Pandemie Spezial

Waschen, cremen, pflegen

Hautpflege in Zeiten von Corona

Von Ines Winterhagen | Derzeit sind Hautprobleme an den Händen und im Gesichtsbereich nicht selten. Denn die Haut wird durch unverzichtbares häufiges Händewaschen, Desinfizieren sowie das Tragen von Handschuhen und Mund-Nasen-Masken momentan extrem beansprucht. Mit gezielten Maßnahmen und ein paar einfachen Tipps ist ­jedoch ein Schutz auch vor Hautschäden möglich.

Hygiene steht in Zeiten wie diesen an erster Stelle. Sorgfältiges Händewaschen, 20 bis 30 Sekunden und mit viel Seife – so lautet das Gebot der Stunde. Doch dieser einfache und zugleich wirksame Schutz vor den neuartigen Coronaviren kann für unsere Haut fatale Folgen haben. Häufiges Händewaschen kann durch ein Herauslösen von Substanzen aus dem Stratum corneum – insbesondere epidermale Lipide sind betroffen – die Schutzfunktion der Hautbarriere reduzieren: interzelluläre Lücken entstehen, Feuchtigkeit geht verloren, die Haut trocknet aus und reißt teilweise ein. Es entwickelt sich eine schuppige, juckende, ekzemgefährdete Haut, die eine Eintrittspforte für bakterielle oder mykotische Infektionen bilden kann. Auch eine Kontaktsensibili­sierung wird einfacher möglich, im schlimmsten Fall treten Entzündungsreaktionen auf.

Foto: Anton - stock.adobe.com

Hautreizungen sind zu Corona-Zeiten keine Seltenheit. Durch das Tragen von Handschuhen, regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren wird die Schutzfunktion der Hautbarriere deutlich reduziert. Dem kann durch konsequentes Pflegen entgegengewirkt werden.

Seifen oder Syndets: fest oder flüssig

Ob feste oder flüssige Seife zur Reinigung verwendet wird spielt keine Rolle. Wichtig sind vielmehr rückfettende Zusätze, die den entfettenden Effekt der Seife entschärfen. Zu verzichten ist vor allem auf Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe. Um klassische alkalische Seifen mit einem hohen pH-Wert sollte ein großer Bogen gemacht werden. Sie besitzen zwar eine gute Reinigungswirkung und sind im Vergleich zu Syndets preisgünstig, ihr größter Nachteil besteht jedoch in einer alkalischen Reaktion, wodurch der Säureschutzmantel massiv gestört werden kann. Liegt der natürliche pH-Wert der Haut normalerweise nach 0,5 bis vier Stunden nach dem Händewaschen wieder im physiologischen Bereich (pH-Wert 5,5), kann er bei häufiger Seifenanwendung dauerhaft leicht erhöht bleiben. Wesentlich schonender bei viel Waschkontakt sind ­daher Syndets mit einem hautneutralen pH-Wert (z. B. Eucerin®, Eubos® sensitive). Menschen mit Hautekzemen oder strapazierten Händen ist zu empfehlen, wenig milde Wasch­substanz sowie lauwarmes statt heißes Wasser zu verwenden, die Waschprodukte gründlich abzuspülen und die Haut gut abzutrocknen.

Pflege: Viel hilft viel

Sind die Hände über längere Zeit Wasser oder Reizstoffen wie Reinigungs- sowie Desinfektionsmitteln ausgesetzt, sollte man besonders auf eine intensive, rückfettende Hautpflege achten. Damit kann einem irritativ toxischen Kontaktekzem effektiv vorgebeugt werden. Weil wir zurzeit unphysiologisch viel unsere Hände waschen, müssen wir unphysiologisch viel cremen. Als Mindestmaß anzusehen ist eine konsequente Pflege morgens und abends und nach jedem Händewaschen. Wenn die Haut schon Anzeichen zu Rissen oder Trockenheit zeigt, immer wieder auch zwischendurch. Dies gilt besonders für Patienten mit Neurodermitis, bei denen die Barrierefunktion der Haut per se schon gestört ist. Wegen des Risikos der Sensibilisierung sollten Produkte ohne Duft- und ohne Konservierungszusatz gewählt werden.

