Aus der Hochschule

Erster e-Learning-Kurs in Klinischer Pharmazie

An der Universität Hamburg wird im Herbst 2008 zum ersten Mal ein berufsbegleitender Kurs in Klinischer Pharmazie angeboten. Er richtet sich an Apothekerinnen und Apotheker in öffentlichen und Krankenhausapotheken, die ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet erweitern und vertiefen möchten.

Der Kurs läuft zum größten Teil auf der Ebene des e-Learnings ab, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kontinuierlich im "virtuellen Klassenzimmer" vom heimatlichen PC aus lernen. Dies bedeutet einen wöchentlichen Zeitaufwand von sechs bis acht Stunden. Neben dem Selbststudium werden die Kenntnisse auch durch Arbeit in Kleingruppen und Diskussionen im Plenum erworben. Hierbei werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch ein Moderatorinnen-Team betreut. Die Kurs-

organisation und fachliche Hauptbetreuung übernimmt Dorothee Dartsch, Juniorprofessorin für Klinische Pharmazie an der Universität Hamburg. Ihr zur Seite stehen Dr. Claudia Langebrake und Heike Hilgarth, zwei erfahrene Krankenhausapothekerinnen, sowie die Mediendidaktikerinnen Jasmin Hamadeh und Dr. Marion Bruhn-Suhr von der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung, ebenfalls alle von der Universität Hamburg.

Die Kursmaterialien wurden in einem zweijährigen EU-geförderten Projekt durch eine Europäische Arbeitsgruppe aus Klinischen Pharmazeuten erstellt. "Das war eine spannende Zeit – viele landesspezifische Perspektiven galt es aufeinander abzustimmen, viele fachliche Diskussionen zu führen, die großen Entfernungen dafür virtuell zu überbrücken. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn dabei sind ein detailliertes Curriculum sowie sehr umfangreiche und vor allem fundierte Unterrichtsmaterialien entstanden."

Großes Themenspektrum

Die Themen des Kurses umfassen Klinische Pharmakokinetik, Besonderheiten spezieller Patientengruppen, d.h. Kinder, Senioren, Schwangere und Stillende sowie Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, Interpretation von Labordaten, Arzneimittelinteraktionen und unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Dies ist jedoch nur etwa das erste Drittel des gesamten Programms, das in Zukunft als postgraduales Masterprogramm an der Universität Hamburg angeboten werden soll. Weitere Themen werden die Arzneimittelinformation, Pharmakotherapie spezieller Erkrankungen, Kommunikation und Beratung, Pharmazeutische Betreuung, Klinische Studien und Klinische Ernährung sein, die in nachfolgenden Kursen angeboten werden.

"Durch die Einbindung der Kolleginnen und Kollegen aus der Praxis haben wir von Anfang an sowohl bei der Erstellung des Curriculums als auch bei der Erarbeitung der Materialien den praktischen Nutzen der im Kurs vermittelten Kenntnisse im Focus gehabt. So wird die im Selbststudium erworbene Theorie an einer Vielzahl von Fallbeispielen und konkreten klinischen Problemen aus der Praxis angewendet, denn Wissen, das nicht angewandt wird, hat eine sehr kurze Halbwertszeit."


"Ich freue mich darüber, dass wir mit diesem Kursangebot eine weitere Möglichkeit für Apothekerinnen und Apotheker geschaffen haben, sich Kenntnisse und Fertigkeiten auf dem Gebiet der Klinischen Pharmazie anzueignen. Wir verstehen Klinische Pharmazie als patientenorientierte Pharmazie, unabhängig davon, wo sie angewandt wird, und wünschen uns, dass die Kursinhalte letztendlich beim Patienten ankommen."

Dorothee Dartsch

Ziel: Therapieoptimierung

Nach Abschluss des Kurses werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen detaillierten Überblick über die Faktoren haben, die eine Therapieindividualisierung notwendig machen, und sie werden in der Lage sein, die Therapie eines Patienten anhand dieser Faktoren zu optimieren. Zum Beispiel werden die Absolventinnen und Absolventen wissen, anhand welcher Labordaten die Nierenfunktion eingeschätzt werden kann, für welche Arzneistoffe das relevant ist, und sie werden in der Lage sein, die Dosis individuell anzupassen. Sie werden wissen, welche Besonderheiten bei Kindern zu berücksichtigen sind – und in der Lage sein, die Dosierung an die pharmakokinetischen Gegebenheiten anzupassen sowie in der Beratung diejenigen Faktoren zu nutzen, die das Auftreten unerwünschter Arzneimittelwirkungen, die Compliance und den Therapieerfolg günstig beeinflussen.

Auch Apothekerinnen und Apotheker, die sich mit e-Learning bisher kaum oder nicht auseinandergesetzt haben, sollten keine Scheu vor einer Teilnahme haben, denn für die erfolgreiche Bewältigung der virtuellen Kommunikation erfolgt vor dem pharmazeutischen Teil eine Schulung in virtueller Teamarbeit, die auch außerhalb dieses Kurses von Nutzen sein kann.

Der Ablauf

Neben dem e-Learning-Anteil des Kurses treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Moderatorinnen an drei Sonnabenden in Hamburg. Diese Treffen dienen dem gegenseitigen Kennenlernen, der Klärung von Erwartungen an den Kurs, von Anforderungen an die Teilnehmenden und zum Abschluss dem gegenseitigen Feedback sowie der Überreichung des Zertifikates. Letzteres setzt die erfolgreiche Teilnahme voraus, die zwar nicht durch eine Abschlussprüfung, wohl aber durch kontinuierliches aktives Engagement in der Gruppenarbeit und die erfolgreiche Bearbeitung von Einzelaufgaben nachgewiesen wird.

Teilnahmevoraussetzung ist ein abgeschlossenes Pharmaziestudium (3. Staatsexamen), eine mindestens einjährige Berufspraxis in einer öffentlichen oder Krankenhausapotheke ist wünschenswert. Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 20. Da der Kurs ein Pilotlauf für den späteren Masterstudiengang ist, ist die Kursgebühr um etwa 25% reduziert und beträgt 1250,- Euro. Dafür wünschen sich die Organisatoren viel Feedback, um das Masterprogramm zu perfektionieren. In der Kursgebühr enthalten sind der Zugang zur Lernplattform, alle Unterrichtsmaterialien, die kontinuierliche Moderation, das Catering bei den Treffen in Hamburg, die Administration des Kurses und das Zertifikat.

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