Ernährung aktuell

Bei Neurodermitis gut ernährt

Neurodermitis, auch bekannt als atopische Dermatitis, betrifft in westlichen Industrieländern etwa jedes zehnte Kind. Als chronische Hauterkrankung wird sie häufig in einem engen Zusammenhang mit der Ernährung gesehen und mit dem Begriff Lebensmittelallergie in Verbindung gebracht. Ein genereller Zusammenhang lässt sich allerdings nicht ziehen. Jedoch kann individuell durchaus eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs über die Ernährung erzielt werden, wie der folgende Artikel zeigt.

Neurodermitis ist eine chronisch rezidivierende entzündliche Hauterkrankung, die mit einem starken Juckreiz verbunden ist [1]. Zusammen mit der allergischen Rhinitis und dem allergischen Asthma bildet die Neurodermitis die Erkrankungen des atopischen Formenkreises (siehe Kasten "Definition Atopie"). Diese Krankheiten haben in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Bei Kindern im Vorschulalter wird die Prävalenz der Neurodermitis derzeit auf zwölf Prozent geschätzt. Die Prävalenz bei Erwachsenen liegt bei drei Prozent [2]. Ob Jungen oder Mädchen häufiger betroffen sind, geht bislang nicht eindeutig aus der Literatur hervor [1].


Definition Atopie


Als Atopie wird eine genetische Disposition zur Entwicklung einer Überempfindlichkeitsreaktion der Haut und Schleimhäute mit dem vermehrten Auftreten von Ekzemen, Asthma bronchiale und allergischer Rhinopathie bezeichnet. Bei vorhandenen Erbanlagen bedarf es für die Manifestation einer atopischen Dermatitis bestimmter Provokationsfaktoren (Allergene, Infekte, emotionale Belastungen etc.)

Quelle: [3]

Erkrankungsbeginn meist früh

Eine Neurodermitis kann in jedem Alter auftreten, allerdings beginnt die Erkrankung vorwiegend im Säuglings- und Kleinkindalter. So erkranken 60 Prozent der Patienten im ersten Lebensjahr; bis zum fünften Lebensjahr sind es bereits 85 Prozent. Typischerweise beginnt die Erkrankung um den dritten Lebensmonat, aber bereits in den ersten Lebenswochen können sich Hautveränderungen entwickeln. Langzeituntersuchungen haben gezeigt, dass sich bei rund 40 Prozent der Patienten die Symptome bis zum Erwachsenenalter zurückbilden, bei allen anderen Patienten besteht die Neurodermitis in unterschiedlichen Schweregraden fort. Bei nahezu einem Drittel aller Kinder muss mit einem kontinuierlichen, seit dem Kleinkindalter persistierenden Verlauf gerechnet werden [1].

Kennzeichen schuppende, rote Haut und Juckreiz

Gekennzeichnet ist die Neurodermitis durch unscharf begrenzte Erytheme mit Schuppung, Papulovesikeln, nässenden, teils verkrusteten Arealen sowie häufig punkt- und strichförmigen Exkoriationen. Ist der Verlauf chronisch, findet sich zudem eine deutliche Lichenifikation, insbesondere im Bereich der Beugen. Oft besteht ein quälender Juckreiz. In Abhängigkeit des Alters finden sich bevorzugte Lokalisationen und Ekzemmorphen. So fallen im Säuglingsalter vorwiegend nichtinfiltrierte Erytheme auf, die häufig exsudative Veränderungen aufweisen. Im Kleinkind- und Vorschulalter entwickeln sich dann eher beugenbetonte Ekzemherde. Diese treten vor allem im Bereich der Kniekehlen, Ellenbeugen, am Hals jedoch auch am Nacken, im Gesicht, vor allem an den Lidern sowie am Fußrücken und den Händen auf. Bei Erwachsenen sind vor allem die großen Gelenkbeugen, Gesicht und Hals befallen; oft besteht eine ausgeprägte Sebostase [1].

Komplexerkrankung auf polygenetischer Basis

Das Wissen über die Pathogenese der Erkrankung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Neurodermitis kann als Komplexerkrankung auf polygenetischer Basis beschrieben werden. Bedeutsame Faktoren sind barrierezentrierte, immunologische und hormonelle Auffälligkeiten, die im Kasten "Pathophysiologie" dargestellt sind [1].

