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"Unser Kernbereich sind die Innovationen"

SAALDORF-SURHEIM (diz). Apotheker Andreas Mohringer setzte 1975 eine Idee um: Arzneimittel im europäischen Ausland günstig einzukaufen und sie nach Deutschland zu importieren. Die Idee trägt bis heute: Seit über 30 Jahren bezieht das Unternehmen EurimPharm Arzneimittel günstig aus den EU-Mitgliedstaaten und vertreibt sie im vergleichsweise teuren Deutschland. Von den teilweise erheblichen Preisunterschieden profitieren Krankenkassen und Patienten. Trotz billiger Generika und Rabattverträgen sieht Mohringer nicht das Ende dieser Geschäftsidee. Mit einem im Juni 2010 bezogenen High-Tech-Neubau für sein Unternehmen unterstreicht er, dass das Importgeschäft mit Arzneimitteln auch weiterhin ein wichtiger Baustein für Einsparungen bei den Arzneimittelkosten sein wird.
Fotos: EurimPharm
Der neue Firmensitz Seit Juni 2010 arbeitet EurimPharm in neuen Gebäuden in Saaldorf-Surheim.

Das Preisniveau von Arzneimitteln variiert innerhalb der Europäischen Union. Darauf basiert das Geschäftsmodell von EurimPharm. Entwickelt und eingeführt wurde die Idee für den Re- und Parallelimport von Apotheker Andreas Mohringer, Gründer und Inhaber von EurimPharm. 1975 legte er mit dieser Idee nicht nur den Grundstein für sein Unternehmen, sondern setzte auch die Forderung nach einem grenzenlosen Europa im Pharmabereich um. Ein neues Marktsegment im Gesundheitswesen war geboren.


EurimPharm bezieht seine Arzneimittel aus nahezu allen 25 EU-Mitgliedstaaten. Zu unterscheiden sind zwei Arten des Imports:

  • Unter Re-Importen versteht man Arzneimittel, die in Deutschland von multinationalen Pharmakonzernen hergestellt, in die jeweiligen EU-Mitgliedsländer exportiert und als Re-Importe wieder eingeführt werden.

  • Bei Arzneimitteln aus ausländischer Produktion, die innerhalb der EU sowie in Deutschland vertrieben werden, spricht man von Parallelimporten.

EurimPharm beliefert den gesamten deutschen Pharmagroßhandel und damit fast alle der ca. 21.500 Apotheken im gesamten Bundesgebiet. Das Sortiment von EurimPharm besteht aktuell aus mehr als 700 überwiegend rezeptpflichtigen Präparaten in etwa 1800 Handelsformen. Das Unternehmen deckt alle wichtigen Indikationsgebiete ab. Dazu zählen beispielsweise Kontrazeptiva, Insuline, Impfstoffe, HIV-Präparate, Krebstherapeutika, Antiallergika und Antibiotika. Zusätzlich und teilweise aus eigener Produktion bietet EurimPharm spezielle Medizinprodukte wie Intrauterinpessare an.

Der EurimPark – der neue Firmensitz


Die Entscheidung für den Neubau auf der "grünen Wiese" in Saaldorf-Surheim fiel 2008. Da sich das Unternehmen auf Wachstumskurs befand, wurden die Gebäude in Piding zu eng. Der "EurimPark" in Saaldorf-Surheim ist seit Juni 2010 der neue Firmensitz von EurimPharm und den derzeit rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auf 20.000 qm bebauter Grundstücksfläche liegen die zwei- bzw. dreigeschossigen Gebäude. Das Verwaltungsgebäude des Unternehmens verfügt über ca. 3000 qm Bürofläche (40 Büros, 5 Besprechungsräume, IT-Rechenzentrum). Das Produktionsgebäude von EurimPharm bietet eine Nettogrundfläche von ca. 13.000 qm. Zur umweltfreundlichen Energieversorgung für Heizung und Kühlung dient eine moderne Hackschnitzelanlage mit einer Gesamtleistung von 600 KW. EurimPharm bezieht diesen nachwachsenden Brennstoff aus regionalem Bestand. Insgesamt investierte EurimPharm etwa 20 Mio. Euro in den neuen Unternehmensstandort.


Hygiene und High-Tech Das neue Produk tions gebäude von EurimPharm ist nach strengen hygienischen Vorgaben aufgebaut.

Arzneimittelsicherheit ist oberstes Gebot

Die von EurimPharm vertriebenen Arzneimittel sind Originale, sie stammen von denselben in- und ausländischen Herstellern wie jene Präparate, die direkt in deutsche Apotheken geliefert werden. Qualitätsunterschiede sind daher ausgeschlossen. Da sich EurimPharm als Hersteller von Arzneimitteln versteht – und vom Gesetzgeber auch so behandelt wird – sorgen strenge Auflagen für eine optimale Qualitätssicherung. Zu diesen Auflagen zählen u. a. die lückenlose Einhaltung der Kühlung bei temperatursensibler Ware, aber auch Identitätsprüfungen beim Wareneingang sowie umfassende Inprozess- und Endkontrollen im Produktionsbereich. EurimPharm ist zudem nach DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert.

