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Gleichheit nur auf dem Papier

Gender Pay Gap: Neue Studie zeigt Handlungsbedarf

Deutschland schneidet bei einer europäischen Studie zu Entgeltunterschieden von Frauen und Männern extrem schlecht ab. Dieser Gender Pay Gap (Lohnlücke) ist schon lange ein politisches Thema. Den bisherigen Regierungen ist es nicht gelungen, das Problem zu lösen.

Wirtschaftsexperten der Europäischen Kommission zeigen, dass Deutschland mit einer Lohnlücke von 22 Prozent einen mageren Platz 26 im Feld von 28 Nationen belegt. Noch schlechter schnitten lediglich Tschechien (22,5%) und Estland (26,9%) ab, am besten waren Italien und Luxemburg (je 5,5%).

Aktionsplan gegen Lohnlücke

Die EU-Gleichstellungskommissarin Vera Jourova drängt alle Mitgliedstaaten, bis 2019 einen Aktionsplan umzusetzen. Dazu gehören, neben dem garantierten Recht auf gleiche Bezahlung, Möglichkeiten, eine berufliche Auszeit zu nehmen. Außerdem will Jourova Projekte unterstützen, die sich mit Frauen in Führungsposi­tionen befassen.

Die Bevölkerung steht hinter ihr, denn laut „Eurobarometer“ finden es 90 Prozent aller Europäer nicht akzeptabel, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Über die Hälfte der Befragten fordern mehr Transparenz bei den Gehältern. Genau das hat die letzte Bundesregierung mit ihrem Gesetz zur Lohngerechtigkeit eigentlich versucht: Seit Juli können Angestellte erfahren, was ihre Kollegen mit ähnlicher Tätigkeit erhalten.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) bezweifelt den Sinn des Aktionsplans: „Die Annahme, bei der Lohnlücke handele es sich um Diskriminierung durch die Unternehmen, ist unsachgemäß“, sagt IW-Direktor Michael Hüther. Ausschlaggebend seien u. a. Faktoren wie Branche und Betriebsgröße. Frauen würden eher in den niedrig entlohnten Bereichen Erziehung und Unterricht sowie im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten. Männer seien häufiger im hoch entlohnten verarbeitenden Gewerbe zu finden. Der IW konstatiert außerdem, Frauen würden seltener Führungsaufgaben wahrnehmen und häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer.

Genau hier beginnt sich die Diskussion im Kreis zu drehen. Frauen wählen häufig (schlecht bezahlte) Jobs im sozialen Bereich und meiden Führungspositionen, um Beruf und Familie zu vereinbaren. „Führen in Teilzeit“ gibt es fast nur in Modellprojekten. Auch das Anrecht auf Kita-Plätze muss erst in der Realität ankommen, indem die Arbeitszeiten und Kita-­Öffnungszeiten sich decken.

Tarifverträge können das Problem zumindest teilweise lösen, wie die Hans-Böckler-Stiftung schon vor einem Jahr herausfand. Bei Angestellten mit Tarifbindung war die Lücke zwar auch vorhanden, aber um sechs Prozentpunkte geringer als bei Kollegen ohne Tarifbindung. |

Quellen

Veronika Grimm, Julia Lang, Gesine Stephan: Tarifverträge und die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen: Empirische Evidenz aus Zerlegungsanalysen. Industrielle Beziehungen 3/2016

Jörg Schmidt: Entgeltgleichheit – Die gesamtwirtschaftliche Perspektive – Welche Ursachen hat der Gender Pay Gap? http://t1p.de/a3c4

Spiegel online: OECD-Ländervergleich. Warum Frauen in Deutschland so wenig verdienen; http://t1p.de/1vih

Michael van den Heuvel

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