Gürtelrose

Biontech und Pfizer entwickeln mRNA-Impfstoff gegen Herpes Zoster

Stuttgart - 06.01.2022, 07:00 Uhr

Bekommt Shingrix bald mRNA-Konkurrenz? (s / Foto: IMAGO / ZUMA Wire)

Bekommt Shingrix bald mRNA-Konkurrenz? (s / Foto: IMAGO / ZUMA Wire)


Neben der Corona-Impfstoff-Forschung haben Pfizer und Biontech offenbar noch Kapazitäten. Das Mainzer Pharmaunternehmen und sein US-Partner wollen einen neuen Impfstoff auf mRNA-Basis gegen Gürtelrose entwickeln. Die klinischen Studien sollen in der zweiten Hälfte dieses Jahres beginnen. 

Gürtelrose oder Herpes Zoster wird durch das Varizella-zoster-Virus verursacht. Meist kommt es im Kindesalter zunächst zu Windpocken. Nach dem Abklingen bleibt das Virus aber lebenslang in den Nervenzellen und kann zu einem späteren Zeitpunkt eine Gürtelrose verursachen. Typisch dafür ist ein brennender Schmerz und eine zumeist halbseitige, bandartige Ausbreitung von Bläschen auf der Haut. Nach dem Abheilen des Ausschlags kann ein Nervenschmerz in seltenen Fällen noch lange danach anhalten.

In Deutschland erkranken nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jährlich rund 300.000 Menschen an einer Gürtelrose, rund 5 Prozent davon schwer. Es gibt seit Dezember 2018 in Deutschland eine Standardimpfung mit einem inaktivierten Impfstoff (Shingrix®) in zwei Dosen gegen Herpes Zoster. Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer wollen, wie beide Unternehmen am gestrigen Mittwoch mitteilten, jetzt gemeinsam einen weiteren Impfstoff gegen Gürtelrose entwickeln. Es soll die erste derartige Vakzine auf Basis von mRNA-Technologie werden, die auch bereits bei dem Corona-Impfstoff angewendet wurde. Die klinischen Studien sollen in der zweiten Hälfte dieses Jahres beginnen. 

Wie beim im Dezember 2021 zugelassenen Corona-Impfstoff von Novavax, handelt es sich bei Shingrix® bislang um einen Subunit-Impfstoff auf Proteinbasis. Und genauso wie dort ist ein Adjuvans auf Saponinbasis enthalten. 

Zostavax versus Shingrix

Im Gegensatz zum früher alleinig verfügbaren Herpes-zoster-Lebendimpfstoff Zostavax® handelt es sich bei Shingrix® nicht um einen attenuierten Lebendimpfstoff, sondern um einen sogenannten Subunit-Impfstoff. Die Immunreaktion wird in diesem Fall durch ein rekombinantes Oberflächenantigen des Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen, das Glykoprotein E. Zur Verstärkung der Immunantwort ist zudem das Adjuvans AS01B enthalten. Dieses besteht aus Monophosphoryl-lipid A und QS-21 (Quillaja saponaria Molina), einem oberflächenaktiven Stoff aus dem südamerikanischen Seifenrindenbaum, der die CD4 T-Zell- und die humorale Immunantwort auf die Impfung verstärkt. (jb)

Bei der neuen Vakzine von Pfizer und Biontech sollen nach Unternehmensangaben eine von Pfizer entwickelte Antigen-Technologie und das mRNA-Verfahren von Biontech genutzt werden. Die Entwicklungskosten wollen sich die beiden Unternehmen ebenso teilen wie die Bruttogewinne aus künftigen Produktverkäufen.

„Mit dieser Zusammenarbeit möchten beide Unternehmen ihr Know-how und ihre Ressourcen nutzen, um einen neuen mRNA-basierten Impfstoff gegen Gürtelrose zu entwickeln“, sagte Biontech-Vorstandschef und Mitgründer Ugur Sahin. Ziel sei es, einen mRNA-Impfstoff „mit einem vorteilhaften Risikoprofil und hoher Wirksamkeit“ zu entwickeln. Ähnlich wie bei dem Corona-Impfstoff erhält Pfizer das Recht, den potenziellen Impfstoff weltweit zu vermarkten, mit Ausnahme von Deutschland und der Türkei, wo Biontech ebenso wie in einigen noch nicht näher genannten Entwicklungsländern die Vermarktungsrechte besitzen wird.


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