zu ermitteln, den Dialog mit der Ärzteschaft zu intensivieren sowie bereits im laufenden Jahr eine ausreichend besetzte Abteilung für den Bereich Telemedizin/eHealth aufzubauen. Schön, dass es das noch gibt, mein liebes Tagebuch, mal richtig Krach im Karton. So ein Gewitter tut gut und kann ja auch purgierende Effekte haben. Vielleicht traut sich ja jetzt noch die eine oder andere Apothekerorganisation im Nordosten oder Westfälischen, das Feuer zu verstärken und den Druck im Kessel zu erhöhen. Berlin sollte das Poltern in Düsseldorf nicht als lästiges Gequengel abtun. Wie wär’s, wenn man im ABDA-Palais mal die 35 Millionen schweren Neubau-Pläne für die neue Residenz beiseite legt, mehr mit den Mitgliedsorganisationen spricht, sich um Zukunftsstrategien kümmert und transparenter wird? Nordrhein zeigt: Da draußen gibt es große Unzufriedenheit. Und nein, Nordrhein wird natürlich nicht so schnell aus der ABDA austreten, aber, wer weiß…

 

Und weiter zum nächsten Konflikt: Die PTA-Ausbildung im Bereich Westfalen-Lippe steht auf der Kippe. Worum geht’s? Das Land NRW gibt kein Geld mehr für PTA-Schulen – ein Desaster. Die Kammer wollte daher ein Darlehensmodell für die PTA-Schülerinnen: Sie nehmen einen günstigen Kredit für die Ausbildungskosten auf und wenn sie später in Apotheken arbeiten, soll der Verband die Darlehenskosten ganz oder teilweise übernehmen. Das will jedoch der Verband nicht. Er glaubt, dass diese Aussichten für PTA-Aspiranten wenig attraktiv sind und der Nachwuchs ausbleibt. Dass die PTA-Ausbildung restrukturiert werden müsse, darüber sind sich Kammer und Verband einig. Aber bei der endgültigen Finanzierung der Schulen klemmt’s noch. Eigentlich bräuchte man pro Jahr 2,5 bis drei Mio. Euro, rund 1500 Euro pro Apotheke. Nach einigem Hickhack jetzt ein zarter Kompromiss: Die Kammer erhöht ihren Zuschuss zur PTA-Ausbildung und stellt maximal 350.000 Euro bereit, der Verband wird 113.000 Euro beisteuern – damit ist die Finanzierung der PTA-Schulen in Trägerschaft des Vereins erstmal gesichert. Gelöst ist damit das Problem allerdings noch lange nicht. Für die PTA-Schülerinnen fällt ein monatliches Schulgeld von 225 Euro an. Mein liebes Tagebuch, irgendwie sitzen die Apotheken im Bezirk Westfalen-Lippe in der Klemme. Wenn die PTA-Ausbildung immer unattraktiver wird, die Verdienstaussichten kaum rosig sind – wer wird dann PTA werden? Aber ohne PTA geht’s in Apotheken nicht.

18. Juni 2015

Nach über zehn Jahren im Palais-Rausch folgte die Ernüchterung: Das ABDA-Haus in der Jägerstraße bröckelt, der Brandschutz schwächelt und zu klein ist die Bude allemal. Nichts wie raus, verkaufen wir den Kasten, reifte die Erkenntnis bei den ABDA-Oberen. Jetzt scheint sich eine Bauherren-Euphorie auszubreiten. Also, Palais zum Verkauf aufhübschen und während dieser Zeit einen kleinen Zwischenstopp am Prachtboulevard „Unter den Linden/Ecke Friedrichstraße“ einlegen. In gut zwei Jahren möchte man dann in ein großzügiges, neugebautes, 35 Millionen Euro teures Domizil in der Nähe des Hauptbahnhofs einziehen und einen Teil davon vermieten. Das sind zumindest die derzeitigen Pläne. Nicht schlecht, mein liebes Tagebuch, für einen kleinen Berufsstand wie dem der Apotheker. Wer hat, der hat. Schade, dass die Hybris, der Hang zu Glanz und Glamour noch immer anhält. Manchmal sitzt man als Apotheker in seinem Kämmerlein und wünscht sich nur, dass mehr Geld in Sein und weniger in Schein fließen würde. Wir brauchen ein gutes Standing in der Politik, eine kommunikative und offene ABDA, die in der Politik gehört wird, mit einem guten Stab an Mitarbeitern, eine hervorragende Fort- und Weiterbildung sowie zukunftsweisende Ideen, dazu eine zeitgemäße Honoraranpassung, neue Inhalte in der Apothekerausbildung, eine gesicherte PTA-Ausbildung, Telematik, Medikationsmanagement – um nur einige Baustellen zu nennen. Was wir sicher nicht brauchen sind gestylte Hochglanz-Büropaläste, auf denen „Apothekerhaus“ prangt. Nach außen bescheidenes, in der Sache engagiertes und sachkundiges  Auftreten kommt in der Politik besser rüber.

 Gilt die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel auch für ausländische Versandapotheken? Diese Frage wird vor dem Europäischen Gerichtshof überprüft. Hintergrund sind Rabatte, die die Versandapotheke DocMorris auf Rx-Arzneimittel gibt. Die ABDA will die Kammer Nordrhein, die schon zahlreiche Prozesse gegen DocMorris gewonnen hat, bei diesem Verfahren jedoch nicht dabei haben, was die Kammer nicht verstehen kann. Nach Ansicht der ABDA sei das jetzige EuGH-Verfahren rein europarechtlich und nicht wettbewerbsrechtlich, worüber wiederum die Kammerjustiziarin nur müde lächeln kann. Der Zwist mit der ABDA geht sogar soweit, dass die ABDA ein Gutachten zum EuGH-Verfahren nicht an die Kammer geben will. Mein liebes Tagebuch, seltsam, dass die ABDA glaubt, auf die Expertise der Kammer verzichten zu können. Ähhh, hat das vielleicht etwas mit dem Verhältnis zwischen Nordrhein und Berlin zu tun?

19. Juni 2015

Der Verband der Arzneimittelimporteure (VAD) sieht den Parallelimport nicht als Einfallstor für Arzneimittelfälschungen, sondern, ja, Importeure sind sogar eine Kontrollinstanz in der legalen Lieferkette. Ja, da siehste mal, mein liebes Tagebuch, so kann man sich irren. Aber im Ernst, da sieht man mal, welche unterschiedlichen Sichtweisen es gibt, zum Beispiel die des BfArM-Präsidenten. Er  behauptet, mit dem Parallelimport kämen Fälschungen ins Land und die Importquote gehöre abgeschafft. Klar, dass die Importeure not amused sind. Aber, mein liebes Tagebuch: Hätten wir keinen Parallelimport, sondern nur die direkte Lieferkette Hersteller – Großhandel - Apotheke, gäbe es kein Einfallstor, das kontrolliert werden müsste. Gar nicht verkehrt, oder?

 

Und zum Schluss der Woche: Eben noch hat sich Jens Spahn als gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur Honorarfrage der Apotheker geäußert. Und jetzt tönt’s aus dem Ministerium: Er soll neuer Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium werden. So kann’s gehen. Die sächsische Abgeordnete Maria Michalk soll dem Vernehmen nach nun gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion werden. Mag sie Apotheker?


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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