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Pandemie Spezial

Gefährliche Masken

Unter Mund-Nasen-Masken können Keime siedeln

Ob beim Einkaufen, beim Bus- und Bahnfahren oder in der Apotheke – sie sind unser ständiger Begleiter: Mund-Nasen-Masken. Seit einigen Wochen gilt in Deutschland die Maskenpflicht. Seitdem steigt die Anzahl der Kunden, die wegen Hautproblemen im Mundbereich Beratung sucht. Welche Beschwerden sind zu erwarten? Und was kann man dagegen tun?  |  Von Sabine Fischer

Bislang war das Tragen von Mund-Nasen-Masken in der breiten Bevölkerung ein Bild, das nur in der asiatischen Bevölkerung bekannt war. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich dies gewandelt. In vielen ­europäischen Ländern, so auch in Deutschland, herrscht nun Maskenpflicht in bestimmten Bereichen des öffentlichen Lebens. Damit mehren sich Berichte über Hautprobleme im Gesichtsbereich. Diese sind beim Pflegepersonal schon lange bekannt. So gab es bereits nach dem SARS­(schweres akutes respiratorisches Syndrom)-Ausbruch 2003 Berichte aus Singapur, dass 35,5% der Gesundheitspfleger über Akne, Juckreiz im Gesicht oder Hautausschlägen nach der Verwendung von N95-Masken (entspricht den Masken der Klasse FFP2) klagten [1]. Die häufigsten Probleme entstehen durch die Einwirkung von Druck und Feuchtigkeit auf die Haut. Vor allem bei längerer Tragedauer kommt es unter der Maske zu einem Stau der Feuchtigkeit, die durch Sprechen und Atmen freigesetzt wird. Als Folge dieser sogenannten Hyperhydratation weicht die Hornschicht auf und Lipide, die zwischen den Zellen sitzen, werden ausgespült. Somit geht die Schutzfunktion der Hornschicht verloren, Keime können eindringen. Darüber hinaus kann es dabei auch zu einer Verschiebung des pH-Wertes kommen, sodass der Säureschutzmantel der Haut beeinträchtigt wird. Da Mund-Nasen-Masken für einen guten Schutz dicht anliegen sollten, kommt es zusätzlich zu Reibung und Druck auf die Haut, vor allem beim längeren Tragen von FFP-2- und FFP-3-Masken [3, 4].

Keimbelastung in den Masken

In einem Krankenhaus in Bangkok wurden getragene OP-Masken hinsichtlich ihrer Keimbelastung auf Außen- und Innenseite untersucht [2]. Erwartungsgemäß war die Keimbelastung auf der Außenseite deutlich höher als auf der Innenseite (166 Kolonien-bildende Einheiten [KBE]/ml pro Maske für Bakterien und 34 KBE/ml pro Maske für Pilze außen vs. 47 KBE/ml pro Maske (Bakterien) und 15 KBE/ml pro Maske innen). Dennoch konnten auf der Innenseite der Maske verschiedene Staphylococcus spp., Pseudomonas spp., Aspergillus spp. und Penicillum spp. nachgewiesen werden. Allerdings ist dabei zu beachten, dass es sich um Masken handelt, die von medizinischem Personal während der Arbeit getragen wurden, sodass sich diese Ergebnisse sicherlich nicht direkt auf die breite Bevölkerung übertragen lassen.

Druckulzera und Wundreiben

Ein Auftreten von Druckulzera ist in der breiten Bevölkerung eher selten zu erwarten, da diese im Allgemeinen eher die leichteren Community- oder OP-Masken und weniger FFP2-Masken (und schon gar keine FFP3-Masken) trägt. Auch ist die Tragedauer im Vergleich zum Pflegepersonal eher gering. Kommt es dennoch zu Druckstellen, z. B. im Nasen- oder Wangenbereich, kann ein dünnes Hydrokolloid-Pflaster (z. B. DermaPlast® Effect) aufgeklebt werden [4, 5]. An Stellen, an denen die Maske reibt, z. B. auf der Nase oder am Kinn, kann vor dem Aufsetzen eine dünne Schicht Zinkoxid-Salbe aufgetragen werden. Dies wirkt entzündungshemmend und verhindert ein Reiben, ohne die Wirksamkeit der Maske zu beeinträchtigen [6, 7].