Diagnose erfolgt klinisch

Die Diagnose wird klinisch gestellt, ein für die Erkrankung spezifischer Laborparameter existiert nicht. Klassische Verläufe bereiten keine Schwierigkeiten bei der Diagnose, untypische Verläufe erfordern jedoch ein differenzialdiagnostisches Vorgehen (Tab. 1) [1].


Tab. 1: Differenzialdiagnose des atopischen Ekzems und Abgrenzungsmöglichkeiten

Diagnose
Abgrenzung zum atopischen Ekzem
Seborrhoisches Ekzem
im Säuglingsalter
Beginn bereits in den ersten Lebenswochen;
kein Juckreiz; Befall der Windelregion, die beim atopischen Ekzem meist ausgespart bleibt
Tinea pedis
Schuppung in der Regel einseitig; positiver Pilznachweis
Tinea corporis
Schuppung randbetont; Pilznachweis positiv
Ekzematisiert Skabies
In der Regel auch Befall des Genitalbereichs; Juckreiz auch bei weiteren Kontaktpersonen;
relativ akuter Beginn
Quelle: 1

Therapie: Basispflege plus Entzündungshemmung

Etwa 90 Prozent aller Erkrankungsfälle lassen sich leicht einordnen und sind durch eine konsequente Basistherapie in Kombination mit einer bedarfsweisen antiinflammatorischen Therapie sowie Besprechung und Meidung von Provokationsfaktoren zu behandeln (Tab. 2). Durch eine konsequente Basistherapie können das klinische Bild und die subjektiven Parameter wie Juckreiz und Schlafverlust signifikant verbessert werden. Im Vordergrund steht hierbei die Bekämpfung der Barrieredysfunktion. Bei einer gestörten Hautbarriere, die auch in unbefallener Haut vorliegt, ist das Eindringen von Allergenen erleichtert. Die Basistherapie wird auch dann durchgeführt, wenn die Ekzeme bereits abgeheilt sind und ist daher auch von präventiver Bedeutung. Besonders geeignet sind W/O-Emulsionssysteme, die lokalisationsabhängige, jahreszeitabhängige und allergische Faktoren berücksichtigen.


Tab. 2: Provokationsfaktoren der Neurodermitis

irritativ
psychisch
mikrobiell
(pseudo-)
allergisch
UV-Licht
andere
Waschgewohnheiten
Wasserhärte
Kleidung
Nahrungsmittel
Schweiß
Stress positiv/negativ
Staphylococcus aureus
Malasseziaspezies
Aeroallergene (Hausstaubmilben, Baum- und Gräserpollen)
photosensitiv
klimatisch
hormonell
Infekte
Quelle: 1

Bedeutung von Lebensmittelunverträglichkeiten

Eine Vielzahl an Faktoren können eine Neurodermitis auslösen oder unterhalten, wobei der Großteil von irritativer Natur ist und für alle Erkrankten gilt (Tab. 2). Allergische Provokationen durch Nahrungsmittel und Zusatzstoffe gelten dagegen als individuelle Einflussfaktoren [1]. Insgesamt spielt die Ernährung bei den derzeit angewandten Präventionsstrategien eine wichtige Rolle. Allerdings konnte nicht bestätigt werden, dass ein frühzeitig angesetztes strenges Ernährungsregime die Ausbildung von atopischen Erkrankungen verhindern kann. Daneben kann die Ernährung auch auf den Zustand einer bereits existenten Neurodermitis Einfluss nehmen, doch ihr Stellenwert wird oft von Patienten überschätzt. So führen einige Patienten selbst auferlegte und teilweise sehr strenge Auslassdiäten durch, deren wissenschaftliche Grundlage nicht gesichert ist. Solche Diätvorschriften werden vielmehr aus den Medien oder von Freunden bezogen. Problematisch ist zudem, dass gerade Patienten mit selbst auferlegten Diätregimen bei einer Symptomverschlechterung dazu neigen, ihre Lebensmittelauswahl weiter einzuschränken; die Wirksamkeit der Diät wird in der Regel nicht infrage gestellt. Damit besteht die Gefahr, dass sich durch ungesicherte und unkontrollierte Diätformen Fehl- oder gar Mangelernährungssituationen einstellen können. Generell führen diese diätetischen Einschränkungen zu einer verminderten Lebensqualität und steigern den Leidensdruck der Betroffenen [2].

