Die Seite 3

Warnsignale

Nein, ganz so schlimm, wie es unsere Graphik auf dem Titelbild andeutet, ist es zum Glück noch nicht um die deutsche Apotheke bestellt. Die Äskulapschlange – für mich ein Sinnbild des ethischen Teils, des Heilberufs unseres Berufsbilds – verlässt (noch) nicht ihren Platz im Apotheken-A, auch wenn das Apothekengebäude schwer um seine Existenz und seinen Platz im Gesundheitswesen kämpfen muss und leicht angeschlagen wirkt. Das GMG machte den Apotheken das Leben nicht gerade leichter, wie die Zahlen aus dem ersten Jahr mit dem Spargesetz zeigen.

Wie geht's der Apotheke? Relativ viele Apothekenleiter (2,5%) haben ihre Selbstständigkeit aufgegeben und ihre Apotheke in die Hände eines Kollegen gelegt – Stichwort Filialisierung. Rund 250 haben ihre Apotheke geschlossen, etwa 400 haben sie an Kollegen verkauft, die die Apotheke als Filiale weiterführten. 350 wagten es aber, eine Apotheke – als Einzelapotheke oder als Filiale – neu zu eröffnen.

Per Saldo gab es Ende 2004 knapp 90 Apotheken mehr als ein Jahr zuvor. Von den 21.392 öffentlichen Apotheken Ende 2004 werden allerdings rund 630 als Filialen geführt werden. Ob Apotheken, die bereits vor ihrer Schließung standen, jetzt als Filiale plötzlich rentabel arbeiten, wird sich zeigen. Betriebswirtschaftler legen da die Stirn in Falten.

Die Verschiebungen im Besitzstatus der Apotheken müssen auch als Warnsignal auf dem Markt der Beschäftigten in Apotheken gewertet werden. Die ABDA-Zahlen zeigen hier die deutliche Entwicklung: Auch 2004 ist die Zahl der Beschäftigten in Apotheken zurückgegangen (bereits zum zweiten Mal in Folge). Sie liegt jetzt um rund 3000 unter dem Höchstwert des Jahres 2002 und beträgt rund 136.800 – die Filialisierung scheint demnach keine gute Auswirkungen auf Beschäftigungszahlen zu haben.

Weiter gedacht würde dies bedeuten: Der Weg in die Kette wäre auch ein Abschied von Arbeitsplätzen, wie es Frank Diener, Geschäftsführer der Abteilung Wirtschaft und Soziales bei der ABDA formulierte. Besonders stark macht sich der Arbeitsplatzabbau im Bereich der Helferinnen bzw. PKA bemerkbar. Erhöht hat sich dagegen die Zahl der PTA (jetzt 44.000) – das wiederum könnte darauf hindeuten, dass die Apotheken die ausgerufene Beratungsoffensive ernst nehmen und die personellen Ressourcen bereitstellen. Die "Heilberufsschlange" soll bei der Apotheke bleiben.

Hoffen wir, dass die finanziellen Voraussetzungen dafür erhalten bleiben. Hier musste die Apotheke mit dem GMG einiges verkraften, wie die Wirtschaftszahlen aus 2004 zeigen. Der Gesamtumsatz der Apotheken ist um 3,3% gesunken, das betriebswirtschaftliche Ergebnis war eindeutig rückläufig, bei der Betrachtung der Umsatzgrößenklassen war ein leichter Ruck zu spüren in Richtung "typische" Apotheke, also ins Mittelfeld.

Ein weiterer deutlicher Trend ist auszumachen: Die Selbstmedikation legt zu, im vergangenen Jahr ist die Zahl der abgegebenen OTC-Packungen um fünf Prozentpunkte auf knapp 39% gestiegen. Dazu beigetragen hat natürlich das GMG durch die Ausgrenzung von apothekenpflichtigen rezeptfreien Arzneimitteln aus der GKV-Erstattung. Vielleicht hat aber auch die verstärkte Empfehlung der Apotheken im OTC-Bereich einen Beitrag dazu geleistet. Deutlich zurückgegangen ist dagegen – hinsichtlich der abgegebenen Packungszahlen – der Verordnungsmarkt: von 62% in 2003 auf nur noch 56,4% im vergangenen Jahr. Zwar ist der GKV-Markt für die Apotheke immer noch der größte Umsatzträger, doch die Bedeutung nimmt ab, nicht zuletzt aufgrund der veränderten Arzneimittelpreisverordnung.

Bei der Betrachtung der Wirtschaftszahlen lassen sich also Warnsignale für die Apothekenzukunft erkennen. Sie wollen klar machen, dass es jetzt fünf vor zwölf ist, um gegenzusteuern. Viele von uns haben das erkannt, aber bei weitem noch nicht alle. Gegensteuern heißt nicht, die Äskulapschlange, die Ethik, den Heilberuf, ziehen zu lassen und dem Merkantilismus zu frönen. Gegensteuern heißt vielmehr, die Apotheke unverzichtbar zu machen durch das Angebot der Leistungen, die kein Logistikunternehmen, kein Computer und kein anderer Heilberuf erbringen kann. Dazu gehören die Qualifizierung, die individuelle Beratung und Betreuung von Kunden und Patienten in Sachen Arzneimittel genauso wie ein umfangreiches Dienstleistungsangebot. Ich würde mir wünschen, dass die Warnsignale zum Umdenken führen.

Peter Ditzel

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