Männersache

Der kleine Unterschied

Auch Männerhaut will gepflegt sein

Von Ines Winterhagen | Männer und Frauen sind in vielen Bereichen verschieden: Sie denken anders, fühlen anders, pflegen sich anders. Auch ihre Haut unterscheidet sich physiologisch voneinander. Somit hat eine besondere Männerkosmetik durchaus ihre Berechtigung, denn selbst kräftige, robuste Männerhaut braucht eine spezielle Pflege. Doch kein Mann will stundenlang im Bad stehen und sich mit Cremes und Lotionen beschäftigen. Eine einfache Lösung muss her! Allerdings gilt genauso wie bei den Frauen: Haut ist nicht gleich Haut. Jeder Hauttyp benötigt vielmehr individuelle Behandlungskonzepte sowie entsprechende Pflegeprodukte – vor allem vor und nach der Rasur. Damit die richtige Hautpflege für Männer kein Buch mit sieben Siegeln bleibt, ist eine kompetente Beratung in der Apotheke erforderlich.

Männer haben im wahrsten Sinne des Wortes ein „dickeres Fell“. Die Epidermis der Männer ist um 0,2 mm und damit rund 20% ausgeprägter als bei den Frauen. Außerdem sind die Kollagenfasern bei den Männern besser miteinander vernetzt, womit das Bindegewebe sowie die hautnahe Muskulatur fester und die Neigung zu Fettdepots geringer ausfällt. Im Vergleich zu den Frauen liegt der spezifische Kollagengehalt der Haut höher. Die Männerhaut kann einen größeren Anteil Feuchtigkeit speichern, sie erscheint daher fester und straffer. Aufgrund des günstigen Wasserbindungsvermögens treten Falten bei Männern oft erst später auf, dann allerdings tiefer und intensiver als bei Frauen [1]. Aber Männerhaut hat auch Nachteile: Sie besitzt mehr und aktivere Talgdrüsen. Unter dem Einfluss des männlichen Hormons Testosteron wird ca. 30% mehr Sebum gebildet. Männerhaut ist deshalb meist fettiger und großporiger als Frauenhaut und neigt häufig zu Unreinheiten. Zusammen mit dem erhöhten Sebumfluss führt die deutlich stärkere Behaarung im Gesichtsbereich zu einer höheren Inzidenz von Akne und Pickeln – insbesondere in und nach der Pubertät. Zudem weist die Männerhaut eine höhere Anzahl an Schweißdrüsen auf: Männer schwitzen schneller und stärker, vor allem unter den Achseln. Die Schweißproduktion setzt beim Mann bereits bei tieferen Hauttemperaturen ein [2].

Kennzeichen von Männerhaut nach [3]

  • Die Hautdicke ist um ca. 20% erhöht.
  • Die Haut altert später, dafür aber ausgeprägter.
  • Ein erhöhtes Wasserbindungsvermögen und eine intensive Fettproduktion lassen die Haut praller erscheinen.
  • Der Hydrolipidfilm der männlichen Haut ist stabiler, die Hautdurchblutung besser.
  • Das Bindegewebe ist vor allem im Bereich der Oberschenkel und Hüften netzartig (Frauen: parallel angeordnete Kollagenfasern) aufgebaut und verleiht der Haut somit besondere Festigkeit. Männer entwickeln dadurch keine Cellulite.
  • Männerhaut wird durch die regelmäßige Rasur massiv beansprucht.

Vor der Pflege kommt die Reinigung

Gerade bei Männern mit fettigem Hauttyp ist eine gründliche Gesichtsreinigung, idealerweise zweimal am Tag, besonders wichtig. Wasser, Seife oder gar die oft propagierte Pflegeabstinenz reichen bei Weitem nicht aus. Zur Reinigung sollten milde Waschgele (z.B. Bioderma® Sébium klärendes Reinigungsgel, La Roche-Posay® Toleriane Reinigungsgel) oder pH-neutrale Reinigungslotionen (z.B. Avène® Reinigungslotion für überempfindliche Haut) verwendet werden. Im Anschluss erfrischt ein Gesichtswasser die Haut. Männer, die eine Intensivpflege wollen, können wöchentlich eine Feuchtigkeits- oder Reinigungsmaske (z.B. Avène® Beruhigende Feuchtigkeitsmaske, Hauschka® Revitalisierende Maske) anwenden. Diese verbessert das Hautbild, große Poren verschwinden. Zusätzlich helfen Peelings (z.B. Avène® Mildes, reinigendes Peeling, La Roche Posay® Physiologisches Mikrofeines Peeling), abgestorbene Hautschuppen zu entfernen.