Andererseits können jedoch bei vorliegender Veranlagung einige Lebensmittel tatsächlich als Trigger wirken. Werden diese Lebensmittel eliminiert, so kann bei einem Teil der Patienten der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Dafür wurden verschiedene Kostformen vorgeschlagen, die Lebensmittel wie Milch und Milchprodukte, Eier, Schweinefleisch, Fisch, Geflügel, Nüsse und Lebensmittelfarbstoffe nicht enthalten. Es wird geschätzt, dass etwa 60 Prozent aller Fälle von Neurodermitis im Kindesalter durch eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Lebensmitteln ausgelöst und unterhalten werden. In Langzeitbeobachtungen konnte gezeigt werden, dass diese Überempfindlichkeiten mit zunehmendem Lebensalter spontan verschwinden können. In der Regel bleiben am längsten Reaktionen auf Ei, Milch, Soja, Weizen und Erdnüsse bestehen: Diese Überempfindlichkeiten beruhen einerseits auf IgE-vermittelten Allergien und andererseits auf pseudoallergischen Reaktionen. Als Auslöser für letztere Reaktionen wurden auch Lebensmittelfarbstoffe, Konservierungsstoffe und natürlich in Lebensmitteln vorkommende Inhaltsstoffe identifiziert [3]. Zusammenhänge zwischen der Aufnahme von Zusatzstoffen und der Verschlechterung des Hautzustandes bei Neurodermitis sind sowohl für das Kindes- als auch Erwachsenenalter bekannt. Es gibt jedoch auch Studien, die die Bedenklichkeit der Zusatzstoffe infrage stellen. Die Häufigkeit von Reaktionen auf Zusatzstoffe wird mit ein bis zwei Prozent als sehr niedrig eingeschätzt [2]. Im Rahmen von klinischen Studien konnten mit pseudoallergenfreien Diäten positive Effekte bei Kindern mit Neurodermitis erzielt werden. Es gibt wenige Fälle, bei denen diese therapeutischen Maßnahmen fehlschlagen.

Mithilfe einer chemisch definierten Formeldiät kann mit letzter Sicherheit eine Überempfindlichkeit gegenüber Lebensmitteln oder deren Inhaltsstoffe ausgeschlossen werden. Basierend auf den bisherigen Erfahrungen, muss mit einer Formeldiät etwa drei bis vier Wochen ausschließlich ernährt werden. Auch muss die orale Aufnahme möglicher Substanzen, etwa in Zahnpasta oder Medikamenten, die die Erkrankung begünstigen, eliminiert werden. Bei Anwendung einer Formeldiät muss beachtet werden, dass Kinder unter fünf Jahren oft auf chemisch-definierte Formeldiäten mit osmotischer Diarrhö reagieren. Dem kann durch Verdünnung mit Wasser entgegengewirkt werden. Gehen die Hauterscheinungen unter ausschließlicher Ernährung mit Formeldiät zurück, beginnt der Kostaufbau. Im Abstand von vier bis sechs Tagen wird jeweils ein Lebensmittel eingeführt. Parallel dazu wird der Hautbefund kontrolliert. Somit lassen sich Lebensmittel erkennen, die eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen [3].

Neben den beschriebenen Lebensmittelallergien spielen mit steigendem Lebensalter auch pollenassozierte Lebensmittelallergien eine Rolle. Häufig treten Kreuzreaktionen zwischen Birkenpollen und Kern- und Steinobstgewächsen sowie Nüssen, Sellerie, Karotten, Gewürzen bzw. zwischen Beifußpollen und Sellerie, Karotten sowie Gewürzen auf. Des Weiteren können Getreidepollenallergiker auf Getreidemehle, Leguminosen, besonders Erdnuss und Soja, aber auch Kürbis- und Nachtschattengewächse reagieren. Bei Neurodermitis-Patienten sind Reaktionen auf pollenassoziierte Lebensmittel bekannt, selbst wenn diese keine Heuschnupfensymptome vorweisen [2].

