Arzneimittel und Therapie

Welt-Aids-Tag 2002: "Leben und leben lassen"

Am 1. Dezember 2002 findet der diesjährige Welt-Aids-Tag unter dem Motto "Leben und leben lassen" statt, mit dem ein deutliches Signal gegen Ausgrenzung und Diskriminierung Aidskranker gesetzt werden soll. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) führt seit fünfzehn Jahren in Deutschland die nationale Aufklärungskampagne "Gib Aids keine Chance" durch. Auf Fragen zu dem Thema "Das öffentliche Bewusstsein in der Bevölkerung in Deutschland zu HIV/Aids" antwortet Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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Frau Dr. Pott, man liest und hört in den letzten Jahren immer weniger über Aids. Woran liegt das?

Pott:

Nehmen wir die Aids-Fernsehspots. 1987 haben 90 Prozent der Bevölkerung sie regelmäßig gesehen. Heute sind es nur noch 30 Prozent, weil die Spots zu schlechteren Zeiten und sehr viel seltener gezeigt werden. Außerdem haben in den letzten Jahren andere medienwirksame Themen wie BSE oder Terrorismusbekämpfung die Gefahren durch die Immunschwächekrankheit in den Hintergrund gedrängt. Dadurch sinkt das Problembewusstsein in der Bevölkerung. Noch vor zehn Jahren betrachteten 60 Prozent der Deutschen Aids als eine der gefährlichsten Krankheiten, heute sehen das nur noch 31 Prozent so.

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Wie sieht das Wissen über eine HIV-Infektion und das Schutzverhalten vor allem bei den Jugendlichen aus? Gehen sie zu leichtfertig mit der Ansteckungsgefahr um?

Pott:

Von einer bewussten Leichtfertigkeit kann sicher nicht die Rede sein. Allerdings müssen wir immer wieder die nachwachsende Generation neu erreichen. Das ist in Zeiten stark konkurrierender Themen und sinkender finanzieller Möglichkeiten natürlich nicht immer einfach. Aber nur so können wir Wissenslücken schließen. Beispielsweise wissen fast ein Viertel der 16 bis 20-Jährigen nicht, dass man sich bei einem infizierten Partner anstecken kann, wenn die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist.

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Nimmt die Infektionshäufigkeit bei den Geschlechtskrankheiten zu und lässt sich daraus bereits eine neue Entwicklung für HIV-Infektionen voraussagen?

Pott:

Es gibt Hinweise, dass gerade in den großen Städten Deutschlands die Syphilis-Zahlen wieder ansteigen, vor allem bei Männern. Dies deutet auf ein verändertes Sexualverhalten hin. Möglicherweise könnte diese Entwicklung auch zu einem Anstieg der HIV-Neuinfektionen führen. Deshalb dürfen wir in unseren Präventionsbemühungen auf gar keinen Fall nachlassen.

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Hat die Aids-Aufklärung in Deutschland ihr Ziel erreicht und wie steht die Bundesrepublik – was die Infektionszahlen betrifft – im internationalen Vergleich da?

Pott:

15 Jahre Aids-Prävention haben eindeutig kontinuierliche Erfolge gezeigt. Die Kampagne "Gib-Aids-keine Chance" ist die bisher größte, umfassendste und nicht zuletzt bekannteste Gesundheits-Kampagne in Deutschland. Mit rund 2000 HIV-Neuinfektionen jedes Jahr nimmt Deutschland im europäischen Vergleich einen der untersten Plätze ein.

Trotz dieser nationalen Erfolge dürfen aber die Aufklärungsbemühungen nicht nachlassen. In vielen Ländern ist die Dynamik der sexuell übertragbaren Infektionen heute mehr als besorgniserregend. Dies gilt nicht nur für Afrika oder Asien. Vor allem in Osteuropa wird im Hinblick auf den dramatischen Anstieg der HIV-Infektionszahlen von einem der größten Gesundheitsprobleme des Kontinents gesprochen. Allein im vergangenen Jahr kam es in Osteuropa zu ca. 250 000 Neuinfektionen und damit erhöhte sich die Anzahl der HIV-Infizierten in diesen Ländern auf rund eine Million Menschen.

Vor dem Hintergrund wachsender Mobilität ist es deshalb ganz besonders wichtig, die nachwachsende Generation, die den "Aids-Schock" Mitte der 80er Jahre nicht erlebt hat, immer wieder für die Gefahren durch das Virus zu sensibilisieren.

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Was tut die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung um vor allem junge Menschen für das Thema HIV/Aids zu interessieren?

Pott:

Rund um die Themen Liebe, Sexualität und Aids hält die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein umfangreiches Informationsangebot bereit wie Broschüren, Plakate und TV-, Kino- oder Hörfunkspots, die insbesondere in den Jugendsendern bzw. Kinos geschaltet werden.

Da die Aidsaufklärung in den Schulen in den vergangenen Jahren immer mehr zum Unterrichtsthema geworden ist, bietet die BZgA spezielle Unterrichtsmaterialien hierzu an. www.machsmit.de und www.loveline.de gehören zu den bekanntesten Internetseiten in diesem Bereich. Die Broschüre "Safer Sex ....sicher!" ist vollständig überarbeitet und steht als Online-Version unter www.gib-aids-keine-chance.de abrufbereit.

Die Printversion kann unter der unten angegebenen Adresse schriftlich bestellt werden. Medien und Materialien der BZgA zum Thema Aids stehen kostenfrei zur Verfügung. Sie können online unter www.bzga.de oder unter folgender Adresse bestellt werden:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 51101 Köln Fax: 02 21 / 8 99 22 57 E-Mail: order@bzga.de

Das Aids-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist Montag bis Donnerstag von 10.00 bis 22.00 Uhr und Freitag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr unter der Telefon-Nummer 02 21 / 89 20 31 erreichbar.

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Frau Dr. Pott, vielen Dank für das Gespräch!

Am 1. Dezember 2002 findet der diesjährige Welt-Aids-Tag unter dem Motto "Leben und leben lassen" statt, mit dem ein deutliches Signal gegen Ausgrenzung und Diskriminierung Aidskranker gesetzt werden soll. Auf Fragen zu dem Thema "Das öffentliche Bewusstsein in der Bevölkerung in Deutschland zu HIV/Aids" antwortet Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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