Welche Pflege für welchen Hauttyp?

Pflegeprodukte für Männer müssen ihren Hautbedürfnissen entsprechen, aber auch einfach in der Anwendung sein. Gesichtspflegeprodukte für Herren sind im Gegensatz zu oft lipidreichen Frauencremes meist von einer leichten, nicht fettenden Textur, die ein schnelles Einziehen in die Haut ermöglichen. Empfehlenswert sind kühlende Feuchtigkeitscremes oder -lotionen (z.B. Eucerin® Men Deep Moisture erfrischende Pflege, Avène® Hydrance Optimale Leichte Konsistenz, Medipharma Cosmetics® Olivenöl Per Uomo Gesichtscreme), die viel Feuchtigkeit, aber wenig Fett enthalten, um die Poren nicht zusätzlich zu verstopfen. Da Männer von Natur aus eher zu Hautkrebs neigen, ist ein Lichtschutzfaktor sehr wichtig. Die tägliche Creme sollte bereits einen UV-Filter enthalten. Im Sommer ist ein extra Sonnenschutzmittel erforderlich wie ein schnell einziehendes Fluid oder eine leichte Emulsion, das „Mann“ auch gerne anwendet (z.B. La Roche Posay® Anthelios XL LSF 50+ Ultra-leichtes Sonnenschutz-Fluid, Ladival® Aktiv Sonnenschutz für Gesicht und Lippen LSF 30, Avène® Sonnenemulsion SPF 50+ mit Matt-Effekt für fettige Haut).

Zunehmend finden auch Anti-aging-Produkte (z.B. Eucerin® Men Intense Anti-Age Revitalisierende Pflege, Vichy® Homme Liftactiv, Avène® Ystheál + Emulsion) in der Männerpflege ihren festen Platz. Zur Straffung der Haut und zur Verminderung der Faltenbildung werden insbesondere Fruchtsäuren, die antioxidativen Vitamine A, C und E, Lycopin, Hyaluronsäure sowie patentierte Anti-aging-Substanzen der verschiedenen Hersteller eingesetzt. Zur Behandlung von Tränensäcken und Augenringen gibt es praktische Two-in-one-Präparate für Gesicht und Augen (z.B. Vichy® Homme Hydra Mag C+), Augen-Sticks (z.B. Vichy® Homme Hydra Mag Augen-Stick) oder leichte Augencremes (z.B. La Roche Posay® Hydraphase Intense, Avène® Beruhigende Augencreme, Lamarin® Men Anti Stress Augenpflege). Typische Wirkstoffe für die Augenpflege sind Hyaluronsäure, Magnesium, Coffein und Escin.

Zur Körperpflege nach dem Duschen oder einem heißen Bad sollten Männer milde Produkte mit feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen wählen, bei sehr trockener Haut reichhaltigere, rückfettende Lotionen. Vergessen werden darf auf keinen Fall ein gut wirksames Deo oder Antitranspirant. Bei rissigen und spröden Händen, die durch ständige Beanspruchung im Beruf (durch Schmieröl, häufiges Waschen und Desinfizieren etc.) entstehen, schaffen schnell einziehende, pflegende Handcremes Abhilfe.

Glatze: Die Problemzone des Mannes

Ebenso wie die Gesichtshaut müssen die haarlosen Stellen auf dem Kopf gepflegt werden. Neben einer regelmäßigen Reinigung mit Wasser oder einer milden Reinigungslotion kann regelmäßig eine Feuchtigkeitscreme aufgetragen werden. Männer, die stark schwitzen, können alternativ ein nicht fettendes Pflegegel oder eine mattierende Lotion einmassieren. Im Sommer ist auf den lichten Stellen unbedingt auf einen Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor oder eine Kopfbedeckung zu achten.

Rasur: Trocken oder nass?

Da der hohe Testosteron-Haushalt für eine stärkere Behaarung insbesondere im Gesicht (Bartwuchs) sorgt, steht im Zentrum der Körperpflege für die meisten Männer die tägliche Rasur. Neben den Bartstoppeln werden sowohl bei der Nass- als auch bei der Trockenrasur feinste Hautpartikel der obersten Hautschicht abgetragen, es kommt zu Mikroverletzungen der Haut. Eine gereizte und gerötete Männerhaut ist daher keine Seltenheit. Umso wichtiger ist die an den jeweiligen Hautzustand angepasste, gezielte Pflege, damit sich die beanspruchte Gesichtspartie nach der Rasur regenerieren und ihre wichtige Schutzbarriere, den Hydrolipidfilm, erneuern kann.