Kontaktdermatitis und Juckreiz

Bei der Auswahl des Maskenstoffs ist auf eine gute Hautverträglichkeit zu achten. Kommt es zum Auftreten von Juckreiz sollte zu einem anderen Material gegriffen werden. Ist dies nicht möglich, können zwei Lagen Gaze unter der Maske Abhilfe schaffen. Bei einer leichten Kontaktdermatitis hilft das Auftragen von Feuchtigkeitscremes nach der Reinigung. Eine schwere Kontaktdermatitis gehört in die Hände eines Arztes, da dann topische Glucocorticoide zum Einsatz kommen. Ist der Juckreiz sehr ausgeprägt, können orale Antihistaminika eingenommen werden (s. Winterhagen I. Waschen, cremen, pflegen – Hautpflege in Zeiten von ­Corona. DAZ 2020, Nr. 20, S. 26).

Trockenheit von Haut und Lippen

Die Haut sollte mit milden und pH-neutralen Mitteln gereinigt, die Reinigungszeit eher kurz gehalten und nicht zu heißes Wasser verwendet werden. Das anschließende, regelmäßige Auftragen von hochwirksamen Feuchtigskeitscremes verhindert das Austrocknen der Haut und somit eine Schuppenbildung [7]. Aus den Lippen kann Feuchtigkeit besonders leicht entweichen, da diesen ein schützender Hydrolipidfilm fehlt. Speziell für die Lippen geeignete Öl-in-Wasser-Emulsionen helfen bei spröden, trockenen Lippen. Auf ausschließlich fettende Zubereitungen sollte verzichtet werden, da mit diesen das Gefühl der Trockenheit bestehen bleibt.

Akne

Das längere Tragen von Mund-Nasen Masken kann eine bestehende Akne verschlimmern. Plausible Mechanismen sind hierbei ein durch Druck und Reibung verursachter Bruch von Komedonen, eine behinderte Mirkozirkulation sowie eine durch die feuchte Umgebung begünstigte Proliferation von Aknebakterien [3]. In diesem Fall sollte besonders auf die Anwendung von nicht komedogenen Reinigungs- und Pflegeprodukten geachtet werden. In der Selbstmedikation stehen Benzoylperoxidhaltige Produkte zur Behandlung zur Verfügung.

Hilfe bei Mundsoor

Ein feucht-warmes Klima begünstigt das Wachstum von Pilzen auf der Haut. Daher ist anzunehmen, dass das Tragen von Masken die Bildung von Mundsoor begünstigen kann. Dieser wird durch Candida albicans ausgelöst, ein Hefepilz, der auch bei den meisten Gesunden auf der Schleimhaut zu finden ist. Wird das Hautmilieu beeinflusst, kann sich der Pilz ausbreiten und ein Soor entstehen. Typische Symptome des Mundsoors sind weiße bis gelbliche quarkähnliche Beläge auf der Zunge und eine stark gerötete Mundschleimhaut. Diese Beläge bestehen aus Epithelzellen, Fibrin und Hyphen und lassen sich abstreifen, aber nicht vollständig entfernen. Patienten mit Mundsoor klagen über Missempfindungen wie Mundtrockenheit, Pelzigkeit, Schluckbeschwerden und zum Teil auch brennende Schmerzen. Darüber hinaus können sich Mundwinkelrhagaden bilden [8].