Handpflege

Nach jedem Wasser- und Tensidkontakt sollte eine schützende Handcreme aufgetragen werden. Tagsüber sind O/W-Emulsionen empfehlenswert, abends sind lipidreiche Zubereitungen oder sogar Lipo­geele geeignet. Die wichtigsten Inhaltsstoffe in Handcremes sind Feuchthaltefaktoren wie Glycerin oder Harnstoff, als Salbengrundlagen eignen sich DAC Basiscreme, Unguentum leniens, Eucerinum anhydricum oder Unguentum alcoholum lanae.

Foto: Lars Zahner – stock.adobe.com

Mit der Hautpflege werden der strapazierten Haut Lipide und Feuchtigkeit zugeführt und somit die Barrierefunktion der Haut unterstützt. Geeignet sind vor allem Pflegeprodukte mit Urea, Glycerin, Hyaluronsäure, Mandel-, Nachtkerzen- oder Jojobaöl als Inhaltsstoffe. Als natürlicher Feuchthaltefaktor schützt Harnstoff die Haut vor Austrocknung. Bei Hautrissen oder akut entzündeter Ekzemhaut kann Urea jedoch brennen. Bewährt als Harnstoff-freie Alternative haben sich feuchtigkeitsspendendes Glycerin oder Linolsäure als ein wichtiger Lipid­bestandteil der Epidermis. Neben einer guten Rückfettung ist darauf zu achten, dass die Handcreme gut einzieht und keinen störenden Film auf der Haut hinterlässt. Aufgrund einer mikrobiellen Kontaminationsgefahr sollten die Produkte nicht mit den Fingern aus Salbentöpfen entnommen werden und bei Verwendung von Tuben ist ein Rücksog des ausgedrückten Salbenstrangs zu vermeiden. Neben reinen Pflegepräparaten können auch als Hautschutzcremes oder -salben ausgelobte Produkte verwendet werden (z. B. Silicoderm®-F Hautschutzsalbe, Excipial® Protect Creme, Lindesa® Hautschutzcreme, Stokoderm® Protect Pure). Bestehende Risse lassen sich mit einem Flüssigpflaster (z. B. Urgo Filmogel®) zukleben. Nach dem Auftragen auf die Haut bildet sich ein flexibler Film, der vor äußeren Einflüssen schützt, den Hautriss auffüllt und ein erneutes Aufbrechen verhindern soll.

Hände richtig eincremen

Die Creme sollte regelmäßig auf saubere und trockene Haut aufgetragen werden. Eine Platzierung der Handcreme neben der Seife auf dem Waschbecken hilft, an die konsequente Pflege zu denken. Über Nacht kann die Creme – in einer dickeren Schicht appliziert – besonders gut unter Baumwoll-Handschuhen in die Haut einziehen. Insgesamt ist das richtige Verteilen der Creme auf den Händen entscheidend, so dass eine durchgehende Schutz- und Pflegewirkung für die Haut entsteht (siehe Kasten „Hände eincremen“).

Thema Handschuhe

Viele Menschen wollen auf Nummer sicher gehen und tragen jetzt Handschuhe aus Latex, Nitril, PVC oder Vinyl. Doch je nach Tragedauer kann es zu massiver Schweißbildung sowie zum Aufweichen der Haut kommen. Die Hornschicht quillt auf und die Hautbarriere wird durchlässiger. Dem Feuchtigkeitsstau entgegenwirken können Unterziehhandschuhe aus Baumwolle, die gewechselt werden müssen, sobald sie feucht sind. Generell sollten die Handschuhe nur auf saubere, trockene und nicht unmittelbar zuvor eingecremte Hände gezogen werden. Allergiker müssen bei der Auswahl darauf achten, dass das jeweilige Handschuhmaterial keine bekannten Allergene wie beispielsweise Latex, Thiurame, Dithiocarbamate oder Mercaptobenzothiazole umfasst. Werden latexfreie Nitrilhandschuhe getragen, die als sehr gut verträglich gelten, sollte wegen der geringeren Dehnbarkeit die Handschuhgröße eine halbe Nummer größer gewählt werden. Gepuderte Handschuhe sind grundsätzlich ein No-Go. Der Puder kann allergische Reaktionen auslösen, wenn er beim Anziehen einge­atmet wird.

