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Empfehlungen zur Fußpilzbehandlung in der Selbstmedikation

Von der Volkskrankheit Fußpilz ist nach neueren Erkenntnissen etwa ein Drittel der erwachsenen Europäer betroffen. Zugleich ist die Krankheit in ihrer häufigsten Ausprägung als Interdigitalmykose mit modernen Arzneimittel effektiv und unproblematisch behandelbar. Diese Konstellation macht Fußpilz zum idealen Ziel für die apothekergestützte Selbstmedikation. Auch Dermatologen erkennen diese Möglichkeit an, woraufhin die Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) eine Initiative für das interdisziplinäre Management der Tinea pedis gestartet und ein neues Konsensuspapier dazu erarbeitet hat.

Die Tinea pedis ist eine oberflächliche Hauterkrankung des Fußes, die in etwa 98% der Fälle durch Dermatophyten (Fadenpilze), insbesondere Trichophyton rubrum, und selten durch Hefen oder Schimmelpilze verursacht wird. Die weitaus häufigste Form ist die Interdigitalmykose, die sich gut zur Eigendiagnose und zur Selbstmedikation eignet. Möglicherweise ist Fußpilz die häufigste Hautkrankheit in Deutschland. Da sie im Alter häufiger auftritt, führt die Alterung der Bevölkerung auch zu mehr Betroffenen.

Diagnose und Differentialdiagnose

Die Tinea pedis interdigitalis beginnt plötzlich. Anstelle der intakten Haut sind Schuppen, eine weißliche Verquellung der oberen Hautschichten oder eine Rötung wahrzunehmen. Brennen oder Juckreiz treten häufig auf, aber in vielen Fällen fehlen diese lästigen Symptome, sodass die Erkrankung kaum wahrgenommen wird. Doch auch diese harmlos erscheinende Krankheit stellt ein Risiko für weitere Infektionserkrankungen dar, beispielsweise für eine langandauernde Onychomykose (Nagelpilz) oder für Handpilz. Außerdem können durch die geschädigte epidermale Barriere andere Erreger in die Haut eindringen und beispielsweise ein Unterschenkel-Erysipel verursachen.

Nicht für die Selbstmedikation geeignet sind Fußpilzerkrankungen, die sich über die Zehenzwischenräume hinaus auf größere Bereiche des Fußes ausdehnen. Dazu gehören der vesikuläre Typ, der hyperkeratotische Typ und der seltene bullöse Typ. Insbesondere der plantare Fußpilz, der die ganze Fußsohle befallen kann, erfordert eine systemische Therapie. Differentialdiagnosen sind der gramnegative Fußinfekt und das atopische Ekzem, das am Fuß als "atopischer Winterfuß" bezeichnet wird.

Prophylaxe oft sehr effektiv

Zur Prophylaxe wird empfohlen, Baumwollstrümpfe und luftdurchlässiges Schuhwerk zu verwenden, die Schuhe auszulüften, die Zehenzwischenräume nach dem Waschen sorgfältig abzutrocknen und hautschonende Syndets zur Reinigung zu benutzen. Außerdem können Fußpflegepräparate die epidermale Barriere stabilisieren. Dies könnte auch die vergleichsweise hohen Erfolgsraten in den Kontrollgruppen bei klinischen Studien zum Fußpilz erklären. Denn bereits die Pflegewirkung der Grundlage kann in günstigen Fällen die Krankheit bekämpfen.

Wirkstoffe und Zubereitungen für die lokale Therapie

Für die Therapie des Fußpilzes stehen insbesondere lokal anzuwendende Azole, Allylamine und Hydroxypyridone zur Verfügung. Azole, wie Clotrimazol und Bifonazol, wirken meist nur fungistatisch und müssen daher vergleichsweise lange angewendet werden. Für Clotrimazol wird die zweimal tägliche Anwendung über vier Wochen empfohlen, bei Bifonazol reicht die einmal tägliche Anwendung über drei Wochen aus. Doch erweist sich die Compliance der Patienten hierfür oft als zu gering, weshalb die Erkrankung oft nicht hinreichend ausheilt, was später als Rezidiv gedeutet wird.

Dagegen wirkt Terbinafin, das zu den Allylaminen gehört, primär fungizid und bildet zudem ein Depot in der Hornschicht. Es ist auch etwa eine Woche nach dem Absetzen noch im Stratum corneum nachweisbar. Damit reicht die einmal tägliche Behandlung über eine Woche aus, was die Compliance fördert. Aufgrund des geringen Substanzverbrauchs bei der Therapie mit Terbinafin ist diese Behandlung für die Patienten kostengünstiger als der Einsatz größerer Mengen der niedrigpreisigeren Vergleichspräparate.

Die Darreichungsform sollte aufgrund der jeweiligen Situation des Patienten ausgewählt werden: Bei trockener Haut oder wenn der Fußpilz die epidermale Barriere schädigt, bietet sich eine Creme an. Bei starkem Juckreiz kann ein Gel durch die kühlende Wirkung der Grundlage zusätzliche Linderung bieten. Patienten mit eingeschränkter Beweglichkeit können meist ein Spray besser als die halbfesten Zubereitungen anwenden.

Selbstmedikation als Behandlungsstrategie

Der Beratung in der Apotheke kommt bei der Fußpilzbehandlung besondere Bedeutung zu, weil die Patienten meist eine unkomplizierte Therapie ohne Arztbesuch wünschen und die geeigneten Präparate nicht verschreibungspflichtig sind und nicht von der GKV erstattet werden. Daher wurde auch von fachärztlicher Seite akzeptiert, dass die Selbstmedikation der Lebenswirklichkeit optimal gerecht wird. Die breite Anwendung der gut wirksamen Arzneimittel und die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern bietet nach Einschätzung der GD-Experten die Chance, die Volkskrankheit Fußpilz wirksam zu bekämpfen.

Die GD als interdisziplinäre Fachgesellschaft von Dermatologen und Pharmazeuten hat daher die Selbstmedikation der Tinea pedis interdigitalis in einem Konsensuspapier beschrieben. Es sollten nur hocheffektive Arzneimittel zum Einsatz kommen. Diese lassen eine Heilungsrate von etwa 90% erwarten. Auch wenn diese Therapie versagt, sind keine Schädigungen durch die modernen topischen Arzneimittel zu erwarten, weil diese nur ein minimales Allergisierungspotenzial haben und Resistenzen praktisch nicht auftreten. Doch sollte bei Therapieversagen kein zweiter Versuch in der Selbstmedikation unternommen werden, sondern ein Facharzt aufgesucht und die etablierte Labordiagnostik genutzt werden, um den Erreger zu identifizieren.

Das vollständige Konsensuspapier "Interdisziplinäres Management der Tinea pedis" ist auf der Homepage der GD unter www.gd-online.de zu finden. tmb

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