Pandemie Spezial

Beruhigende Nachricht für Rheumatiker

Datenauswertung zeigt kein erhöhtes Risiko für Hospitalisierung unter Therapie mit Immunsuppressiva

Viele Patienten mit rheumatischen Erkrankungen sind besorgt in Zeiten von Corona. Nehmen sie doch zur Behandlung ihrer Er­krankung immunsupprimierende Arzneimittel ein, die möglicherweise das Risiko für einen schweren COVID-19-­Verlauf erhöhen könnten. Beim European E-Congress Rheumatology wurde jetzt das ­Ergebnis einer Studie vorgestellt, das möglicherweise den Patienten die Angst ein wenig nehmen kann.

Rheumatische Erkrankungen werden mit immunsupprimierenden Arzneimitteln behandelt, die die überschießende Immunreaktion auf den eigenen Körper eindämmen sollen. Viele Patienten sind verunsichert, dass die Einnahme solcher Medikamente einen schweren COVID-19-Verlauf begünstigen könnte. Bisher gab es kaum Studien, die speziell den Krankheitsverlauf von mit SARS-CoV-2 infizierten Rheumapatienten untersucht haben.

COVID-19-Register

Deshalb haben sich weltweit schon vor einigen Wochen Rheumatologen zusammengeschlossen und begonnen, ein internationales COVID-19-Register speziell von Patienten mit rheumatischen Erkrankungen aufzubauen. Das Register soll dabei helfen, das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf der immunsupprimierten Patienten besser einschätzen zu können. In der Datenbank sind bis heute knapp 2000 an COVID-19 erkrankte Patienten aus 40 Ländern, die gleichzeitig an einer rheumatischen Erkrankung leiden, registriert. Die Europäische Liga gegen Rheuma (EULAR) unterstützt dieses Projekt und hat jetzt bei einer Pressekon­ferenz eine erste Auswertung von 600 Patienten vorgestellt. Untersucht wurde dabei, welchen Einfluss eine immunsuppressive Therapie, die unmittelbar vor der Infektion mit SARS-CoV-2 eingenommen wurde, auf einen möglichen Krankenhausaufenthalt und auf den Verlauf der Infektion hat. Analysiert wurden neben der eingesetzten Medikation auch Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Diagnose der rheumatischen Erkrankung und Komorbiditäten. Der Großteil der untersuchten Patientengruppe stammte aus Nordamerika und Europa und litt an rheumatoider Arthritis, systemischem Lupus erythematodes oder an Psoriasis-Arthritis.

Schützende TNF-alpha-Blocker

Als Ergebnis präsentierten die Forscher, dass der Einsatz von konventionellen Basistherapeutika (DMARDs) – unter anderem Methotrexat, Azathioprin, Leflunomid aber auch Antimalariamittel – nicht zu einer erhöhten Zahl an Hospitalisierungen geführt hat. Die DMARDs wurden entweder allein oder in Kombination mit Biologika oder Januskinase-Inhibitoren eingesetzt. Das gleiche Ergebnis wurde für die Einnahme von nichtsteroidalen Antirheumatika gefunden. Unter Einnahme von TNF-alpha-Inhibitoren, nicht jedoch von Antimalariamitteln, konnte sogar eine verringerte Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthaltes festgestellt werden. Der Einsatz von mehr als 10 mg Cortison täglich, was einer mäßig hohen Dosis entspricht, konnte dagegen mit einem erhöhten Risiko für einen Klinik­aufenthalt verbunden werden. Daher sollte Patienten auch dringend geraten werden, auf keinen Fall ihre Medikation abzusetzen und so einen Schub zu riskieren, der mit einer Cortison-Stoßtherapie behandelt werden muss.

Hoffnungsvolle Zahlen

Insgesamt konnte gezeigt werden, dass weniger als die Hälfte der betrachteten Patienten (277) einen Krankenhausaufenthalt benötigten. 55 Personen (entspricht 9%) verstarben an der SARS-CoV-2 Infektion. Die Forscher merken allerdings an, dass die Zahl vermutlich in Wahrheit niedriger ist, als hier dargestellt. Als Grund dafür geben sie an, dass in dem Register wahrscheinlich vorwiegend schwere COVID-19-Fälle gemeldet wurden, weniger die milden oder asymptomatisch verlaufenden Fälle. „Die Studie zeigt, dass sich die meisten Patientinnen und Patienten mit rheumatologischen Erkrankungen – unabhängig davon, welche Medikamente sie erhalten – von COVID-19 erholen“, fasst Professor Dr. med. John Isaacs, University of Newcastle, Großbritannien, Vorsitzender bei der EULAR, zusammen. „Dennoch ist es notwendig, mehr Wissen über den Verlauf einer Infektion mit dem neuen Coronavirus bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zusammenzutragen.“ Weitere Empfehlungen in Zeiten von Corona finden Betroffene auf den Internetseiten der EULAR oder der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie. |

Literatur

Gianfracesco et al. Characteristics associated with hospitalisation for COVID-19 in people with rheumatic disease: data from the COVID-19 Global Rheumatology Alliance physician-reported registry. BMJ 2020.doi:10.1136/annrheumdis-2020-217871

Pressekonferenz des European E-Congress of Rheumatology 2020, 3. Juni 2020

Apothekerin Marina Buchheit
 

Das könnte Sie auch interessieren

Risiko für einen Reinfarkt ist bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erhöht

Bei Rheuma doppelt hinsehen

Daten des Deutschen COVID-19-Registers veröffentlicht

Rheumapatienten: Welche Risiken bestehen bei schweren COVID-19-Verläufen?

Was eine Infektion mit SARS-CoV-2 für Mutter und Kind bedeutet

Schwanger in Zeiten von Corona

Tumorpatienten sind durch SARS-CoV-2 besonders gefährdet

Eine unheilvolle Kombination

Wie überschießende Immunreaktionen bei COVID-19 verhindert werden sollen

Gefürchteter Zytokinsturm

Warum Übergewicht und Adipositas ungünstig für den COVID-19-Verlauf sind

Risikofaktor Fettmasse

Studie des WIdO, des DIVI und der TU Berlin

Jeder fünfte Klinikpatient mit COVID-19 stirbt

Herausfordernde Mutanten erfordern zweimalige Immunisierung

Die neuen Varianten und der Impfschutz

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.