Re- und Parallelimporte sind in der Regel nur aufgrund der teilweise unterschiedlichen Verpackungen erkennbar. Länderspezifische Bestimmungen zur Kennzeichnung von Arzneimitteln und andere Arten der Packungsgestaltung führen in der Regel dazu, dass Arzneimittelverpackungen von Land zu Land unterschiedlich aussehen. Unter Berücksichtigung von Marken- und Patentrechten sowie der gesetzlichen Arzneimittelbestimmungen passt EurimPharm diese Produkte durch neue Etiketten oder neue Umverpackungen den deutschen gesetzlichen Vorgaben an. Zudem legt EurimPharm eine neue deutsche Packungsbeilage bei, die gemäß den deutschen Bestimmungen über die Inhaltsstoffe, Anwendung und Risiken des Medikaments informiert. Zu den besonderen Qualitätsmerkmalen zählt beispielsweise die Möglichkeit, Arzneimittel dank einer speziellen EurimPharm-Kennziffer chargengenau zurückverfolgen zu können.


Grosses Sortiment Rund 700 Präparate in ca. 1800 Handelsformen (re-)importiert das Unternehmen.

Krankenkassen befürworten Re-Importe

Für zahlreiche der am deutschen Markt verkauften Arzneimittel werden heute reimportierte Arzneimittel oder Parallelimporte angeboten. Diese sind bis zu 30% günstiger als die identischen, aber in Deutschland vom deutschen Anbieter vertriebenen Präparate. Wie EurimPharm hervorhebt, ist das System besonders wirksam bei patentgeschützten Medikamenten: Hier sind günstige Importarzneimittel die einzige Möglichkeit, Wettbewerb herzustellen. Nach Auffassung von EurimPharm gehört das Import-Prinzip deshalb gerade bei diesen Arzneimitteln zu den wirksamsten Instrumenten für eine nachhaltige Kostendämpfung im Gesundheitswesen.

Gesetzgeber und Krankenkassen haben das Einsparpotenzial erkannt und forderten und förderten den Absatz von Importarzneimitteln. Wichtigste vertragliche Grundlage hierfür ist der zwischen den Spitzenverbänden der Gesetzlichen Krankenkassen und dem Deutschen Apothekerverband abgeschlossene Rahmenvertrag. Laut aktuellem Rahmenvertrag sind Apotheker dazu verpflichtet, mindestens fünf Prozent ihrer GKV-Umsätze mit Importarzneimitteln zu erzielen ("Importquote"). Dabei muss in der Summe der abgegebenen Importarzneimittel eine Einsparung von mindestens zehn Prozent im Vergleich zu den jeweiligen "deutschen" Präparaten erreicht werden. Zur Anrechnung auf die Quote werden nur Importpräparate herangezogen, die den gesetzlichen Mindestpreisabstand von 15 Prozent oder 15 Euro pro Packung einhalten. Die jährlichen Einsparungen für das deutsche Gesundheitswesen liegen derzeit bei ca. 300 Mio. Euro jährlich. Sie kommen allen Patienten direkt oder indirekt über niedrigere Arzneimittelausgaben der Krankenkassen zugute. Darüber hinaus fordern Krankenkassen ihre Versicherten immer wieder auf, in der Apotheke aktiv nach Re- und Parallelimporten zu fragen.


Andreas Mohringer "Wir hängen vom Schicksal der innovativen Industrie ab."

Interview mit Andreas Mohringer


DAZ: Herr Mohringer, das Importgeschäft dürfte heute nicht ganz so einfach laufen wie früher. Es gibt Skeptiker, die fragen: Wozu benötigen wir angesichts von Generika und Rabattverträgen heute noch Importe?

Mohringer: Der Generikabereich spielt bei uns nicht die große Rolle, obwohl es auch in Europa im Generikamarkt durchaus nennenswerte Preisunterschiede gibt. Der Kernbereich der Importe sind ganz klar die noch unter Patentschutz stehenden innovativen, in der Regel teuren Arzneimittel. Vor diesem Hintergrund wird man auf Importe nicht verzichten können. Allerdings muss man als Importeur sehr genau hinsehen, wo die Preise günstiger sind als bei uns. Denn die Preispolitik der Hersteller lässt sich nicht nach einem Nord-Südgefälle einteilen, nach dem Motto, je südlicher das Land desto günstiger. Viagra beispielsweise ist auf dem spanischen Markt, der ansonsten für viele Präparate niedrigpreisig ist, am teuersten.


DAZ: Die Pharmaindustrie könnte das Importgeschäft einfach dadurch beenden, indem sie die Preise senkt …

Mohringer: Ja, durchaus, aber die Industrie weiß genau, dass Parallelimporte zwar störend sind und auch Gewinne wegnehmen, aber unterm Strich kann man mit Parallelimporten immer noch besser leben als mit einem Einheitspreis, der sich an den zahlungsschwachen Ländern orientieren müsste. Dem Hersteller geht bei den Importen zudem nicht der Absatz verloren, sondern lediglich die Margendifferenz zwischen dem Import- und dem Exportland.


