Pandemie Spezial

Social Distancing, Masken und Co.

Effektivität der Präventionsmaßnahmen lässt sich zeigen

mab | Bis ein wirksamer Impfstoff gegen SARS-CoV-2 gefunden ist, wird wohl noch einige Zeit ver­gehen. Umso wichtiger sind daher Präventionsmaßnahmen wie „social distancing“, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und gegebenenfalls eines Augenschutzes. Die Effektivität solcher Maßnahmen wurde in letzter Zeit viel diskutiert. Eine von der Weltgesundheitsorganisation in Auftrag gegebene Metaanalyse liefert nun Antworten, inwieweit welche Maßnahme das Infektionsrisiko senken kann.

SARS-CoV-2 wird vermutlich über Aerosole in der Luft übertragen. Dabei ist die maximale Entfernung, in der das Virus noch infektiös ist, ungewiss. Bisher fehlen randomisierte Studien, die das sicher beurteilen können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Metaanalyse in Auftrag gegeben, die untersuchen sollte, inwieweit „social distancing“, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und das Tragen eines Augenschutzes einen Einfluss auf die Übertragung von SARS-CoV-2 haben. Es wurden 44 vergleichende Studien mit insgesamt 25.697 Patienten, die zum Teil auch im Gesundheitswesen beschäftigt waren, in die Bewertung mit einbezogen. Aufgrund der unzureichenden Datenlage zum aktuellen Coronavirus, wurden auch Studien berücksichtigt, bei denen die Patienten sich mit SARS (severe acute respiratory syndrome; 26 Studien) oder MERS (middle east respiratory syndrom; 11 Studien) infiziert hatten.

Ein Meter oder mehr

Die Wissenschaftler konnten bestätigen, dass das Infektionsrisiko mit steigendem Abstand zwischen den Personen abnahm. So lag das Risiko bei mehr als einem Meter Distanz lediglich bei 2,6% im Vergleich zu 12,8% bei geringerem Abstand. Außerdem wollten die Forscher wissen, wie sich das Infektionsrisiko bei weiterer Distanzierung bis zu drei Metern verändert. Mit jedem zusätzlichen Meter konnte dabei eine Verdopplung der Schutzwirkung festgestellt werden.

Mund-Nasen-Schutz

Durch das Tragen einer Maske kann von den drei untersuchten Maßnahmen die größte Schutzwirkung erzielt werden. Es konnte eine Reduktion des Infektionsrisikos um 14,3% analysiert werden (mit Maske 3,1%, ohne 17,4%). Ebenso konnte festgestellt werden, dass durch den Gebrauch von N95- oder ähnliche Masken eine erhöhte Schutzwirkung erzielt wird. Im Vergleich zu einer normalen chirurgischen Maske mit 77% konnte die Schutzwirkung durch eine N95-Maske auf 96% erhöht werden. Die Autoren empfehlen daher, N95 als Mindeststandard in den Kliniken anzuwenden, um die medizinische Versorgung der Bevölkerung während der Pandemie gewährleisten zu können. Aktuell laufen zwei Studien, die sich speziell mit dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Corona-Zeiten beschäftigten, die Ergebnisse dazu stehen aber noch aus.

N95-Masken ...

Foto: lunx – stock.adobe.com

... erfüllen die Anforderungen des amerikanischen National Institute for Occupational Safety and Health. Die Zahl 95 steht dafür, dass mindestens 95% der in der Luft befindlichen Partikel, die größer als 0,3 µm sind, abgeschieden werden. Der Buchstabe N zeigt, dass die Maske nicht beständig gegenüber öligen Aerosolen ist. N95-Masken entsprechen im Wesentlichen den europäisch genormten FFP2-Masken.

Augenschutz: ja oder nein?

Es wird spekuliert, dass SARS-CoV-2 auch über die Augen übertragen werden kann. Daher wurde in der Metaanalyse ebenso untersucht, inwieweit sich ein Augenschutz in Form einer Schutzbrille, eines Gesichtsschutzes oder eines Visiers auf das Infektions-risiko auswirken kann. Es konnte eine Infektionsrisikoreduktion von 16,0% auf 5,5% nachgewiesen werden. Ein Augenschutz stellt daher laut den Autoren eine gute Ergänzung zu „social distancing“ und dem Tragen einer Maske dar. Sie weisen jedoch darauf hin, dass keine der drei untersuchten Maßnahmen einen absoluten Schutz vor COVID-19 darstellt. Vielmehr soll die Bevölkerung dazu aufgerufen ­werden, neben den oben genannten Schutzstrategien auch eine gute Hand- und Nieshygiene zu betreiben. Die Autoren merken als Einschränkung an, dass es sich bei den analysierten Studien nicht um randomisierte Studien gehandelt hat. Außerdem wurde bei der Metaanalyse nicht untersucht, ­welchen Einfluss die Expositionsdauer auf das Infektionsrisiko hat. Diese lag sehr variabel zwischen einigen Minuten bis hin zu einer Stunde. |

Literatur

Chu DK et al. Physical distancing, face masks, and eye protection to prevent person-to-person transmission of SARS-CoV-2 and COVID-19: a systematic review and meta-analysis. The Lancet 2020. doi: 10.1016/S0140-6736(20)31142-9

Understanding the difference. Informationen von Centers for Disease Control and Prevention. www.cdc.gov/niosh/npptl/pdfs/UnderstandDifferenceInfographic-508.pdf, Abruf am 8. Juni 2020
 

Das könnte Sie auch interessieren

Übertragungsweg von SARS-CoV-2 ist nicht geklärt

Tröpfchen oder Aerosol

Womit ist eine Prävention einer SARS-CoV-2-Infektion möglich?

Schutzmasken im Visier

Unklare Datenlage zu SARS-CoV-2-Übertragung muss bei Präsenzunterricht berücksichtigt werden

Die Rolle der Kinder

Selbst nähen, wiederverwenden oder einfach improvisieren – was gilt es zu beachten?

Mangelware Masken

Datenauswertung zeigt kein erhöhtes Risiko für Hospitalisierung unter Therapie mit Immunsuppressiva

Beruhigende Nachricht für Rheumatiker

Arbeitsgruppe untersucht Schutz vor Aerosolen und warnt vor Tischventilatoren

Maske im Büro?

Ein Meinungsbeitrag von Markus Veit

Hauptsache Maske!?

Die SARS-CoV-2-Übertragung über Aerosole rückt zunehmend in den Fokus

Nicht nur Tröpfchen

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.