Prisma

Wandernde Knochenmarkzellen schuld an Magenkrebs

Magenkrebs entsteht möglicherweise nicht durch im Magengewebe gebildete Krebszellen, sondern durch eingewanderte Knochenmarkzellen, die sich im Magen festsetzen und zu Tumorzellen mutieren. Zu diesem Ergebnis ist eine an der Columbia Universität durchgeführte Studie gekommen, die in der renommierten Fachzeitschrift "Science" veröffentlicht wurde.

Magenkrebs wurde bislang meist mit Infektionen durch Helicobacter pylori in Zusammenhang gebracht. Es wurde angenommen, dass das Bakterium die Magenwände irritiert, Gewebeschäden sowie Entzündungen verursacht und so das Entstehen von Krebszellen begünstigt. Die aktuell mit Mäusen durchgeführte Untersuchung unterstützt diese Annahme insoweit, als auch in ihr das Vorhandensein von Helicobacter pylori ein Krebsauslöser war. Allerdings führte die Infektion nicht dazu, dass Zellen der Magenwand zu Krebszellen mutierten, vielmehr lockte das Bakterium unreife Knochenmarkzellen in den Magen. Der Versuch dieser Zellen, den durch Helicobacter pylori verursachten Schaden zu reparieren, scheint für das Entstehen des Krebses verantwortlich zu sein.

Bei den Mäusen wurde etwa 20 Wochen nach der Infektion beobachtet, dass sich die eingewanderten Knochenmarkzellen in der Magenwand festsetzten und in der Folge abnormale Formen annahmen, die jenen im Frühstadium einer Krebserkrankung glichen. Studienleiter Timothy Wang erklärte, dass die unerwarteten Ergebnisse zu neuen Verfahren der Diagnose und Behandlung vieler Krebsarten führen könnten. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen notwendig, um die genauen Vorgänge bei der Entstehung von Magenkrebs zu entschlüsseln. ral

Quelle: Science 306 (5701), 1455 – 1457 (2004).

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