Kommentar

Strümpfe auch vom Apotheker!

Langsam nähert sich die Entscheidung in Sachen Hilfsmitteln dem Ende. In wenigen Tagen ist ein Spitzengespräch zwischen Apothekern und Krankenkassen dazu anberaumt. Auf dem Tisch liegt ein umstrittenes Papier: die Kassen halten die Hilfsmittelversorgung für nicht mehr zeitgemäß und streben Neuerungen an. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es bei anderen Leistungserbringern auch rumort, und speziell die Abgabe von Kontaktlinsen und Hörgeräten durch Ärzte unter Beschuss geraten ist. Die Krankenkassen haben eine Empfehlung erarbeitet, die Voraussetzungen zur Hilfsmittelabgabe für die unterschiedlichsten Berufe auflistet. Im Entwurf wurden die Apotheker mit keiner Silbe erwähnt. Das ist ein Unding. In der Offizin gehört die Anpassung von Kompressionsstrümpfen oder die Abgabe von Inkontinenzhilfen oder Stomaartikeln in jedem Fall dazu, will man dem Patienten ein breites Spektrum von Leistungen anbieten. Naturgemäß nimmt dies eine untergeordnete Rolle hinter den Arzneimitteln ein. Die explizite Nennung der Pharmazeuten ist eine der notwendigen angestrebten Änderungen. Zeitraubende Diskussionen mit einzelnen Krankenkassen vor Ort wären vorprogrammiert, wenn deren Mitarbeiter in der Empfehlung ihrer Spitzenverbände die Apotheker nicht vorfänden und erst überzeugt werden müssten. Dass Apothekenleiterinnen, -leiter und ihre Mitarbeiter seit längerem speziell bei Kompressionsstrümpfen oder Stomaprodukten aufgerüstet haben, dürfte sich herumgesprochen haben. Bei den Kassenverbänden ist vermutlich registriert worden, dass auch andere Stellen als die Apotheken die Überarbeitung des Entwurfs pro Offizin für nötig halten. So hat sich der Chef der größten Ersatzkasse, Dr. Eckart Fiedler von der Barmer, ebenso in diesem Sinn geäußert wie zum Beispiel auch der Bundesfachverband Medizinprodukteindustrie, dessen Mitgliedsunternehmen unter anderem Stoma- oder Inkontinenzartikel, Spritzen und Kanülen herstellen: Hilfsmittel auch vom Apotheker!

Susanne Imhoff-Hasse

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