Prisma

Ein Glas Wein schadet nicht

Studie zu Alkohol, Diabetes und Cholesterol

cae | Soeben ist eine zweite Studie publiziert worden, die bei Typ-2-­Diabetikern in Israel die gesundheitlichen Auswirkungen eines ­mäßigen Alkoholgenusses geprüft hat – wieder mit einem positiven Ergebnis.
Foto: stockphoto-graf – Fotolia.com

Wein als Arznei: Der Inhalt dieser Flasche reicht für fünf Tagesdosen.

In der ersten, 2007 publizierten Studie hatten bisher Alkohol-abstinente Typ‑2-­Diabetiker drei Monate lang täglich 150 ml Wein (13 g Alkohol) getrunken. Bei ihnen sank der durchschnittliche Nüchtern-Blutzuckerspiegel von 140 mg/dl auf 118 mg/dl (als Zielwert gilt: < 100 mg/dl). Aufgrund dieses Erfolges wurde eine zweite, größere Studie initiiert, an der auch der Leipziger Endokrinologe Michael Stumvoll als Koautor mitgewirkt hat: Bei einer gleichartigen, aber größeren Personengruppe (n = 224, 45 bis 75 Jahre alt) wurden zwei Jahre lang die Effekte des Weintrinkens auf zahlreiche physiologische Parameter gemessen. Die Patienten wurden auf drei Gruppen verteilt, die zum Abendessen entweder Wasser, Rotwein oder Weißwein tranken (jeweils 150 ml, im Wein 17 g Ethanol und 120 kcal).

Abgesehen von der bereits bekannten Besserung der Nüchtern-Blutzuckerspiegel fiel ein Blutlipidwert auf, durch den sich die Rotweintrinker von den beide andere Gruppen unterschieden: Die Konzentration des „guten“ HDL-Cholesterols stieg um 2 mg/dl, und folglich verringerte sich der Quotient von Gesamt-Cholesterol zu HDL-Cholesterol um 0,27 Punkte. Dieser Effekt ist mit der Wirkung einschlägiger Arzneimittel kaum vergleichbar, weil diese meistens die LDL-Cholesterol- und Triglyceridspiegel senken. Nur Fibrate erhöhen auch den HDL-Cholesterol-Spiegel, und zwar etwa so stark wie Rotwein. Dieses Ergebnis dürfte vor ­allem Personen mit metabolischem Syndrom interessieren. Sie haben durch mäßigen (!) Rotweingenuss die Möglichkeit, einen Risikofaktor sowohl für Diabetes Typ 2 als auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern.

Als Wirkprinzip des Rotweins gelten die Polyphenole, die in ihm in etwa siebenfach höherer Konzentration vorkommen als im Weißwein. Aber auch der Alkohol bewirkte in dieser Studie etwas Positives: Die Rot- und Weißweintrinker konnten besser schlafen als die Wassertrinker. Ansonsten fielen in den drei Gruppen keine Unterschiede bezüglich Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Leberfunktion, Arzneimittelinteraktionen oder Lebensqualität auf. |

Quelle

Gepner Y, et al. Effects of Initiating Moderate Alcohol Intake on Cardiometabolic Risk in Adults With Type 2 Diabetes: A 2-Year Randomized, Controlled Trial. Ann Inter Med; Epub 13.10.2015

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