Interpharm 2009

"Time is brain"

Bei einem ischämischen Schlaganfall ist schnelles Handeln gefragt, denn mit jeder Minute geht kostbares Hirngewebe unwiederbringlich verloren. Die besten Erfolgschancen hat eine Behandlung in den ersten 1,5 Stunden, aber auch nach 4,5 Stunden kann eine Lyse noch erfolgreich sein, wie Prof. Dr. Günther Deuschl, Kiel, ausführte.
Prof. Dr. Günther Deuschl

Der Schlaganfall gehört zu den großen Volkskrankheiten. Die Folgen sind häufig bleibende Behinderungen und eine erhebliche Minderung der Lebensqualität.

Thrombus behindert Blutversorgung

Gefäßverschlüsse beim Schlaganfall haben unterschiedliche Gründe. So können die Gefäße durch atherosklerotische Plaques verengt sein, und an den verengten Stellen können sich Thromben bilden.

Eine weitere Ursache ist die Kardioembolie. Hierbei reißen sich Thromben los, die sich beispielsweise als Folge von Herrhythmusstörungen im Herz gebildet haben, gelangen ins Gehirn und führen dort zu einem Verschluss von Hirnarterien.

Das um das verschlossene Gefäß gelegene Gebiet, der Infarktkern, ist bereits nach fünf Minuten verloren, und mit jeder Minute gehen durch den Sauerstoffmangel weitere Bereiche zugrunde. Das Gewebe um den Infarktbereich herum wird als Penumbra bezeichnet. Dieses Gewebe ist gefährdet und kann gerettet werden, wenn die Durchblutung rechtzeitig wiederhergestellt wird.

Die Symptome eines Schlaganfalls treten plötzlich auf und können sehr unterschiedlich sein. Je nach betroffener Hirnregion kommt es zu Lähmungen einer Seite, Sprachstörungen, Sehstörungen oder sogar Bewusstlosigkeit. So führt ein Verschluss der mittleren Hirnarterie auf der linken Seite zu Lähmungen von Armen, Beinen und Gesicht auf der rechten Seite und zu Sprachstörungen.

Bundesweiter Notruf 112

Bereits bei den ersten Symptomen oder einem entsprechenden Verdacht sollte der Rettungsdienst so schnell wie möglich alarmiert werden (Tel. 112). Entscheidend ist, dass der Patient so schnell wie möglich in eine spezialisierte Klinik gebracht wird, in eine Stroke-Unit.

Lysetherapie mit Alteplase

Hier wird zuerst ein Kernspintomogramm angefertigt, um eine Blutung auszuschließen. Bei einem Gefäßverschluss ist in den meisten Fällen eine Lysetherapie mit Alteplase (rtPA) die beste Maßnahme. Sie sollte am besten ein bis drei Stunden nach Symptombeginn erfolgen, kann aber nach neuesten Studienergebnissen auch bis zu 4,5 Stunden nach dem Infarkt erfolgreich sein.

Wenn eine Lysetherapie nicht möglich ist, wird mit Acetylsalicylsäure und Heparinen behandelt.

Zusätzlich werden alle Maßnahmen ergriffen, die eine weitere Verschlechterung verhindern können. Dazu gehören eine individuelle Blutdruckanpassung, Diabeteseinstellung und Rhythmuskontrolle. Nach der Akutphase müssen bakterielle Infektionen rechtzeitig behandelt und Pneumonien vorgebeugt werden. Wichtig ist auch eine rasche Mobilisierung der Patienten und ein möglichst früher Beginn der Rehabilitationsbehandlung, damit verloren gegangene Funktionen zurück erlangt werden können.

Erneuten Schlaganfall verhindern

Bei Schlaganfall liegt das Rezidivrisiko in der Größenordnung von 15% pro Jahr. Damit der Patient vor einem weiteren Schlaganfall geschützt wird, ist die Sekundärprävention entscheidend. Dabei müssen alle Gefäßrisikofaktoren optimal behandelt werden, besonders die Hypertonie, der Diabetes mellitus, das Vorhofflimmern und die Hypercholesterinämie.

Ausreichende Bewegung, Sport und eine sinnvolle Gewichtsreduktion sind weitere wichtige sekundärpräventive Maßnahmen.

Bei Vorhofflimmern wird mit Phenprocoumon behandelt. Bei einer Carotisstenose wird entweder eine Carotisoperation oder eine Stentbehandlung der Carotis durchgeführt oder mit Acetylsalicylsäure behandelt. Sollte eine Unverträglichkeit oder eine begleitende periphere arterielle Verschlusskrankheit vorliegen, ist Clopidogrel indiziert. Nach Anlage eines Stents wird eine Doppelbehandlung mit Acetylsalicylsäure durchgeführt.

hel

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