Gesundheitspolitik

Rekordrückgang der Apothekenzahl

Trendwende bei der Anzahl der Filialen zeichnet sich ab

BERLIN (tmb) | Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist im Jahr 2018 so stark gesunken wie noch nie zuvor. Auf Jahressicht gab es 325 Apotheken weniger. Dies ergibt sich aus 97 Neueröffnungen und 422 Schließungen. Die Zahl der Filialen stieg nur noch um 29. Auch bei den Filialen gab es im zweiten Halbjahr einen Rückgang.

In der vorigen Woche gab die ABDA die Apothekenzahl zum Jahresende 2018 bekannt. Demnach sank die Zahl der öffentlichen Apotheken auf 19.423. Ende 2017 waren es noch 19.748. Der Rückgang um 325 Apotheken (1,6 Prozent) ist die größte jemals auf Jahressicht ermittelte Ver­ringerung der Apothekenzahl. Einen ähnlichen Rückgang um 317 Apotheken gab es nur im „Nach-AMNOG-Jahr“ 2012, nach der damals deutlichen Erhöhung des Kassenabschlags.

Deutlich unter der EU-Apothekendichte

Die ABDA weist darauf hin, dass die Apothekendichte in Deutschland von 24 auf 23 Apotheken pro 100.000 Einwohner gesunken ist und damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 31 liegt. Die derzeitige Apothekenzahl bilde den tiefsten Stand seit Mitte der 1980er-Jahre, erklärt die ABDA. Doch dieser Vergleich hinkt. Denn er bezieht sich auf gesamtdeutsche Zahlen und damals hatte der Osten Deutschlands ein anderes Versorgungssystem mit einer sehr geringen Apothekendichte. Für den Westen Deutschlands müssen die Vergleichswerte daher weiter zurückliegen. Die Lage ist demnach schlechter, als es die Zahlen auf den ersten Blick zeigen.

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt erklärte zu den neuen Daten: „Noch haben wir eine flächendeckende Arzneimittelver­sorgung, doch wenn sich nichts ändert, wird das bald nicht mehr so sein.“ Die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen müssten stabilisiert werden und die Apotheken bräuchten eine bessere fachliche und ökonomische Perspektive, forderte Schmidt. Besonders be­unruhige und schmerze ihn, dass die Zahl der Apothekeninhaber wei­ter sinke. Die Gesellschaft müsse auch jungen Apothekern wieder eine echte Perspektive bieten.

Die Zahl der Einzel- und Haupt­apotheken sank nach ABDA-Angaben von 15.236 (Ende 2017) auf 14.882. Die Zahl der Filialen stieg von 4512 (Ende 2017) auf 4541, also um 29. Allerdings hatte die ABDA für Ende Juni 2018 einen Bestand von 4557 Filialen bekannt gegeben. Demnach stieg die Zahl der Filialen im ersten Halbjahr 2018 um 45 und sank im zweiten Halbjahr um 16. Dies erscheint bemerkenswert, denn die Zahl der Filialen ist seit ihrer Zulassung im Jahr 2004 stets gestiegen. Dieser Trend ist nun bei unterjähriger Betrachtung gebrochen.

Als 2004 die Filialen zugelassen wurden, war die Gesamtzahl der Apotheken bereits seit drei Jahren leicht zurückgegangen. Mit den Filialen drehte dieser Trend und die Gesamtzahl der Apotheken erreichte 2008 ihr Maximum bei 21.602. Seitdem sinkt die Gesamtzahl, während die Filialzahl bisher weiter stieg. Offenbar haben die Filialen den Abwärtstrend der Apothekenzahl gedämpft. Bis 2016 stieg die Zahl der Filialen sogar stets um mehr als 100 pro Jahr. Betrachtet wird dabei jeweils der Saldo aus Neueröffnungen und Übernahmen einerseits und Schließungen andererseits. Im Jahr 2017 kamen noch 96 Filialen hinzu. Dieser Vergleich zeigt, wie gering die Zunahme um 29 Filialen im Jahr 2018 ist. Der Rückgang im zweiten Halbjahr unterstreicht, dass auch Filialen von Schließungen betroffen sind. |

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