Arzneimittel und Therapie

Grippeprophylaxe: Oseltamivir zur Zulassung empfohlen

Der europäische Ausschuss für Arzneimittelspezialitäten (CPMP) hat das orale Grippemedikament Oseltamivir zur Grippebehandlung bei Erwachsenen und Kindern sowie zur Grippeprophylaxe bei Erwachsenen und Jugendlichen zur Zulassung empfohlen, wie Roche bekannt gab.

Die Stellungnahme des CPMP bildet die Grundlage für die behördliche Zulassung in der EU, die in der Regel innerhalb dreier Monate nach der Empfehlung erfolgt. In zahlreichen Ländern weltweit ist Oseltamivir (Tamiflu®) bereits für die Grippebehandlung zugelassen, so in den USA, Japan, Australien, Kanada, Korea, der Schweiz und verschiedenen Ländern Lateinamerikas. In den USA ist es auch für die Prävention von Grippe bei Jugendlichen und Erwachsenen sowie für die Behandlung von Grippe bei Kindern ab 1 Jahr zugelassen.

Hohe Wirkstoffkonzentration in der Lunge

Das in Zusammenarbeit mit der kalifornischen Firma Gilead Sciences entwickelte Oseltamivir ist für die orale Behandlung aller häufiger Grippeviren (Typen A und B) bestimmt. Es ist ein Prodrug, das als Ester gut aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert wird und daher zur oralen Einnahme geeignet ist. Durch Abspaltung von Ethanol wird der aktive Metabolit, die Carbonsäure, freigesetzt. Diese zeichnet sich durch eine gute Gewebepenetration aus, so dass Oseltamivir alle wichtigen Infektionsherde im Organismus – einschließlich der oberen und unteren Atemwege – erreicht und so eine ausreichend hohe Wirkstoffkonzentration auch in der Lunge erzielt wird.

Hemmung der Neuraminidase

Die Neuraminidase ist ein wichtiges Hüllprotein der Viren, das für die Freisetzung von Influenza-Viren aus den infizierten Zellen notwendig ist. Wird die Neuraminidase gehemmt, kann das Virus keine neuen Zellen infizieren. Oseltamivir bindet mit seiner Carboxylfunktion an basische Aminosäuren im aktiven Zentrum des Enzyms und wirkt so inhibierend. Da die Bindungsstelle der Neuraminidase sich nicht durch Mutationen ändert, sondern eine konstante Struktur besitzt, kommt es – anders als bei den Grippeimpfstoffen – bei auftretenden Mutanten zu keinem Wirkungsverlust.

Schnelle Elimination der Viren

Der Einsatz von Oseltamivir führte zu einer schnellen Eliminierung der im Blut vorhandenen Viren. Die für den Grippepatienten sehr lästigen Symptome wie Husten und Fieber klangen unter der Behandlung rasch ab. Die Patienten beklagten sich seltener über Schlafstörungen und konnten früher ihre Tätigkeiten wieder aufnehmen. Antibiotika zur Behandlung von Begleiterkrankungen mussten im Allgemeinen ebenfalls weniger verabreicht werden.

Prophylaktische Gabe erfolgreich

Das Zulassungsgesuch für die Prophylaxe wird durch klinische Daten gestützt, nach denen bei Erwachsenen und Jugendlichen, die mit grippeinfizierten Personen im gleichen Haushalt lebten, eine Verringerung der Grippeerkrankungen um 92% bewirkt wurde. Die Teilnehmenden an dieser Studie erhielten sieben Tage lang einmal täglich eine Tablette Oseltamivir zu 75 mg. Weitere Studien ergaben zudem, dass Oseltamivir während einer Grippewelle die Häufigkeit von Grippeerkrankungen bei zuvor gesunden Erwachsenen sowie bei Betagten in Pflegeheimen senkt. Der Nutzen der Behandlung war bereits 24 Stunden nach der ersten Einnahme von Oseltamivir ersichtlich. Die Patienten, die kurz nach Einsetzen der Symptome mit der Einnahme begonnen hatten, erzielten die besten Behandlungsergebnisse. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto größer ist also der Nutzen für den Patienten. ck

Der europäische Ausschuss für Arzneimittelspezialitäten (CPMP) hat das orale Grippemedikament Oseltamivir (Tamiflu) zur Grippebehandlung bei Erwachsenen und Kindern sowie zur Grippeprophylaxe bei Erwachsenen und Jugendlichen zur Zulassung empfohlen, wie Roche bekannt gab.

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