Kampf gegen gefälschte Arzneimittel verstärkt

(nzz/az). Der Markt für gefälschte Arzneimittel boomt vor allem in der Dritten Welt und in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will in einer koordinierten internationalen Aktion unter Beteiligung aller interessierten Kreise energisch dagegen vorgehen.

Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, geht das amerikanische Centre for Medicines in the Public Interest von Schätzungen aus, nach denen sich zwischen 2005 und 2010 die weltweiten Verkäufe gefälschter Arzneimittel fast verdoppeln und auf rund 75 Mrd. Dollar steigen werden. Während in den meisten Industrieländern ihr Anteil am gesamten Arzneimittelmarkt weniger als 1% erreicht, liegen die entsprechenden Schätzwerte in vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion bei mindestens 10% bis 30% oder sogar darüber. Im Internet-Handel mit unbekannter Herkunft soll es sich sogar bei mehr als der Hälfte um Fälschungen handeln.

Um hier Abhilfe zu schaffen, hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschieden, eine Projektgruppe einzurichten, an der sich dem NZZ-Bericht zufolge unter anderem nationale Gesundheits- und Zulassungsbehörden, Patienten- und Mediziner-Organisationen, die Pharmaindustrie, die Welthandelsorganisation (WTO), die Weltbank und Interpol beteiligen. Diese internationale Partnerschaft der International Medicinal Products Anti-Counterfeiting Taskforce (Impact) mit ihren fünf Arbeitsgruppen hat fünf Themen als dringlichste Arbeitsfelder im gemeinsamen Kampf gegen Arzneimittelfälschungen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt: Anforderungen an die nationale Kontroll- und Rechtsordnung; Definition wirkungsvoller Kontrollmechanismen; Zielverwirklichung durch koordinierte Durchsetzungsmechanismen; Einsatz der Technologie und ihr eventueller Transfer für eine effektive und innovative Flankierung der Maßnahmen; Entwicklung von Systemen zur Förderung des allgemeinen Bewusstseins der hohen Risiken, die mit Arzneimittelfälschungen eingegangen werden.

Ernsthafte Probleme durch Fälschungen

Die Gesundheitsgefährdung vieler Menschen durch gefälschte Arzneimittel stellt ein ernsthaftes Problem dar. Die NZZ weist hier beispielhaft auf den Fall Tamiflu aus dem vergangenen Jahr hin. 2006 gab die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) eine Warnung über den Umlauf gefälschter Tamiflu-Tabletten heraus. Die holländischen Gesundheitsbehörden empfahlen, kein Tamiflu über das Internet zu kaufen, weil eine sehr große Gefahr bestand, dass die Tabletten keine Wirkstoffe, sondern nur Laktose und Vitamin C enthielten. Großbritannien beschlagnahmte 5000 gefälschte Tamiflu-Packungen mit einem Marktwert von rund 0,5 Mio. Pfund.

Eine medizinische Studie sei zum Schluss gekommen, dass bis zu 40% der weltweit auf den Markt geworfenen Anti-Malaria-Produkte keine aktiven Wirksubstanzen enthielten und therapeutisch keine Linderung brächten. In der peruanischen Hauptstadt Lima dürfte sich die Zahl der illegalen Apotheken, die sich auf den Verkauf gefälschter oder von unlauter auf den Markt gebrachten pharmazeutischen Produkten spezialisieren, in den letzten vier Jahren von 200 auf ungefähr 1800 Läden vervielfacht haben, mutmaßt der NZZ-Bericht..

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