Arzneimittel und Therapie

Orale Kontrazeptiva: Erhöhtes Herzinfarktrisiko

Bei Raucherinnen und bei Frauen mit einer Hypertonie ist das Risiko eines akuten Myokardinfarkts unter der Einnahme oraler Kontrazeptiva erhöht. Liegen diese Risikofaktoren nicht vor, besteht für Pillenanwenderinnen kein erhöhtes Herzinfarktrisiko.

Die ≥WHO Collaborative Study of Cardiovascular Disease and Steroid Hormone Contraception" ist eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie, in der der Zusammenhang zwischen der Einnahme oraler Kontrazeptiva und dem Vorkommen kardiovaskulärer Krankheiten untersucht wird. Ein Teil der Studie befaßt sich mit der Frage, ob das Risiko eines akuten Myokardinfarkts durch die Einnahme oraler Kontrazeptiva erhöht ist. Zur Klärung dieser Frage wurden persönliche und medizinische Daten (u. a. Body-mass-Index, Anzahl der Geburten, Rauchverhalten, Alkoholkonsum, Bildungsstandard, Einnahme oraler Kontrazeptiva, Überwachung des Blutdrucks, Familienanamnese, Krankengeschichte) junger Frauen, die aufgrund eines akuten Myokardinfarkts hospitalisiert wurden, mit den Daten von bis zu drei Kontrollpersonen verglichen. Im sechsjährigen Beobachtungszeitraum (zwischen 1989 bis 1995) konnten an 21 Zentren in Asien, Europa, Lateinamerika und Afrika die Daten von 368 jungen Frauen im Alter von 20 bis 44 Jahren und deren Kontrollpersonen (insgesamt 941) ausgewertet werden. Auswertung Die gesamte relative Risikoquote (odds ratio) für einen akuten Myokardinfarkt bei Pillenanwenderinnen betrug 5,01 (95% Konfidenzintervall 2,54-9,90) für Frauen in Europa und 4,78 (2,52-9,07) für Frauen aus den Entwicklungsländern. In diesen Quoten sind aber kardiovaskuläre Risikofaktoren (z.B. Rauchen, Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen) enthalten. Liegen keine kardiovaskulären Risikofaktoren vor, ist das Risiko eines akuten Myokardinfarkts bei jungen (<35 Jahre) Nichtraucherinnen auch unter der Einnahme oraler Kontrazeptiva extrem gering (ca. drei Ereignisse auf 106 Frauenjahre). Beim Vorliegen kardiovaskulärer Risikofaktoren erhöht sich das Herzinfarktrisiko. So steigt z.B. bei Raucherinnen (mehr als 10 Zigaretten pro Tag), die orale Kontrazeptiva einnehmen, die relative Risikoquote auf über 20. Nehmen ältere Raucherinnen die Pille ein, kommen auf 106 Frauenjahre rund 400 akute Myokardinfarkte. Auch Hypertonie erhöht das Herzinfarktrisiko bei Pillenanwenderinnen: Werden orale Kontrazeptiva bei einem erhöhten Blutdruck eingenommen oder lag während der Gravidität eine Hypertonie vor, steigt die Risiko eines akuten Myokardinfarkts auf das Zehnfache. Zwischen dem Alter der Pillenanwenderinnen und der Häufigkeit eines akuten Myokardinfarkts konnte keine Beziehung festgestellt werden. Die Östrogendosis beeinflußte das relative Herzinfarktrisiko nicht. Ob Menge oder Art des Progesterons eine Auswirkung auf das Herzinfarktrisiko hat, konnte nicht überprüft werden. Zwischen der Dauer der Pilleneinnahme und dem relativen Risiko eines akuten Infarkts konnte keine signifikante Beziehung festgestellt werden. Frauen, die früher orale Kontrazeptiva eingenommen hatten, weisen kein erhöhtes Risiko auf.

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