Prisma

Darmbakterien senken das Asthmarisiko

Gibt es bald FLVR-Supplemente?

cae | Ob ein Kind ein allergisches Asthma entwickelt oder nicht, hängt zumindest teilweise von der Art seiner Geburt und seiner Ernährung als Säugling ab.
Foto: taramara78 – Fotolia.com

Das Saugen an der Brustwarze fördert die Besiedlung des Darms mit Bakterien und verändert das Mikrobiom des Säuglings positiv.

Der Zusammenhang zwischen dem ­Mikrobiom des Darmes und verschiedenen chronischen Krankheiten wird derzeit intensiv untersucht und hat ­bereits zu auffälligen Assoziationen oder Korrelationen sowohl bei Versuchstieren als auch beim Menschen geführt.

In einer aktuellen Längsschnittstudie wurden 316 gesunde Neugeborene drei Monate nach ihrer Geburt hinsichtlich ihres intestinalen Mikrobioms untersucht. Nachdem die Kinder ein Jahr und schließlich drei Jahre alt geworden waren, wurde bei ihnen die Atmung untersucht und ein kutaner Allergietest durchgeführt. Dabei zeigten sich bei den Kindern, die durch Kaiserschnitt geboren worden waren oder nicht an der Brust gestillt worden waren, häufiger Symptome von (zukünftigem) Asthma als bei den anderen Kindern. Beim Vergleich der Mikrobiome dieser beiden Gruppen fiel auf, dass im Darm der natürlich geborenen und ernährten Kinder vier Bakterien deutlich häufiger vorkamen: Faecalibacterium prausnitzii, Lachnospira spp. (beide: Firmicutes), Veillonella spp. (gramnegative Kokken) und Rothia muci­laginosa (Actinobacteria).

Aufgrund dieser Beobachtung verabreichten die Forscher steril aufgezogenen Mäusen diese vier Bakterien (nach ihren Anfangsbuchstaben: FLVR) und reizten bei deren Nachkommen die Atemwege. Wie erwartet hatten diese Mäuse schwächere inflammatorische Symptome als die Nachkommen der ­Mäuse in der ­Kontrollgruppe.

Neugeborene nehmen die FLVR-­Bakterien wahrscheinlich während der Geburt in der Vagina und beim Stillen über die Brustwarze auf. Säuglingen mit einem diagnostizierten FLVR-Mangel könnten diese Bakterien prophylaktisch supplementiert werden, sofern entsprechende Produkte entwickelt werden und eine Zulassung erhalten. |

Quelle

Arrieta M-C, et al. Early infancy microbial and metabolic alterations affect risk of childhood asthma. Sci Transl Med 2015;7:307ra152

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