Gerangel in der CDU

Gröhe verliert Kampf um Niederrhein

Berlin - 24.11.2014, 10:17 Uhr


Auf seinem Weg in den inneren Führungszirkel der CDU hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe vorerst einen Rückschlag einstecken müssen. Mit 44 zu 41 Stimmen unterlag er dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Günter Krings, bei der Kampfabstimmung um den Vorsitz des Bezirks Niederrhein. Gesucht wurde der Nachfolger für den ehemaligen Kanzleramtschef Ronald Pofalla. Gröhe galt als Favorit – konnte sich aber nicht durchsetzen.

Der Schwenk hin zu Krings könnte mehrere Ursachen gehabt haben. Krings soll, wie die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Beobachter schreibt, eine bessere Bewerbungsrede gehalten haben als der in der Öffentlichkeit manchmal etwas spröde wirkende Gröhe. Beim einen oder anderen Delegierten dürfte bei der Entscheidung noch der unschöne Abgang von Pofalla zur Deutschen Bahn vor fast einem Jahr nachgewirkt haben. Möglicherweise sprach dies für manchen Unentschiedenen eher gegen den Minister als gegen den Staatssekretär. Vielleicht hatte der Minister auch schlicht zu wenig Zeit für den Wahlkampf. Vom politischen Profil her gelten beide als konservativ. Da könnte auch das Argument Verjüngung eine Rolle gespielt haben. Krings ist 45, Gröhe 53.

Der CDU-Bezirk Niederrhein versuchte nach Gröhes Niederlage umgehend zu beruhigen. Geschäftsführer Manfred Lorenz sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Man muss sehen, es sind beide sehr profilierte Politiker, der eine ist Bundesminister, der andere Parlamentarischer Staatssekretär. Das hat mit Unzufriedenheit nichts zu tun.“ Das sei keine Entscheidung gegen Hermann Gröhe gewesen, sondern für einen anderen.

Krings war nach seiner Wahl ebenfalls bemüht, wieder Ruhe und Frieden in den CDU-Bezirk zu bringen. Er sicherte Gröhe die volle Unterstützung des Bezirks bei dessen Bewerbung um einen Sitz im Präsidium der Bundespartei zu. Gröhe will sich in das Präsidium der Bundespartei wählen lassen. Es gibt aber mehr Bewerber als Plätze, so dass es zu einem Kräftemessen auch mit  CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn kommen wird, der ebenfalls kandidiert. Beide kommen aus Nordrhein-Westfalen. Der NRW-Landesverband wäre mit Gröhe und Spahn im Parteigremium überrepräsentiert, heißt es.


DAZ.online


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