Fortbildungskongress

Calcium und Vitamin D zur Osteoporose-Vorbeugung

Viel hilft nicht immer viel!

Die Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes charakterisiert ist. Da gerade bei Älteren ein Sturz mit Knochenbrüchen oft das Ende der Selbstständigkeit bedeutet, ist es umso wichtiger, einer Osteoporose aktiv zu begegnen, sagte Prof. Dr. med. Johannes Pfeilschifter vom Alfried Krupp Krankenhaus, Steele. Wobei "aktiv" bedeutet: aktive Vorbeugung, aktive Therapie und aktive körperliche Betätigung.

Prof. Dr. med. Johannes Pfeilschifter Foto: DAZ/ck

Eine regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern, sei sehr empfehlenswert, so Pfeilschifter.

Calcium: nicht zu viel!

Zur "aktiven Vorbeugung" zähle es, auf den Calcium- und Vitamin-D-Haushalt zu achten. Eine Zufuhr von 1000 mg Calcium täglich mit der Nahrung sei bei den meisten Personen ausreichend. Die Gesamtzufuhr aus Nahrungscalcium und Supplementen sollte möglichst auf ca. 1500 mg begrenzt werden! Für höhere Mengen ist bisher kein zusätzlicher Nutzen belegt und es gibt insbesondere bei Personen mit einer Niereninsuffizienz Hinweise für ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Pfeilschifter rechnete vor: 1 Glas Milch enthält 300 mg, ebenso zwei Joghurts oder eine Scheibe Käse. Werden dann noch reichlich Calcium-haltige Mineralwässer getrunken, die bis zu 500 mg Calcium/l enthalten können, sind 1000 mg schnell erreicht.

Vitamin D: nicht zu wenig!

Vitamin D ist nicht nur für die Regulierung des Calciumhaushaltes für die Knochenfestigkeit unerlässlich. Es hat auch eine direkte Wirkung auf die Muskulatur. Es aktiviert die Typ-II-Muskelfasern und verbessert die Leistungsfähigkeit der schnellen Muskulatur. Für eine Sturzprophylaxe sind gerade bei älteren Personen schnelles Reagieren, ein gutes Gleichgewicht und Muskelkraft sehr wichtig! In Studien zeigte sich, dass der Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels (Serum-25-Hydroxy-Vitamin D3 < 20 ng/ml) die Sturzrate verringerte und weniger proximale Femurfrakturen auftraten. Ein schwerer Vitamin-D-Mangel lässt sich in der Regel durch eine mindestens 30-minütige tägliche Sonnenlichtexposition von Gesicht und Armen vermeiden. Bei geringeren Expositionszeiten sollte eine medikamentöse Vitamin-D3 -Supplementierung in Erwägung gezogen werden. Dabei geht man davon aus, dass pro 1000 IE Vitamin D der 25-Hydroxy-Vitamin-D3 -Spiegel um ca. 7 ng/ml ansteigt. Erstrebenswert sei ein Spiegel an 25-Hydroxy-Vitamin D3 von 20 ng/ml, so Pfeilschifter. Möglich ist eine Supplementierung mit 800 bis 2000 Einheiten Vitamin D3 täglich oder einer äquivalenten Dosis mehrwöchentlich (z. B. 20.000 IE dreiwöchentlich). Im letzteren Fall sind bei ungenauer Einnahme jedoch Überdosierung und toxische Effekte möglich. Alle genannten Maßnahmen entfalten ihre Wirkung auf den Knochenstoffwechsel bzw. die Sturzrate innerhalb von wenigen Monaten. Sie sind daher auch bzw. gerade im hohen Lebensalter effektiv!

Aktive Therapie

Zur Osteoporosetherapie stehen als Antiresorptiva Bisphosphonate und selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren (SERM) sowie Anabolika (Parathormonfragmente) zur Verfügung. Sie sind therapeutisch äußerst erfolgreich: 70% weniger Wirbelkörperbrüche, 40% weniger Schenkelhalsbrüche, eine um 30% gesenkte Sterblichkeit und mehr Lebensqualität können erreicht werden, wenn ausreichend aggressiv therapiert wird! Die Auswahl der Wirkstoffe sollte nach Indikation und Nebenwirkungen erfolgen. So sind intravenös applizierte Bisphosphonate magenfreundlicher. Leider werden von den Ärzten häufig orale Bisphosphonate verschrieben, sie gelten als "KV-Standard". Es darf nicht vergessen werden, dass Antiresorptiva "nur" den Knochenumbau hemmen und die Belastbarkeit beim strukturgeschwächten Knochen erhöhen. Sie wirken nicht vorbeugend, können eine Osteoporose nicht heilen. Werden die Präparate abgesetzt, so ist schnell wieder der alte Zustand erreicht. Und Bisphosphonate haben auch unerwünschte Wirkungen wie gastrointestinale Störungen, nephrotoxische Komplikationen, atypische Frakturen und Osteonekrosen der Kieferknochen. Letzteres werde zwar häufig in den Medien thematisiert, Pfeilschifter riet aber zu einer genauen Risiko-Nutzen-Abwägung, die meistens zugunsten der Bisphosphonate ausfällt. Vor allem in niedrigeren Dosierungen sieht Pfeilschifter die Kausalität als nicht belegt an und rät zum Weiterführen der Medikation.


ck



DAZ 2012, Nr. 7, S. 80

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