In der Selbstmedikation stehen topische Nystatin-Zubereitungen in Form von Suspensionen und Mundgelen zur Verfügung (z. B. Adiclair® Suspension/Mundgel, Biofanal® Suspension, Candio-Hermal® Fertigsuspension/Mundgel, Lederlind® Mundgel, Moronal® Suspension, Mykundex® Suspension, Nystaderm® Mundgel, Nystatin acis® Suspension/Mundgel, Nystatin Holsten Suspension). Nystatin gehört zur Klasse der Polyen-Antimykotika. Es bindet das in der Pilz-Zellmembran vorkommende Ergosterol und führt so zu einer Veränderung der Zellpermeabilität. In Folge dessen kommt es zum Verlust von Kalium-Ionen was zum Tod der Zelle führt.

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Mundsoor Charakteristisch sind stark gerötete Mundschleimhäute mit weißen, teils abstreifbare Belägen. Auch können schmerzhafte Läsionen wie Aphthen und Mundwinkelrhagaden auftreten.

Nystatin wirkt spezifisch gegen Hefepilze und wird aufgrund seiner Molekülgröße selbst bei oraler Einnahme kaum resorbiert, sodass ausschließlich eine lokale Wirkung besteht. Für die Behandlung systemischer Mykosen ist Nystatin somit ungeeignet. Eine Anwendung ist bereits bei Säuglingen möglich. Lediglich bei untergewichtigen oder unreifen Frühgeborenen sollte aufgrund der hohen Osmolarität von Nystatin auf eine Anwendung verzichtet werden. Bei Säuglingen unter vier Monaten und bei Kindern, bei denen der Schluckreflex noch nicht voll ausgebildet ist, sollte allerdings vorsichtig agiert werden (nicht zu große Portionen, nicht zu weit hinten im Hals), um einer Aspirationsgefahr vorzubeugen. Nach Nutzen-Risiko-­Abwägung kann Nystatin auch in Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden. Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen sind Verdauungs­beschwerden, Überempfindlichkeits­reaktion und gelegentlich Hautreaktionen [10].

Auf die Mund- und Prothesenhygiene achten

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Besonders Personen, die einen Zahn­ersatz tragen, sollten darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig eine konsequente Reinigung und Pflege von Brücken, Kronen und vor allem Prothesen ist, um die gesunde Mundflora zu erhalten. Durch die gleichmäßig feucht-warme Umgebung im Mundraum und zuckerhaltige Speise­reste können sich Pathogene zwischen Gaumen und Zahnprothese bestens entwickeln und am Kunststoffmaterial anheften.

Daher sollte der Zahnersatz konsequent und regelmäßig mit einer Prothesenzahnbürste und speziellen Prothesenzahnpasta mit schonenden Schleifkörpern, die die Oberfläche der Prothese nicht aufrauen, außen und innen gründlich abgebürstet werden. Es stehen Gebissreinigungslösungen zur Verfügung, die den Prothesenkunststoff nicht angreifen und die Keimzahl im Mund reduzieren.

Zusätzlich zur gründlichen Reinigung des Zahnersatzes zu Hause kann die Prothese gelegentlich einer professionellen Prothesenreinigung unterzogen werden.

Ein weiterer Wirkstoff gegen Mundsoor ist das Azol-Antimykotikum Miconazol (z. B. Daktar® Mundgel, Infectosoor® Mundgel, Micotar® Mundgel, Mykoderm® Mundgel). Es blockiert die Ergosterin-Biosyn­these durch Hemmung des Enzyms Lanosterol-14α-Demethylase und dadurch den Aufbau der Zellmembran. Das breite Wirkungsspektrum erstreckt sich nicht nur auf Hefepilze, sondern auch auf Dermatophyten, Schimmelpilze und dimorphe Pilze ­sowie einige grampositive Bakterien. Da Miconazol ein Hemmstoff der Cytochrom-P450-Enzyme 3A und 2C9 ist, besteht eine Kontraindikation für Patienten, die Arzneimittel einnehmen, die über diese Enzyme verstoffwechselt werden. Dazu gehören bestimmte Antikoagulanzien (z. B. Warfarin), bestimmte Antihistaminika (z. B. Terfenadin und Mizolastin), Cisaprid, bestimmte Sedativa (Triazolam, Midazolam), bestimmte Antiarrhythmika (z. B. Chinidin), Pimozid und HMG-CoA-Reduktase-­Hemmer wie Simvastatin und Lova­statin. Darüber hinaus muss bei etlichen Wirkstoffen eine Dosisanpassung erfolgen. Diese sollten der Fachinformation des abgegebenen Präparates entnommen werden. Die Kombination mit systemischen Antimykotika ist ebenfalls zu unterlassen. Kontraindiziert ist die Anwendung auch bei Lebererkrankungen. Zur Anwendung bei Säuglingen und Kindern gelten die selben Hinweise wie für Nystatin. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft sollte Miconazol nicht angewendet werden, in der Stillzeit nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung. Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen sind auch hier Verdauungsbeschwerden, Überempfindlichkeitsreaktion und gelegentlich Hautreaktionen [10].