Die fettige Männerhaut verträgt After-Shaves auf alkoholischer Basis sehr gut. Sie desinfizieren die Haut und beugen Entzündungen durch Bakterien vor. Doch auch hier gilt es, der Haut genügend Feuchtigkeit zuzuführen, denn Alkohol trocknet selbst fettige Haut aus. Zur Pflege unreiner Haut eignen sich vor allem fettfreie, unparfümierte Hydrogele oder Fluids mit antibakteriellen und talgregulierenden Inhaltsstoffen wie Zink oder Salicylsäure (z.B. Vichy® Homme Normactiv Cg, Eucerin® DermoPurifyer Feuchtigkeitspflege). Männer mit trockener, feinporiger Haut kämpfen hingegen häufig mit Spannungen und Rötungen. Sie sollten auf alkoholhaltiges Rasierwasser verzichten und alternativ auf rückfettende Waschlotionen und beruhigende After-Shave-Balsame zurückgreifen. Zur Pflege der trockenen Haut eignen sich fetthaltigere Cremes.

Schonende Trockenrasur

Männern mit problematischer Haut ist grundsätzlich eher zur Trockenrasur mit dem Elektrorasierer zu raten. Besonders bei trockener Haut sollte auf die Nassrasur verzichtet werden, weil diese die Haut stärker austrocknet. Aufgrund mangelnder Hautfeuchtigkeit kann Rasurbrand als Irritationserscheinung auftreten. Vor der Trockenrasur hilft kaltes Wasser, um die Haut zu straffen und das Rasierergebnis zu optimieren. Alternativ können höher alkoholhaltige Lösungen, sogenannte Preshave-Produkte (z.B. Speick® Pre Shave Lotion), eingesetzt werden, um zusätzliche Reizungen zu vermeiden. Sie versteifen die Haare und entfetten die Haut. Durch Siloxane wird die Gleitfähigkeit der Rasierklinge auf der Haut verbessert [4]. Wichtig ist, auf eine regelmäßige Reinigung und ein Auswechseln der Scherköpfe beim elektrischen Rasierapparat zu achten.

Schäumende Rasierhilfen: Mittel für die Nassrasur

Produkte für die Nassrasur weichen die Haare auf und bereiten die Haut so vor, dass die Klinge gut gleiten kann. Klassischerweise können Rasierseife und Pinsel oder praktische Fertigprodukte wie Rasierschaum, Rasiercremes oder Rasiergels benutzt werden.

Übersicht Rasurprodukte [4, 5]

Vor der Rasur

  • Rasierseife (z.B. Speick® Rasierseife) ist ein Gemisch aus überfetteten Alkoholseifen (Kaliumstearat sowie geringen Mengen an Natriumstearat), zusätzlich ist Glycerin als Feuchthaltemittel enthalten.
  • Rasiercremes (z.B. Kappus® Aloe vera Rasiercreme, Phaemosan Rasiercreme, Weleda® Rasiercreme) bestehen überwiegend aus Kaliumseifen. Sie haben einen höheren Wassergehalt und schäumen stark. Rückfettende Komponenten wie Lanolin sollen eine zu starke Austrocknung der Haut verhindern.
  • Rasierschäume (z.B. Avène® Rasierschaum, Vichy® Homme Code Rasierschaum, Speick® Rasierschaum, Eucerin Men Silver Shave Rasierschaum, Lierac® Mousse à Raser) sind Gele oder Emulsionen, die mit Treibgas in einen schaumförmigen Zustand überführt werden.
  • Rasiergele (z.B. Eucerin® Men Silver Shave Rasiergel, Avène® Rasiergel) bestehen aus Carboxyvinylpolymeren oder Polyvinylpyrrolidon mit verschiedenen Zusätzen wie Palmitin- oder Stearinsäure oder Propylenglykol.

Nach der Rasur

  • Rasierbalsame (z.B. Vichy® Homme Sensi-Mineralbalsam Ca, Eucerin® Men Silver Shave Rasierbalsam) lindern Irritationen und Hautrötungen, regenerieren die Haut und mildern Rasurbrand.