Bedeutung von Probiotika in Prävention und Therapie

Weitere Therapieansätze basieren auf neueren Erkenntnissen über den Einfluss von probiotischen Lactobazillen auf die Funktion der Darmmukosa. Für den Übertritt allergenpotenter Nahrungsbestandteile sind das Spektrum der Intestinalflora und somit die Funktion der Mukosafunktion maßgeblich. Dies gilt auch für die Optimierung der Funktion des intestinalen Immunsystems und die orale Immuntoleranz gegenüber allergenpotenten Substanzen. Darauf basierend wurden klinische Studien durchgeführt, die bestätigen, dass probiotische Mikroorganismen, wie sie in probiotischen Lebensmitteln enthalten sind, derart auf die Mukosafunktion einwirken, dass hiermit der Neurodermitis vorgebeugt bzw. ihr klinischer Verlauf positiv beeinflusst werden kann [3].

So wurde in einer placebokontrollierten randomisierten Studie der Einfluss von Lactobacillus GG, einem physiologischen Darmbewohner, bei Neugeborenen mit einer genetischen Prädisposition zu atopischen Erkrankungen geprüft. Waren Vater, Mutter oder Geschwister bereits an Neurodermitis, allergischer Rhinitis oder Asthma erkrankt, so nahm die Mutter zwei bis vier Wochen vor der Entbindung ein Placebo oder eine Kapsel mit Lactobacillus GG (1010 CFU) ein. Nach der Geburt erhielten die Kinder bis zu sechs Monate lang entweder Placebo oder ebenfalls Lactobacillus GG. Nach Abschluss des zweiten Lebensjahres ergab eine Untersuchung, dass in der Verumgruppe die Zahl der an Neurodermitis erkrankten Kinder 50 Prozent geringer war: während es in der Placebogruppe 46 Prozent waren, erkrankten unter Gabe des Probiotikums nur 23 Prozent [4].

Neben dem beschriebenen vorbeugenden Effekt können probiotische Lactobazillen auch den Verlauf beeinflussen: Wurde einer hypoallergenen Diät Lactobacillus GG zugesetzt, waren die Auswirkungen der Diät auf die Symptomatik signifikant ausgeprägter. Ebenfalls sanken die Konzentrationen an α1-Antitrypsin und an TNFα signifikant im Stuhl [5]. Diese Befunde stützen zudem die Annahme, dass lebende Milchsäurebakterien in fermentiertem Gemüse von Bedeutung sind [3].


Bedeutsame Faktoren in der Pathophysiologie des atopischen Ekzems sind


  • Barrierestörung (veränderte Lipidzusammensetzung des Stratum corneum; Filaggrinveränderungen)
  • Defekt der T-Helfer-1-Subpopulationen, Th2-dominierte Immunantwort in der Akutphase
  • Verstärkte Produktion von Interleukin 4, Interleukin 5, Interleukin13 u. a.
  • Verstärkte Expression von hochaffinen IgE-Rezeptoren (FcεRI) auf Langerhans-Zellen der Haut
  • Nachweis von inflammatorischen dendritischen Zellen in läsionaler Haut mit sehr hoher FcεRI-Expression
  • β-adrenerge Blockade in Kombination mit einer verstärkten α-adrenergen und cholinergen Hyperreaktivität
  • neurohormonale Faktoren

Quelle: [1]

Bedeutung von Vitamin E

Symptome können sich durch Vitamin E-Gabe bessern oder gar verschwinden, da bei Atopikern die Immunglobulin-E-Spiegel durch Vitamin E gesenkt werden können. Dies wurde in einer Studie mit 96 Patienten gezeigt. Diese erhielten täglich 400 IU Vitamin E oder ein Placebo. Bei mehr als der Hälfte der Patienten kam es unter Vitamin E zu der beschriebenen Besserung. Die primär deutlich erhöhten IgE-Spiegel sanken im Mittel um 62 Prozent [6].

Welche Rolle spielt Zucker?

Als weiterer Trigger wird ein intestinaler Hefepilzbefall diskutiert. Es handelt sich dabei insbesondere um Candida albicans. Dieser wurde bei Neurodermitis-Patienten in hohen Konzentrationen in den Fäzes gefunden. Einige Autoren messen diesem Hefepilzbefall eine ätiologische Bedeutung bei und empfehlen eine kohlenhydratarme und vor allem zuckerfreie Ernährung, die auch als "Antipilzdiät" bekannt ist. Damit verbunden ist die Einnahme eines oralen Antimykotikums. Allerdings konnte nie bewiesen werden, dass mit dieser Kostform die Besiedlung des Darms mit Candida albicans reduziert werden kann.

