Masernausbruch in Berlin

AOK-Chef appelliert an Eltern

Berlin - 24.02.2015, 09:43 Uhr


Der Chef des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann, hat an Eltern appelliert, ihre Kinder gegen Masern impfen zu lassen. „Wenn es um das Leben von Kindern geht, die noch nicht allein entscheiden können, sollten wir auch einmal aufhören zu diskutieren und uns an das halten, was uns Medizin und Wissenschaft lehren“, sagte Graalmann der „Rheinischen Post“. Seitens der Ärzteschaft wird erneut eine Impfpflicht gefordert.

In Berlin grassiert zurzeit die schlimmste Masern-Welle seit Einführung der Meldepflicht. Mehr als 570 Fälle sollen dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales seit Oktober bis vergangenen Montag gemeldet worden sein – mehr als bundesweit im gesamten vergangenen Jahr. Am Montag war überdies bekanntgeworden, dass ein an Masern erkrankter anderthalbjähriger Junge gestorben ist. Dies hat Debatte über eine Impfpflicht neu entfacht.

Von einer Pflicht spricht Graalmann nicht. Doch er betonte: Eine Krankheit, die schwerwiegende Schäden zufügen und als Spätfolge im Erwachsenenalter eine Hirnhautentzündung verursachen könne, dürfe nicht bagatellisiert werden.

Auch die Bundesregierung setzt vorerst auf Beratung. Die Impflücke müsse durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und allen anderen Verantwortlichen geschlossen werden, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). „Wenn das nicht gelingt, ist eine Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an.“

Ärzte für Impfpflicht

Dagegen forderte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery: „Spätestens der tragische Todesfall in Berlin sollte Anlass sein, jetzt zu einer Impfpflicht gegen Masern zu kommen.“ Die eigenen Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen, sei verantwortungslos, sagte er den „Ruhr Nachrichten“. Auch der Präsident der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, sprach sich für eine Impfpflicht gegen Masern aus. Eine Impfung habe praktisch keine Risiken oder Nebenwirkungen, sagte Jonitz im Inforadio des RBB. Die Krankenkassen müssten die Kosten der Impfung auch für vor 1970 Geborene übernehmen, forderte Jonitz. Bisher geschieht das nur für nach 1970 Geborene.

Das in Berlin gestorbene Kleinkind war nicht gegen die Viruserkrankung geimpft. Es sei am 18. Februar in einem Krankenhaus gestorben, sagte Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Die Charité teilte am Abend jedoch mit, die Todesursache sei noch nicht abschließend untersucht.

Masern schwächen das Immunsystem und können bei Komplikationen zu schweren Infektionen wie Lungen- und Gehirnentzündungen führen. Laut Statistik sterben zwei von 1000 Patienten an den Folgen einer Masern-Infektion.


dpa/DAZ.online


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