Das Gesicht und der Hals werden zunächst mit warmem Wasser befeuchtet. Rasierschaum oder Rasiergel sollten nach dem Auftragen ein bis zwei Minuten einwirken, um die Stoppeln und Haare richtig erweichen zu können. Männer mit empfindlicher Haut, die zu Irritationen und Entzündungen neigt, sollten grundsätzlich mit dem Strich rasieren und generell niemals nur auf feuchter Haut ohne Schaum. Schnittwunden können sofort mit einem blutstillenden Stift (z.B. Askina®) versorgt werden. Dieser besteht aus Aluminiumsalzen, vernetzt die Eiweiße in der Haut und verschließt dadurch die Wunde. Klingenrasierer und elektrische Nassrasierer sollten nach der Rasur gründlich unter warmem Wasser abgespült werden. Einwegrasierer lassen sich entsorgen und sind bei sehr empfindlicher Haut eine hygienische Alternative.

Aftershave-Produkte

Angenehm duftende und erfrischende Aftershave-Präparate gehören zu den beliebtesten Pflegepräparaten von Männern, sie sind für jeden Hauttyp nach der Rasur gefragt. Nach der Nassrasur (alkalisch) wirken diese Produkte neutralisierend, adstringierend und desinfizierend.

Zu unterscheiden ist zwischen häufig alkoholhaltigen Rasierwässern oder alkoholfreien Aftershave-Fluids (z.B. Avène® After-Shave Fluid) für fettige Haut und Balsamen sowie Gelen für empfindliche Haut (z.B. Avène® After-Shave Balsam, Vichy® Homme After-Shave Balsam, Nuxe® Men Multifunktions-Aftershave-Balsam). Ebenfalls alkoholfrei sind Lierac® Après-Rasage hautberuhigendes Aftershave und Bioderma® Sébium H2O klärende Reinigungslösung. Einen nur geringen Alkoholanteil hat das Dermasence® Tonic, das auch als mildes Aftershave geeignet ist, oder der Lamarin® Men After Shave Balsam. Typische beruhigende, entzündungshemmende oder regenerierende Inhaltsstoffe sind Allantoin, Aloe vera, Bisabolol, Calendula, D-Panthenol, Hamamelis-Extrakt und Sucralfat.

Probleme bei der Rasur

Um Rötungen, Hautirritationen und Pickel nach dem Rasieren zu meiden, müssen Rasierklingen regelmäßig gewechselt werden. Denn je stumpfer die Klinge ist, umso mehr muss der Druck auf die Haut erhöht werden, um die Bartstoppeln gründlich abrasieren zu können. Dadurch kommt es verstärkt zu Reizungen, Entzündungen und vor allem bei unebener Aknehaut auch zu häufigen Schnittwunden. Beruhigende Rasierbalsame können nach der Rasur leicht in die Haut einmassiert werden. Sie beugen Hautirritationen wie Rasurbrand und Entzündungen vor, die durch Mikroverletzungen verursacht werden. Wachsen Haare in die Haut ein und entzünden sich die betroffenen Haarbalge schmerzhaft, kann die Rasur zu einer wahren Tortur werden. Hier helfen spezielle Pflegeprodukte (z.B. Avène® Dermo-K), die die Hautoberfläche weich machen, die Barthaare können dann die Hornschicht leichter durchdringen. 

Quelle

[1] Lautenschläger H. Herrenkosmetik – Was braucht die Männerhaut? Kosmetische Praxis 2008(5),8–10

[2] Kuwahara TI et al. Sex differences in the effects of physical training on sweat gland responses during a graded exercise. Experimental Physiology, 2010;95,1026–1032.

[3] Herrenkosmetik. Netzwerk „hautapotheke.de“ der Gesellschaft für Dermopharmazie, www.hautapotheke.de/lexikon/herrenkosmetik.html

[4] Raab W, Kindl U. Pflegekosmetik. Ein Leitfaden. 5. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2012

[5] Fink E. Kosmetik für die Kitteltasche. Wirk- und Hilfsstoffliste, Beratungsleitfaden. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2005

 

Autorin

Ines Winterhagen hat in Marburg Pharmazie studiert und ist seit der Approbation 2003 in der öffentlichen Apotheke tätig. Sie ist Fachapothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilkunde. In der Reihe „Beratungspraxis“, die im Deutschen Apotheker Verlag erscheint, schrieb sie die Bücher „Neurodermitis“ und „Psoriasis“. Sie ist Referentin und Mitglied im Weiterbildungsausschuss der LAK Baden-Württemberg.

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