Hautprobleme unter der Schutzmaske

In Situationen, in denen der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann – etwa im Supermarkt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln – rät das Robert Koch-­Institut zum Tragen einer Mund-­Nasen-Bedeckung. Doch in Deutschland ist im Alltag das Tragen solcher „Community“-Masken bisher ungewohnt, so dass eine ausreichende Erfahrung mit der richtigen Verwendung fehlt. Viele Nutzer klagen nicht nur über eine eingeschränkte Beweglichkeit, ein begrenztes Sichtfeld, ein Beschlagen der Brille oder eine verminderte Kommunikationsmöglichkeit, sondern auch unter vermehrtem Schwitzen unter der Maske. Es bildet sich schnell Feuchtigkeit und die Maske reibt auf der Haut, wodurch es zu Druckschäden an Nase und Wangen sowie zu Irritationen bis hin zu einem Exanthem kommen kann. Diesen Problemen lässt sich mit der Wahl einer guten Passform der Maske sowie eines hautverträglichen Materials vorbeugen. Natürliche Stoffe wie Baumwolle oder Leinen sind besser geeignet als synthetische Gewebe. Auf Farbstoffe in den Stoffmasken reagieren vermehrt Menschen mit Neurodermitis oder Kontaktallergien mit Hautreizungen, Rötungen und Juckreiz. Auch die angebrachten Gummibänder können allergische Reaktionen hervorrufen. In diesem Fall sind Masken zu bevorzugen, die mit Stoffbändern am Kopf befestigt werden.

Richtiger Umgang mit Schutzmasken

Unterschiedliche Maskentypen sollten ausprobiert werden, um eine passende Variante zu finden. Stoffmasken sind vor dem ersten Gebrauch mit einem Waschmittel ohne allergisierende Duftstoffe zu waschen. Die Haut unter der Maske sollte stets sauber und trocken sein. Eine durchfeuchtete Maske ist umgehend abzunehmen und gegebenenfalls auszutauschen. Wenn der Gesichtsschutz an den Rändern reibt, scheuert oder drückt, hilft nur eins: so schnell wie möglich an einem sicheren Ort abnehmen, neu einstellen und wieder aufsetzen. Generell gilt der Grundsatz: So viel Schutz wie nötig, so wenig Belastung wie möglich.

Maske ist nicht gleich Maske

In einer Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz wurde die Abscheideeffizienz von Mund-Nasen-Schutzmasken, selbstgenähten Gesichtsmasken und gewöhnlichen Haushaltsmaterialien untersucht. Neben verschiedenen Stoffarten wie Baumwolle, Jersey und Biber standen unter anderem auch Staubsaugerbeutel, Mikro­fasertücher, Küchenrolle und Kaffeefilter auf dem Prüfstand. Die Ergebnisse zeigten deutliche Differenzen in den Filtereigenschaften gewisser Partikelgrößen aus dem Luftstrom. Zudem waren erhebliche Unterschiede darin festzustellen, wie leicht sich durch die jeweiligen Materialien atmen lässt. Bei der Auswahl geeigneter Stoffe für selbstgenähte Masken dürfen allerdings auch weitere Eigenschaften wie Hautverträglichkeit oder mögliche Abgabe gesundheitsschädlicher Substanzen durch die Materialien nicht außer Acht gelassen werden. Diese Kriterien waren allerdings kein Bestandteil der durchgeführten Tests. Auch wenn eine Kombination aus Staubsaugerbeutel und Baumwollstoff beim Filtern von Tröpfchen in dieser Studie gut abschnitt, heißt es Finger weg davon. Da die Beutel aus Hygienegründen oft ein antibakteriell wirkendes, beim direkten Einatmen gesundheitsschädigendes Pulver enthalten, warnen Hersteller und Anbieter mittlerweile vor Benutzung von Staub­saugerbeuteln als Schutzmasken.

Tipps für die Haut unter der Maske

Damit die Hautbarriere stabil bleibt und möglichst nicht geschädigt wird, empfiehlt es sich, die Gesichtshaut gemäß des individuellen Hautzustands sorgfältig zu pflegen. Beim fett-­feuchten Hautzustand sind leichte Formulierungen anzuraten wie O/W-Emulsionen, Hydrodispersionsgele oder reine Hydrogele, bei trocken-fettarmer Haut eignen sich Cremes auf W/O-Basis. Häufig verwendete Wirkstoffe sind hier Jojobaöl, Sheabutter, Fettalkohole, Linol- und Linolensäure, Triglyceride sowie Ceramide und als Feuchthaltefaktoren Harnstoff, Milchsäure, Hyaluronsäure, Glycerin oder Propylenglykol. Durch die Abgabe von Kosmetikproben können die Kunden das jeweilige Präparat vorab auf Verträglichkeit testen.

