Arzneimittel und Therapie

Junge Frauen: Kein erhöhtes Herzinfarktrisiko durch die Pille

In einer englischen Studie konnte gezeigt werden, dass orale Kontrazeptiva der zweiten und dritten Generation das Herzinfarktrisiko jüngerer Frauen nicht beeinflussen. Hauptrisikofaktor für einen Myokardinfarkt ist das Zigarettenrauchen.

In einigen Studien ist über einen Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und einem erhöhten Myokardinfarkt bei jüngeren Frauen mit kardiovaskulären Risikofaktoren hingewiesen worden. Das statistisch ermittelte Herzinfarktrisiko variiert indes in diesen Studien stark, und eine Differenzierung nach Ovulationshemmern der zweiten und dritten Generation fehlt meist. Aus diesem Grund wurde in England, Schottland und Wales eine umfangreiche Untersuchung durchgeführt, in der der Einfluss unterschiedlicher Ovulationshemmer auf das Herzinfarktrisiko jüngerer Frauen differenziert ermittelt wurde.

Fall-Kontroll-Studie

Für die Fall-Kontroll-Studie wurden 448 Frauen im Alter von 16 bis 44 Jahren ausgewählt, die zwischen 1993 und 1995 einen Myokardinfarkt erlitten hatten. Als Vergleichsgruppe wurden 1728 gleichaltrige Frauen ausgewählt. Von allen Studienteilnehmerinnen waren mögliche kardiovaskuläre Risikofaktoren (z. B. Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Hyperlipidämie), Rauch- und Trinkverhalten, sozioökonomischer Status, körperliche Bewegung, Familienanamnese, Krankengeschichte sowie die Einnahme oraler Kontrazeptiva bekannt.

Unter Berücksichtigung aller potentieller Risikofaktoren wurde statistisch der Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Herzinfarktrisiko ermittelt. Definitionsgemäß enthielten orale Kontrazeptiva der zweiten Generation Levonorgestrel oder Norethisteron in Kombination mit weniger als 50 Ķg Ethinylestradiol; Ovulationshemmer der dritten Generation Gestoden oder Desogestrel kombiniert mit Ethinylestradiol.

Pille: kein Risikofaktor

87% der Frauen, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, hatten keine oralen Kontrazeptiva eingenommen. Das relative Risiko für einen Herzinfarkt betrug bei Pillenanwenderinnen 1,40 (95% Konfidenzintervall 0,78-2,52). Eine Aufsplittung nach Ovulationshemmern der zweiten und dritten Generation ergab ein relatives Risiko für Pillen der zweiten Generation von 1,10 (95% Konfidenzintervall 0,52-2,30), der dritten Generation von 1,96 (95% Konfidenzintervall 0,87-4,39).

Ein Vergleich der Ovulationshemmer der dritten und zweiten Generation ergab ein relatives Risiko von 1,78 (95% Konfidenzintervall 0,66-4,83) für orale Kontrazeptiva der dritten Generation. Dieser Unterschied zwischen Pillen der zweiten und dritten Generation war allerdings statistisch nicht signifikant. Die Einnahmedauer der Ovulationshemmer hatte keinen Einfluss auf das Herzinfarktrisiko.

Zigaretten: Risikofaktor Nr. 1

88% der von einem Herzinfarkt betroffenen Frauen rauchten oder hatten weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren. Statistisch betrachtet, könnten durch einen Rauchverzicht 73% aller Herzinfarkte bei jüngeren Frauen vermieden werden. Das Zigarettenrauchen erhöhte das Herzinfarktrisiko deutlich und in Abhängigkeit von der Anzahl gerauchter Zigaretten.

So stieg das relative Risiko für einen Myokardinfarkt bei starken Raucherinnen (mehr als 20 Zigaretten pro Tag) auf 12,5 (95% Konfidenzintervall 7,29-21,5) an. Mäßiger Alkoholgenuss und regelmäßige körperliche Betätigung senkten das Herzinfarktrisiko.

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