Das Gel kann mithilfe eines Wattestäbchens im Mund auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Bei Nystatin und bei Miconazol ist sowohl beim Gel als auch bei der Suspension darauf zu achten, dass das Präparat solange wie möglich im Mund verbleibt, bevor es geschluckt wird. Die Präparate sollten nach dem Essen angewendet werden.

Nebenbei bemerkt: Mundsoor kann auch als Nebenwirkung bei der Anwendung von inhalativen Glucocorticoiden zur Behandlung von Atemwegserkrankungen auftreten. Um dies zu vermeiden, sollten inhalative Glucocorticoide immer vor der Mahlzeit angewendet bzw. ein Stück Brot nach der Anwendung gegessen werden. ­Alternativ dazu kann nach erfolgter Inhalation auch der Mund ausgespült werden. |

Literatur

 [1] Foo CCI et al. Adverse Skin Reactions to Personal Protective Equipment Against Severe Acute Respiratory Syndrome. A Descriptive Study in Singapore. Contact Dermatitis 2006;55(5):291-294

 [2] Luksamijarulkul P. Microbial Contamination on used Surgical Masks among Hospital Personnel and Microbial Air Quality in their Working Wards: A Hospital in Bangkok. Oman Med J 2014;29(5):346-350

 [3] Yan Y et al. Consensus of Chinese experts on protection of skin and mucous membrane barrier for health care workers fighting against coronavirus disease 2019. Dermatologic therapy Online Vorveröffentlichung 13. März 2020, https://doi.org/10.1111/dth.13310

 [4] Kolbig N. Hautpflege und Hautschutz bei irritierter Haut unter Mund-Nasen-Schutzmasken- und -brillen. mhp Verlag GmbH, https://shop.mhp-verlag.de/themen/wund/wund-plus/hautpflege-und-hautschutz-bei-irritierter-haut-unter-mund-nasen-schutzmasken-und-brillen, Stand Mai 2020

 [5] Payne A. Covid-19: skin damage with prolonged wear of FFP3 masks. BMJ 2020;369, doi: https://doi.org/10.1136/bmj.m1743

 [6] Sparks D. Treating skin irritations from wearing face masks. Mayo Clinic News Network, https://newsnetwork.mayoclinic.org/discussion/treating-skin-irritations-from-wearing-face-masks/, Stand 14. Mai 2020

 [7] Stokowski LA. A Step-by-Step Guide to Preventing PPE-Related Skin Damage. www.medscape.com/viewarticle/929590#vp_4, Stand 28. April 2020

 [8] Soor (Candidose). Gelbe Liste, Medizinische Medien Informations GmbH, www.­gelbe-liste.de/krankheiten/soor-candidose Stand Mai 2020

 [9] Lauer-Fischer-Taxe, www.lauer-fischer.de, Abruf am 1. Juni 2020

[10] Fachinformationen der Produkte

Autorin

Dr. Sabine Fischer ist Apothekerin aus Stuttgart. Seit dem Pharmaziestudium in Freiburg und einer Promotion in Tübingen arbeitet sie an einer PTA-Schule und in öffentlichen Apotheken. Nebenbei schreibt sie als freie Journalistin.

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