Auf einen Blick

  • Für häufiges Händewaschen gilt: Syndets mit hautneutralem pH-Wert und lauwarmes Wasser verwenden, die Waschprodukte gründlich abspülen und die Haut gut abtrocknen.
  • Eine intensive Hautpflege nach jedem Händewaschen kann einem irritativ toxischen Kontaktekzem effektiv vorbeugen.
  • Beim Eincremen ist an die Fingerzwischenräume, Fingerkuppen und Handgelenke zu denken sowie an Nagelbett und Nagelfalz.
  • Schutzhandschuhe sollten nur auf saubere, trockene und nicht unmittelbar zuvor eingecremte Hände gezogen werden.
  • Hautreizungen und allergische Reaktionen unter der Maske können durch Auswahl geeigneter Stoffe vermieden werden.

Ernstfall: Ekzem

Hat sich bereits an den Händen oder im Gesicht ein allergisches oder toxisches Kontaktekzem mit einem Nach- oder Nebeneinander von Erythem, Bläschen, Exsudation, Papeln und Schuppen ausgeprägt, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Neben einer pflegenden Basistherapie sind häufig topische Glucocorticoide Mittel der ersten Wahl, um die Entzündung schnell zurückzudrängen. Die Auswahl eines geeigneten Steroids richtet sich vor allem nach Schweregrad und Lokalisation des Ekzems. Für die Selbstmedikation stehen in der Apotheke Hydrocortison- und Hydrocortisonacetat-Zubereitungen (0,25% bzw. 0,5%: z. B. Ebenol®, Soventol® Hydrocort, FeniHydrocort®, Linola® akut) zur Verfügung, daneben auch Gerbstoffe mit adstringierender, entzündungshemmender und juckreizlindernder Wirkung (z. B. Tannolact®, Tannosynt®) oder hautberuhigende Präparate (z. B. Bepanthen® sensiderm Creme, Physiogel® Calming Relief Creme). Bei ausgeprägten Ekzemen muss der Arzt hingegen ein stärker wirksames Cortisonpräparat mit möglichst geringem Atrophierisiko verordnen. Alternativ können auch Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus (z. B. Protopic®)oder Pimecrolimus (z. B. Elidel®) eingesetzt werden. |

Literatur

Abscheideeffizienz von Mund-Nasen-Schutz-Masken. Informationen des Max-Planck-Instituts für Chemie, www.mpic.de/4646696/filtermasken_zusammenfassung_08_04_2020_v3_final.pdf

Anforderungen an Handschuhe zur Infektionsprophylaxe im Gesundheitswesen. S1-Leitlinie des Arbeitskreises „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der AWMF, AWMF-Register-Nr. 029-021, Stand: November 2017

Adler Y. Hautkrankheiten. 1. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2012

Corona und Hautprobleme. Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V. www.daab.de/blog/2020/05/hautprobleme-schutzmasken-und-desinfektionsmittel/

Gefen A, Alves P, Ciprandi G et al. Device related pressure ulcers: SECURE prevention. J Wound Care 2020;29(Sup2a):1–52, https://doi.org/10.12968/jowc.2020.29.Sup2a.S1

Händedesinfektion und Händehygiene. S2-Leitlinie des Arbeitskreises „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der AWMF, AWMF-Register-Nr. 029-027; Stand: 08/2016

Hauptsache Hautschutz. Information von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, www.bgw-online.de/SharedDocs/Downloads/DE/Medientypen/BGW%20Broschueren/BGW06-12-002_Hauptsache%20Hautschutz_Download.pdf?__blob=publicationFile; Abruf im Mai 2020

Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. www.infektionsschutz.de/mediathek/infografiken.html; Abruf im Mai 2020

Verwendung von selbst hergestellten Masken. Hinweise des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte. www.bfarm.de/SharedDocs/Risikoinformationen/Medizinprodukte/DE/schutzmasken.html; Abruf im Mai 2020

Autorin

Dr. Ines Winterhagen, Fachapothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilkunde; Autorin für die DAZ und den Deutschen Apotheker Verlag.

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