Pflanze enthält Tramadol

Synthetisches Analgetikum aus der Natur

11.12.2013, 10:59 Uhr


Tramadol, ein auf die pharmakologisch wirksamen Molekülteile reduziertes Morphinanalogon, war bislang ausschließlich als Synthetikum bekannt. Jetzt entdeckten Wissenschaftler aus Frankreich und Kamerun Tramadol in der Wurzelrinde von Nauclea latifolia (syn. Sarcocephalus latifolius, Rubiaceae).

Der als Afrikanischer Pfirsich bezeichnete Strauch dient in seiner westafrikanischen Heimat traditionell zur Behandlung von Schmerzen, Fieber und Malaria; dabei kommen Dekokte und Mazerate der Wurzeln, Stammrinde, Blüten und Früchte zur Anwendung. Alkoholische Extrakte der Wurzelrinde sind besonders reich an Alkaloiden (meist Indolalkaloide) und wirken schmerzlindernd, fiebersenkend sowie entzündungshemmend. Deren analgetische Wirkung wurde jetzt auf einen pharmakologisch relevanten Gehalt an (±)-cis-2-[(Dimethylamino)methyl]-1-(3-methoxyphenyl)cyclohexanol zurückgeführt, das mit Tramadol identisch ist. Die Substanz wurde durch drei Labors in Proben von mehreren Fundorten und unterschiedlichen Jahreszeiten nachgewiesen, sodass eine Kontamination mit der synthetischen Substanz ausgeschlossen wird. Die oberirdischen Pflanzenteile sind frei von Tramadol. Die Wissenschaftler erforschen jetzt den Biosyntheseweg in der Pflanze. 

Quelle: Boumendjel A, et al. Occurrence of the Synthetic Analgesic Tramadol in an African Medicinal Plant. Angew Chem Int Ed 2013;125:11996.

 


Dr. Annette Hille-Rehfeld


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