Arzneimittel und Therapie

Bluthochdruck wirkungsvoll senken

Ein erhöhter Blutdruck erhöht das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Schlaganfall und Herzinfarkt. Als hyperton und damit behandlungsbedürftig gelten heute Blutdruckwerte von über 140/90 mmHg, die mehrfach in Ruhe gemessen wurden. Heute stehen eine Vielzahl von Wirkstoffen und Therapieprinzipien zur Verfügung. Die meisten Patienten benötigen für eine effektive Blutdruckkontrolle eine individuell abgestimmte, komplexe Kombinationstherapie.

Das Herz arbeitet in zwei Phasen, der Kontraktionsphase (Auswurfphase, Systole) und der Erschlaffungsphase (Füllungs- oder Ruhephase, Diastole). Ein Maß für Gefäßschäden ist die Pulsamplitude, die als "Pulse pressure" bezeichnet wird und den Unterschied zwischen systolischem und diastolischem Blutdruck bezeichnet. Die Höhe der Pulsamplitude wird im Wesentlichen durch die Elastizität der Gefäße, das vom Herzen ausgeworfene Volumen und die Dauer der Diastole bestimmt. Da mit zunehmender Arteriosklerose die Elastizität abnimmt, steigt im höheren Lebensalter vor allem der systolische Druck, ein isolierter systolischer Blutdruck ist ein Zeichen für ein altes krankes Gefäß.

Während der systolische Blutdruckwert im Laufe des Lebens ansteigt, erreicht der diastolische Wert zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr sein Maximum und fällt danach wieder. Die Folge: Die Pulsamplitude steigt. Ein erhöhter Wert dieser dritten Blutdruckgröße wird heute als Risikofaktor und Marker für kardiovaskuläre Komplikationen angesehen.

Erhöhten Blutdruck senken

Ein erhöhter Blutdruck schädigt die Gefäße und führt zu zahlreichen Folgeschäden am Gehirn, dem Herz und den Nieren. Daher sollte er bei fast jedem Menschen gesenkt werden. Wie stark auch ältere Menschen von einer Blutdrucksenkung profitieren, zeigte die HYVET-Studie mit rund 3800 Menschen über 80 Jahren. Eine moderate Blutdrucksenkung um 15/6 mmHg bei Ausgangswerten von durchschnittlich 173/91 mmHg verminderte die Gesamtsterblichkeit um 28%, tödliche Schlaganfälle gingen um 45% zurück, stationäre Einweisungen wegen Herzinsuffizienz sogar um 72%. Insgesamt ging die Rate kardiovaskulärer Ereignisse um 37% zurück.

Welcher Zielblutdruck angestrebt werden sollte, richtet sich nach der Risikosituation des Patienten, unter anderem nach seinem Alter und nach seinen weiteren Erkrankungen. Bei älteren Menschen werden heute Zielwerte von 140/90 mmHg angestrebt. Unklar ist noch, ob eine darüber hinausgehende Senkung weitere Vorteile hat. Möglicherweise wird dann die Durchblutung von Herz und Gehirn gestört.

Betablocker nicht bei Asthmatikern

Betablocker besetzen Betarezeptoren in den Atemwegen und können so bei entsprechend empfindlichen Personen einen Asthma-bronchiale-Anfall auslösen. Außerdem können sie die bronchienerweiternde Wirkung von Beta-Sympathomimetika verringern. Daher ist bei schwerem Asthma bronchiale der Einsatz von Betablockern kontraindiziert, bei anderen Asthmatikern sollten Betablocker – vor allem nicht-selektive Betablocker – nur mit Vorsicht angewendet werden. Auch Betablocker in Augentropfen sind kritisch zu beurteilen, denn aus dieser Darreichungsform werden sie zu rund 80% resorbiert.

Daher sollten Betablocker in erster Linie bei einem stark erhöhten kardialen Risiko eingesetzt werden, zum Beispiel bei einer Herzinsuffizienz und einer koronaren Herzkrankheit, vor allem nach einem Herzinfarkt. Voraussetzung für den Einsatz ist, dass das Asthma bei Therapiebeginn optimal behandelt ist. Bei einer chronisch obstruktiven Bronchitis, einer COPD, ist das Risiko für einen Bronchospasmus klein, und hier sind Betablocker wichtige Mittel, vor allem bei koronarer Herzkrankheit oder einer Herzinsuffizienz.

Medikamentöse Therapie

Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Blutdrucksenkung sind ein Rauchstopp, die Einschränkung des Alkoholkonsums, Gewichtsreduktion, eine Steigerung der körperlichen Aktivität und eine Einschränkung der Kochsalzzufuhr.

Darüber hinaus können Antihypertonika das Leben verlängern und die Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschäden langfristig vermindern.

Antihypertonika der ersten Wahl sind ACE-Hemmer, Betablocker, Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten, Diuretika und Calciumkanalblocker.

Bei der Auswahl einer geeigneten Substanz sollten Vorerkrankungen des Hypertonikers berücksichtigt werden. ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Antagonisten sind bei chronischen Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, Herzinsuffizienz und nach einem Herzinfarkt zu bevorzugen. Betablocker sind besonders gut für Patienten mit Angina pectoris und mit einem frischen Herzinfarkt sowie Stauungsherzinsuffizienz geeignet.

Oft reicht eine Monotherapie nicht aus, und viele Patienten werden am besten mit einer medikamentösen Kombinationstherapie eingestellt.

Ein Problem der Blutdrucksenker sind ihre Nebenwirkungen. Während viele Patienten mit Bluthochdruck sich subjektiv gesund fühlen, werden die Nebenwirkungen der Blutdrucksenkung deutlich spürbar, unter anderem als Müdigkeit, orthostatische Beschwerden, Kopfschmerzen und erektile Dysfunktion.

Wechselwirkungen: Vorsicht bei Schmerzmitteln

Zahlreiche Arzneimittel können den Blutdruck erhöhen. Dazu gehören Mineralo- und Glucocorticoide, Kontrazeptiva, die Immunsuppressiva Ciclosporin und Tacrolimus, Antidepressiva und Sympathomimetika, wie sie als Appetitzügler und Bestandteile von sogenannten "Grippemitteln" verwendet werden. Auch viele nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) können über Wirkungen in den Nieren den Blutdruck erhöhen. Daher sollten Hypertoniker diese Stoffe nur kurzzeitig anwenden. So können die meisten rezeptfreien Schmerzmittel bei regelmäßiger oder hochdosierter Einnahme die Blutdruckwerte um 3 bis 4 mmHg steigern. Relevant ist diese Wechselwirkung unter anderem bei den Wirkstoffen Ibuprofen oder Naproxen. Bei länger dauernder Anwendung sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden. Momentan gibt es keine Daten darüber, welche NSAR zu bevorzugen sind.

Quelle Nach Vorträgen von Prof. Dr. Jürgen Scholze, Berlin; Dr. Eric Martin, Marktheidenfeld; Dr. Nina Griese, Berlin, Pharmacon Davos, 7. bis 12. Februar 2010.

 

hel

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