Europäischer Pharmamarkt

Vielfalt inmitten globaler Konkurrenz

Berlin - 03.07.2014, 14:11 Uhr


Die forschende europäische Pharmaindustrie muss sich zunehmend der Konkurrenz der „Pharmerging markets“ in den Schwellenländern wie Brasilien, China und Indien stellen. Während der brasilianische und chinesische Markt im Jahr 2013 mit Wachstumsraten von 17 Prozent und 14 Prozent beeindruckten, kamen die fünf größten europäischen Märkte im Schnitt auf nicht mehr als ein Prozent. Dies geht aus aktuellen Daten des europäischen Pharmaverbands EFPIA hervor.

Die Branche hat im letzten Jahr laut EFPIA-Erhebungen allein in Europa geschätzt rund 30,6 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung gesteckt und gibt fast 700.000 Menschen direkt „Brot und Arbeit“. Die Sparmaßnahmen der Regierungen in den letzten fünf Jahren schwächen jedoch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wirtschafts- und Forschungsaktivitäten aus Europa könnten deshalb schrittweise in die schnell wachsenden „Pharmerging markets“ verlegt werden, befürchtet der Verband. Nach der Anzahl der seit 2009 entwickelten neuen Wirkstoffe hatte Europa mit 66 die Nase immerhin noch ganz knapp vor den USA (64). Japan (26) und andere Länder (23) folgen erst mit weitem Abstand.

Im Jahr 2013 entfielen 41 Prozent der globalen Pharma-Umsätze auf Nordamerika und 27,4 Prozent auf Europa. Wie sieht es dort im Detail aus? Hier einige Streiflichter:

Den größten Generika-Marktanteil (nach Herstellerabgabepreis - HAP) findet man in Polen mit fast 55 Prozent, gefolgt von Litauen, Lettland und Kroatien mit über 40 Prozent. Da gehören Frankreich, Spanien, Schweden, Irland und Griechenland mit 15 bis 16 Prozent schon fast zu den Schlusslichtern. Deutschland bewegt sich mit rund einem Drittel des Marktes im Mittelfeld.    

Die Fragmentierung des EU-Pharmamarktes hat zu einem lukrativen Parallelhandel geführt. Für das Jahr 2012 wird sein Wert (HAP) auf 5,5 Milliarden Euro geschätzt. Am meisten ist hiermit natürlich in Ländern zu holen, die ein hohes Preisniveau haben, etwa Dänemark (23 Prozent Marktanteil nach Apothekenumsätzen), Schweden (18,9 Prozent) und in den Niederlanden (knapp 15 Prozent). Deutschland folgt auf dem vierten Platz mit 10,2 Prozent Marktanteil.

Auch die Margen der Handelskanäle unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Im Schnitt geht rund ein Drittel des Verkaufspreises eines Medikaments nicht an den Hersteller, sondern an die Distributoren, wie die Großhändler (ca. 5 Prozent) und die Apotheken (knapp 19 Prozent), sowie über Steuern an den Staat (rund 10 Prozent).

Bei der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel ist das Bild besonders „bunt“. Hier reicht die Spannbreite von „gleiches Recht für alle“, das heißt Standard-Mehrwertsteuer auch für Arzneimittel (Dänemark mit 25 Prozent, Island mit 25,5 Prozent und Deutschland mit 19 Prozent) über Teilreduktionen wie in den meisten Ländern bis hin zu völliger Befreiung in Malta.

Hier finden Sie die komplette EFPIA-Broschüre.


Dr. Helga Blasius


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