DAZ: Also, halten wir fest: Der Umsatzbringer für Sie als Importeur sind die innovativen, hochpreisigen Arzneimittel …

Mohringer: Ja, und daher hängen wir auch vom Schicksal der innovativen Industrie ab: Wenn hier keine Innovationen mehr auf den Markt kommen, sieht das Geschäft auch für uns schlecht aus. Vor diesem Hintergrund werden auch die Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Arzneimittel und die ausgehandelten Preise für uns spannend.


DAZ: Wie hat Sie das AMNOG getroffen?

Mohringer: Es hat uns hart getroffen, denn auch wir zahlen den 16-prozentigen Herstellerrabatt sowie die Preismoratoriumsrabatte im Vergleich zum Preisstand 1. August 2009. Und ab 2013, wenn diese Rabatte ausgelaufen sind, sind wohl nächste Daumenschrauben zu befürchten. Unser Problem ist, ähnlich wie für die inhabergeführte Apotheke: es fehlt die Planungssicherheit, sie ist heute immer weniger gegeben.


DAZ: Und trotzdem haben Sie es gewagt, einen neuen Standort aufzubauen, ein neues Gebäude zu errichten …

Mohringer: Wir hatten uns 2008 die Entscheidung nicht leicht gemacht und lange überlegt, ob wir diesen Schritt wagen sollten. Unsere Entscheidung wurde auch von vielen als sehr mutig angesehen. Im Nachhinein war es der richtige Schritt.


DAZ: Wo sehen Sie für die Zukunft die größten Herausforderungen und Schwierigkeiten für Sie als Importeur?

Mohringer: An erster Stelle sehe ich die Unwägbarkeiten der Politik, die uns im hochregulierten Bereich des Arzneimittelmarkts zu schaffen machen könnten. Neuregelungen sollten planbar sein und nicht wettbewerbszerstörend – im nationalen Bereich, aber auch auf der EU-Ebene. An zweiter Stelle sehe ich unverändert Schwierigkeiten im "Zusammenleben" mit der Pharmaindustrie, die mit markenrechtlichen Verfahren immer wieder versucht, uns zu behindern. Im Klartext: möglichst wenige neue und rein deutschsprachige Verpackungen, obwohl diese von Apothekerschaft wie Patienten gewünscht werden. Hinzu kommen spezifizierte Distributionswege der Industrie wie beispielsweise die verstärkten Direktbelieferungen von Apotheken oder im Ausland die Lieferung nur an bestimmte Großhändler sowie die steigende Tendenz, die Ware zu kontingentieren. Letztlich sind auch die Apotheken davon betroffen: die Bezugsmöglichkeiten werden immer stärker eingeschränkt und damit auch der Wettbewerb. Mittlerweile gibt es Staaten, die bereits Exportkontrollen eingeführt haben.


DAZ: Herr Mohringer, vielen Dank für das Gespräch.


EurimPharm – die Fakten


  • Gründung 1975, erster Arzneimittelimporteur in Deutschland

  • Geschäftsleitung: Apotheker Andreas Mohringer und Dr. Friederike Hrubesch-Mohringer

  • Mitarbeiter(innen): ca. 500

  • Umsatz 2010: 40 Mio. Euro

  • Standort: seit Juni 2010 neuer Firmensitz in Saaldorf-Surheim

  • Kunden: Apotheken sowie sämtliche Pharma-Großhändler im gesamten Bundesgebiet

  • Auszeichnungen: 2009 zum zweiten Mal unter "Bayern‘s Best 50" gewählt als eines der innovativsten und wachstumsstärksten Unternehmen des Freistaates; mehrfach ausgezeichnet als herausragender Apothekenpartner

  • Qualitätsmanagement: DIN EN ISO 9001:2008

  • Sortiment: ca. 700 Präparate in ca. 1800 Handelsformen

  • Arzneimittelsicherheit: Markenprodukte internationaler Pharmakonzerne, zusätzliche organoleptische Prüfungen, Identitätskontrollen beim Wareneingang sowie umfassende Inprozess- und Endkontrollen

  • Verpackung: Deutschsprachige Kennzeichnung der importierten Arzneimittel gemäß den deutschen Arzneimittelbestimmungen; spezielle EurimPharm-Kennziffer zur chargengenauen Rückverfolgung


Humanitäres und soziales Engagement

  • Regelmäßige Spenden an verschiedene gemeinnützige Organisationen und Hilfsprojekte auf nationaler wie internationaler Ebene

  • u. a. wirtschaftliche Unterstützung von Schulen, Unterstützung gemeindlichen Kinder- und Jugendbüros und anderen Einrichtungen zugunsten sozial benachteiligter Minderjähriger

  • Förderung von internationalen Hilfsprojekten u. a. in Weißrussland, Kenia, Kuba und Haiti mit Arzneimittel- und Sachspenden



DAZ 2011, Nr. 46, S. 44

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