Aus Kammern und Verbänden

Klare Worte gegen Pick up

Am 8. September fand im Schleswig-Holsteinischen Landtag eine außergewöhnlich lange Sitzung zum anstehenden Doppelhaushalt statt – begleitet von einer ganztägigen Demonstration in der Kieler Innenstadt gegen die geplanten Sparmaßnahmen. Dennoch kamen etliche Abgeordnete sowie Vertreter von Behörden, Medien und Kammern anderer Heilberufe an diesem Tag zum Politischen Sommerabend der Apothekerkammer Schleswig-Holstein. Zu den Gästen zählten der schleswig-holsteinische Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Dr. Heiner Garg (FDP), Landtagspräsident Torsten Geerdts (CDU) und Ursula Sassen, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion.
Kammerpräsident Gerd Ehmen forderte die Abschaffung von Pick-up-Stellen und warnte vor den Folgen des AMNOG.

In seinem Grußwort kritisierte Kammerpräsident Gerd Ehmen insbesondere die Pick-up-Stellen. Für Arzneimittel sei ein sicherer und hochqualifizierter Vertriebsweg nötig. Die Verwässerung durch Pick-up-Stellen könne nicht gut sein. Eine geordnete Versorgung sei nur über öffentliche Apotheken möglich. Dabei stellte Ehmen auch den Arzneimittelversandhandel infrage: "Inwieweit Versandhandel erlaubt bleiben darf, möchte ich politisch diskutiert sehen", so Ehmen. Doch sieht der Kammerpräsident auch Verbesserungspotenzial bei den öffentlichen Apotheken und verwies dazu auf die Beratungstests und Fortbildungsangebote der Kammer. "Unser Beruf nimmt die Herausforderungen gerne und hoch motiviert an", erklärte Ehmen. Doch müssten dazu die nötigen zeitlichen, unternehmerischen und heilberuflichen Rahmenbedingungen gegeben sein. Die Konkurrenz durch Pick-up-Stellen als "absolut unqualifizierter Vertriebsweg" sei dagegen unerträglich. Die Politik solle diese entfernen, wie es angekündigt worden war.

Außerdem appellierte Ehmen an die Politiker in Bund und Land, die Folgen des geplanten Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) zu beachten. Wenn das AMNOG in der geplanten Struktur umgesetzt werde, seien Probleme in der flächendeckenden Versorgung vorgezeichnet. Hier bestehe dringender Gesprächsbedarf. Zugleich dankte Ehmen den anwesenden Landespolitikern der schwarz-gelben Koalition für ihre Gesprächsangebote und die gute Gesprächsatmosphäre.

Ärger im Bund – gute Zusammenarbeit im Land

Der Gesundheitsminister Garg (FDP) übte deutliche Kritik an der Zusammenarbeit mit der CSU in der Gesundheitspolitik auf Bundesebene (siehe AZ 37, S. 2). Er habe in 16 Jahren in Wahlkämpfen eine groß angelegte Gesundheitsreform gefordert. Es sei klar, dass künftig ein höherer Anteil des Bruttoinlandsprodukts für die Gesundheit ausgegeben werden müsse. Doch "was ich jetzt in der Wunschkoalition erlebe, ist das Gegenteil von dem, was ich mir gewünscht habe und wofür ich gekämpft habe", so Garg. Es werde nur "herumgedoktert", obwohl eine langfristige Reform nötig sei.


"Sparen wollen alle, aber bitte so, dass es niemand merkt."

Dr. Heiner Garg (FDP), Minister


Gäste aus Politik und Verwaltung, darunter Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg (2. v. li.), und Vertreter anderer Heilberufe tauschten sich in lockerer Runde mit den Apothekern beim Politischen Sommerabend in Kiel aus.
Fotos: DAZ/tmb

Als Gegenbeispiel stellte der Minister die Arbeit mit allen Beteiligten auf Landesebene dar. Es gehe nicht alles in großer Harmonie, "aber wir haben einen Weg gefunden", so Garg. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion über das neue Wahlgesetz und die erforderliche Neuwahl in Schleswig-Holstein erklärte Garg, das Gesundheitsministerium werde sich keine zwei Jahre Wahlkampf leisten, sondern weiter für die flächendeckende Versorgung arbeiten. Er werde bis zum letzten Tag der Amtsperiode ein verlässlicher Ansprechpartner für die Apotheker bleiben. Denn "wir werden die Probleme nur gemeinsam lösen", so Garg.

Garg: Pick-up-Stellen verzerren den Wettbewerb

Minister Garg würdigte die Rolle der Apotheker als unverzichtbar und wies auf die Freiberuflichkeit als wesentliche Grundlage hin. Er plädiere für Verantwortlichkeit. Dazu gehöre, die Freiberuflichkeit zu stärken. Der Staat müsse dafür sorgen, dass alle Beteiligten die gleichen Anforderungen erfüllen. Doch stattdessen würden nun zunehmend Pick-up-Stellen gegründet, die in jedem beliebigen Gewerbebetrieb angesiedelt werden können und den Überwachungsbehörden nicht einmal bekannt sein müssen. "Es ist evident, dass der Wettbewerb zwischen Apotheken und Pick-up-Stellen derzeit grob verzerrt ist", sagte der Minister, denn Pick-up-Stellen haben keinen Aufwand wie Apotheken. Die Abgabe von Arzneimitteln ist bei ihnen nicht an die Beratung gekoppelt.

Allerdings machte Garg deutlich, dass er nicht für die Abschaffung des Arzneimittelversandhandels eintritt.


tmb

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