KKH-Allianz

Patient im Fokus

Berlin - 08.02.2012, 17:14 Uhr


Arzneimittelrisiken erkennen, wissenschaftliche Beratung von Ärzten ermöglichen und den Patienten in den Fokus stellen – das will ein neues Programm der KKH-Allianz in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Chronisch Kranke können jetzt deutschlandweit zusammen mit ihrem behandelnden Arzt kostenlos ihre Medikation pharmakologisch bewerten lassen.

Patienten, die beispielsweise unter Diabetes, Bluthochdruck und/oder COPD leiden, müssen meist viele verschiedene Arzneimittel einnehmen. Häufig suchen sie auch verschiedene Ärzte auf, die nicht unbedingt voneinander wissen. Betreibt der Patient dazu auch noch Selbstmedikation, kann schnell der Überblick über die komplette Medikation verloren gehen. Im besten Fall erkennt die Apotheke, dass in Bezug auf Interaktionen, Unverträglichkeiten oder Doppelverordnungen beim Patienten Handlungsbedarf besteht. 

Die KKH-Allianz geht nun in Kooperation mit dem Zentrum für Arzneimittelsicherheit der MHH einen neuen Weg: Über die seit 2007 bestehenden Versorgungszentren der Kasse in Halle und München können nun chronisch kranke Versicherte ihre Medikation pharmakologisch analysieren lassen. Dieses Angebot besteht seit Anfang Februar deutschlandweit. 

Konkret sieht das so aus: Die KKH-Allianz spricht, auch im Rahmen des üblichen Gesundheits-Coachings, chronisch kranke Versicherte an, ob sie an einer Überprüfung ihrer Medikation interessiert sind. Willigt der Patient ein, muss der behandelnde Arzt von seiner Schweigepflicht entbunden werden. Die KKH sammelt alle ärztlichen Diagnosen sowie Verschreibungen und ergänzt sie durch die Eigenangaben des Patienten, z.B. über geändertes Einnahmeverhalten, Präparate der Selbstmedikation oder auch das Absetzen von Arzneimitteln. Die so vorbereiteten Unterlagen werden an den universitären Partner, die MHH, weitergeleitet.

Mit den Anfragen aus dem KKH-Allianz-Versorgungszentrum beschäftigt sich dann an der MHH ein Team des Arzneimittelinformationssystems ATIS unter der Verantwortung von Dr. med. Dirk Stichtenoth, dem in Deutschland einzigen Professor für Arzneimittelsicherheit. Innerhalb von zwei bis drei Wochen erarbeiten Ärzte und Apotheker – eine Apothekerin ist ausschließlich für dieses Projekt zuständig – gemeinsam ein fachlich fundiertes Arzneimittel-Konsil. Dieses wird abschließend mit dem diensthabenden Oberarzt, einem Facharzt der Klinischen Pharmakologie, diskutiert. Beratungsbedürftige Arzneimittel werden im Konsil gekennzeichnet. 

Da die Ergebnisse dieser ersten Anamnese zuerst an den Patienten verschickt werden, werden die Hintergründe der Auffälligkeit bewusst nicht erklärt. Es soll vermieden werden, dass der Patient selbstständig – ohne ärztliche Überwachung – Therapien abbricht oder umstellt. Im Gegenteil soll die Auswertung des Konsils mit dem behandelnden Arzt zusammen erfolgen, der sich dann wiederum mit Fragen an das ATIS Team der MHH wenden kann.

Im Gespräch mit DAZ online sagte Dr. Lutz Herbarth, Sachgebietsleiter des Individuellen Gesundheitsmanagements bei der KKH-Allianz, man verfolge mit dem bundesweit einmaligen Projekt das Ziel, Informationen zusammenzuführen und die Kommunikation zwischen den am Behandlungsprozess beteiligten Ärzten und dem jeweiligen Patienten zu fördern. Die Entscheidung darüber, Änderungen in der Arzneimitteltherapie eines Patienten vorzunehmen, liege jedoch weiterhin in der Entscheidungsgewalt des behandelnden Arztes vor Ort, so Dr. Herbarth. Man stelle die ärztliche Kompetenz an keiner Stelle infrage, sondern wolle versuchen, Ansprechpartner zu vermitteln.


Almuth Schmidt


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