Immunabwehr

Infektion mit Helicobacter pylori schützt vor Allergien

Mainz - 09.07.2011, 09:42 Uhr


Die Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori schützt zuverlässig vor allergiebedingtem Asthma. Das konnten Mediziner der Universitäten Zürich und Mainz jetzt am Tiermodell nachweisen.

Sie bestätigen damit die Hypothese, dass die dramatische Zunahme von Allergieerkrankungen in Industriegesellschaften mit dem fortschreitenden Verlust an spezifischen Mikroorganismen zusammenhängt, welche den menschlichen Körper besiedeln.

Allergiebedingtes Asthma bronchiale ist in der industrialisierten Welt seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch und nimmt inzwischen geradezu epidemische Ausmaße an. Erklärt wird die rapide Zunahme mit Luftverschmutzung, Rauchen, der Hygiene-Hypothese und dem weit verbreiteten Einsatz von Antibiotika. Die Hygiene-Hypothese besagt, dass moderne Hygienemaßnahmen zu einem Mangel an infektiösen Reizen geführt haben, welche für die normale Reifung des Immunsystems wichtig wären.

Jetzt weisen Wissenschaftler der Universität Zürich und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz nach, dass die Zunahme an Asthmaerkrankungen möglicherweise auf das gezielte Ausmerzen des Magenbakteriums Helicobacter pylori (H. pylori) in den westlichen Gesellschaften zurückzuführen ist. Bei H. pylori handelt es sich um ein Bakterium, das gegen Magensäure resistent ist. Gemäß Schätzungen dürfte weltweit rund die Hälfte aller Menschen davon befallen sein. Der Befall ist häufig ohne Symptome, kann aber unter gewissen Voraussetzungen Gastritis, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre und Magenkrebs auslösen. Aus diesem Grund wird H. pylori oft prophylaktisch mit Antibiotika ausgerottet, selbst wenn keine Beschwerden vorliegen.

Für ihre Untersuchungen infizierten die Forscher Mäuse mit H. pylori. Wurden die Mäuse im Alter von wenigen Tagen infiziert, entwickelten sie eine immunologische Toleranz gegenüber dem Bakterium und reagierten dann selbst auf starke, Asthma auslösende Allergene nicht oder nur geringfügig. Mäuse, die erst im adulten Alter mit H. pylori infiziert wurden, genossen dagegen einen weitaus schwächeren Schutz. Die frühe Infektion verhindert den Reifeprozess der dendritischen Zellen in der Lunge und führt zu einer Anreicherung von regulatorischen T-Zellen, die für die Unterdrückung von Asthma entscheidend sind.

Wurden regulatorische T-Zellen von infizierten auf nicht infizierte Mäuse übertragen, hatten auch diese einen wirkungsvollen Schutz vor allergisch bedingtem Asthma. Doch auch früh infizierte Mäuse verloren ihre Resistenz gegen Asthma auslösende Allergene, wenn bei ihnen nach der Sensibilisierungsphase H. pylori mit Hilfe von Antibiotika ausgerottet wurde.

Die neuen Resultate bestätigen die Hypothese, dass die Zunahme von allergischem Asthma in den Industrienationen mit dem weitverbreiteten Einsatz von Antibiotika und dem daraus folgenden Verlust an Mikroorganismen, die den menschlichen Körper dauerhaft besiedeln, zusammenhängen.

Literatur: Arnold, I. C., et al.: J. Clin. Invest. 2011;121(8), Online-Publikation DOI:10.1172/YCI45041.


Dr. Bettina Hellwig