Hessischer Sozialminister Stefan Grüttner

8,35 Euro sind zu wenig, 9,14 Euro zuviel

Offenbach - 30.08.2012, 17:36 Uhr


Welche Honorarerhöhung für Apotheker die richtige ist, könne er nicht sagen, so der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner, aber „eine Erhöhung um 25 Cent ist zu wenig“. Er wolle sich für das Anliegen der Apotheker einsetzen, könne aber keine Entscheidungen dazu treffen.

In seiner Ansprache auf der Jahreshauptversammlung des Hessischen Apothekerverbands (HAV) am 30. August in Offenbach versuchte Grüttner, den Apothekerinnen und Apotheker zu vermitteln, dass er als Sozialminister die Situation in einem größeren Zusammenhang sehen müsse. Anliegen sei es, die ärztliche Versorgung in Hessen, gerade auch auf dem Land, sicherzustellen. Daher habe man mit Ärzten und Krankenkassen den hessischen Pakt zur Gesundheitsversorgung geschlossen, der zahlreiche Maßnahmen zur Strukturverbesserung der Versorgung auf dem Land beinhaltet. Beispielsweise gehören hierzu auch Maßnahmen, die die Ansiedlung von Ärzten fördern. Als Anreiz ist vorgesehen, eine Praxiseröffnung im ländlichen Raum mit 50.000 Euro zu unterstützen. Letztlich komme dies auch den Apotheken zugute, so Grüttner, denn wenn Ärzte ihre Landpraxis aufgeben, dann schließe meist auch nach einiger Zeit die im Umfeld ansässige Apotheke.

Unabhängig davon könne er das Anliegen der Apotheker, eine angemessene Honorarvergütung zu erhalten, verstehen. Es wisse, dass auch die Apothekenbetriebsordnung der Apotheke hinsichtlich Personal und baulichen Investitionen viel abverlange. Aber die Forderung der Apotheken nach 624 Mio. Euro oder 9,14 Cent pro Rx-Arzneimittelpackung sei zu hoch, eine Erhöhung um 25 Cent allerdings auch zu wenig.

Grüttner: „Als Land Hessen können wir nur sagen, es reicht nicht, wir können auf unsere Kollegen in den Ministerien einwirken, mehr können wir nicht tun.“

Kritisch äußerte sich Grüttner zum Versandhandel. Er fungiere nicht als Lückenfüller für eine mangelnde Versorgung auf dem Lande: „Die Versorgung auf dem Lande ist nicht der Hauptzweck der Versender“, so Grüttner. Er wisse, dass der Patient auf dem Lande auch den Kontakt und die Betreuung durch die Apotheke vor Ort benötige. Daher habe man auch ein Versandverbot für Rx-Arzneimittel unterstützt.

Vermutungen von Apothekerinnen und Apotheker, das derzeit einsetzende Apothekensterben sei politisch gewollt, trat der Sozialminister energisch entgegen: „Es ist ein Irrsinn anzunehmen, es gäbe ein politisch gewolltes Apothekensterben. Das tut sich die Politik nicht an. Es ist nicht gewollt, aber politische Handlungen können dazu führen.“ Der jetzt vorangetriebene Ausbau der ärztlichen Versorgung auf dem Lande wäre zudem sinnlos, wenn die Politik ein Apothekensterben wollte: „Ein Apothekensterben“, so Grüttner, „können wir uns nicht erlauben.“ Aber: Die Politik lege nicht die Standorte der Apotheken fest, die Apotheker müssten sich überlegen, wo eine Apotheke wirtschaftlich betrieben werden könne.


Peter Ditzel


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