Des Weiteren wird in der Laienpresse oft behauptet, dass Saccharose die Symptomatik von Neurodermitis verstärke, während Monosaccharide, die in Honig und süßem Obst enthalten sind, keine Rolle spielen [3]. Allerdings ist ein möglicher Wirkmechanismus, der eine Ekzemverschlechterung durch Zucker erklären könnte, bislang nicht bekannt. Daher wurde unter stationären Bedingungen an Kindern und Erwachsenen untersucht, ob Saccharose die Symptomatik im Vergleich zu dem Süßstoff Aspartam beeinflusst. Es konnten aber keine signifikanten Veränderungen der Krankheitsaktivität festgestellt werden [7].

Prävention

Kinder mit familiärer Vorbelastung gelten als Risikopersonen für die Entwicklung von Neurodermitis [8]. Es konnte gezeigt werden, dass auch für Säuglinge mit einem erhöhten Risiko für eine atopische Erkrankung Muttermilch die am besten geeignetste Ernährung ist. Dies gilt umso mehr, wenn sich die Mutter in der Stillzeit besonders vitaminreich, insbesondere hinsichtlich Vitamin C, ernährt. Die Wirkung konnte jedoch nur für Vitamin C aus der Nahrung, nicht aber aus Supplementen nachgewiesen werden [9].

Des Weiteren ist während der Schwangerschaft und Stillzeit eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung zu empfehlen, nicht aber eine Vermeidungsdiät. Ausnahmen liegen vor, wenn bei dem gestillten Säugling mit verlässlichen diagnostischen Methoden eine Lebensmittelallergie nachgewiesen wurde. Auch gibt es Hinweise, dass Fisch in der mütterlichen Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit einen protektiven Effekt auf die Entwicklung atopischer Erkrankungen des Kindes hat. Zur Prävention dieser Erkrankungen sollten Kinder über vier Monate hinweg ausschließlich gestillt werden. Wenn trotz familiärer Vorbelastung nicht oder nicht ausreichend gestillt werden kann, sollte ausschließlich Säuglingsnahrung mit nachweislich reduzierter Allergenität bis zum vollendeten vierten Lebensmonat gegeben werden.

Dagegen sind zur Allergieprävention Säuglingsnahrungen auf Sojabasis nicht zu empfehlen. Die Beikosteinführung über den vollendeten vierten Lebensmonat hinauszuzögern wird nicht mehr empfohlen, da ein Vorteil durch die Restriktion von potenten Allergenen im ersten Lebensjahr nicht nachweisbar ist. Des Weiteren liegen Hinweise vor, dass Fischkonsum des Kindes im ersten Lebensjahr einen protektiven Effekt auf die Entwicklung atopischer Erkrankungen hat [8].


Literatur

[1] Abeck, D. (2010): Atopisches Ekzem. In: Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin – KlinikDiagnose-Therapie. Springer-Verlag Berlin-Heidelberg-New York, 13 – 18.

[2] Ehlers, I. (2001): Lebensmittelunverträglichkeiten bei atopischer Dermatitis. In: Ernährungslehre und -praxis, Nr. 11, B41 – B44.

[3] Kasper, H. (2000): Ernährungsmedizin und Diätetik. 9., neubearbeitete Auflage. Urban und Fischer, München – Jena, 420 – 422.

[4] Kalliomäki et al. (2001): Probiotics in primary prevention of atopic disease: a randomised placebo-controlled trial. Lancet 357, 1076 – 1079.

[5] Majamaa, H. & Isolauri, E. (1997): Probiotics: A novel approach in the management of food allergy. J. Allergy Clin. Immunol. 99, 179 – 185.

[6] Tsoureli-Nikita, E. et al. (2002): Evaluation of dietary intake of vitamin E in the treatment atopic dermatitis: a study of the clinical course and evaluation of immunoglobulin E serum levels. Int J Dermatol 41, 146 – 150.

[7] Ehlers, I. et al. (2001): Sugar is not aggravating factor in atopic dermatitis. Acta Derm Venereol (Stockh) 81, 282 – 284.

[8] Schnopp et al. (2009): Hauterkrankungen und Lebensmittelunverträglichkeit. Special Haut und Allergien. Ernährungsumschau 12/09, 682 – 687.

[9] Hoppu, U. et al. (2005): Vitamin C in breast milk may reduce the risk of atopy in the infant. European Journal of Clinical Nutrition 59, 123 – 128.


Autorin
Katja Aue, M. Sc. Ökotrophologie
katja_aue@web.de

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