Betrugs-Schuldspruch für Elizabeth Holmes

Sie wollte mit Theranos Bluttests für immer verändern

Stuttgart - 05.01.2022, 09:15 Uhr

Einst versprach Elizabeth Holmes eine Revolution bei Bluttests, jetzt ist sie des Betrugs an ihren Geldgebern schuldig gesprochen worden. (c / Foto: IMAGO / ZUMA Wire)

Einst versprach Elizabeth Holmes eine Revolution bei Bluttests, jetzt ist sie des Betrugs an ihren Geldgebern schuldig gesprochen worden. (c / Foto: IMAGO / ZUMA Wire)


Der Fall Theranos bot alles, was einen Wirtschaftskrimi ausmacht: den spektakulären Fall einer Vorzeigeunternehmerin – Elizabeth Holmes –, mutige Whistleblower und einen Journalisten, der sich von teuren Anwälten nicht einschüchtern ließ. Das große Versprechen von Holmes Firma Theranos lautete: Wenige Tropfen Blut aus dem Finger sollten reichen, um auch umfangreiche Analysen durchzuführen. Jetzt droht der 37-Jährigen eine Haftstrafe.

Einst versprach Elizabeth Holmes eine Revolution bei Bluttests, jetzt ist sie des Betrugs an ihren Geldgebern schuldig gesprochen worden. Geschworene in Kalifornien konnten sich am Montag (Ortszeit) zugleich nur in vier von elf Anklagepunkten auf einen Schuldspruch einigen. 

Holmes hatte das letztlich gescheiterte Bluttest-Start-up Theranos gegründet und nahezu eine Milliarde Dollar von Investoren bekommen. Sie wies den Betrugsvorwurf stets zurück. Die 37-Jährige, die vor Prozessbeginn Mutter wurde, kann gegen das Urteil in Berufung gehen.

Über das Strafmaß wird Richter Edward Davila zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Theoretisch drohen Holmes bis zu 20 Jahre Gefängnis pro Anklagepunkt – allerdings gingen Prozessbeobachter in den USA davon aus, dass die Strafe deutlich milder ausfallen dürfte.

Der Fall Theranos bot alles, was einen Wirtschaftskrimi ausmacht: den spektakulären Fall einer Vorzeigeunternehmerin, mutige Whistleblower, einen Journalisten, der sich von teuren Anwälten nicht einschüchtern ließ. Einige in den USA sahen in dem Prozess auch die Hype-Kultur im Silicon Valley am Pranger.

Das große Versprechen von Theranos war, Bluttests für immer zu verändern: Nur wenige Tropfen aus dem Finger sollten reichen, um auch umfangreiche Analysen durchzuführen. Holmes, die Theranos als 19-jährige Studienabbrecherin der Elite-Uni Stanford gründete, wurde als Visionärin gefeiert. Medien verglichen sie mit Apple-Gründer Steve Jobs – was von ihrer Vorliebe für schwarze Rollkragenpullover noch unterstützt wurde. Die Gesamtbewertung von Theranos erreichte in den Finanzierungsrunden bis zu neun Milliarden Dollar. Auch das Vermögen von Holmes betrug damit zumindest auf dem Papier mehrere Milliarden Dollar.

Theranos-Teststationen in Drogerie-Kette Walgreens 

Unter anderem die Drogerie-Kette Walgreens stieg ein und machte in Dutzenden Läden Platz für Theranos-Teststationen. Wie sich jedoch herausstellte, funktionierte die Technologie von Theranos nie verlässlich genug. So wurden Tests nicht mit eigenen Maschinen der Firma, sondern mit Labortechnik anderer Hersteller durchgeführt, die von Theranos-Technikern auf eigene Faust umgeändert wurde. Investoren und der Öffentlichkeit wurde das verschwiegen.

Ein zentrales Problem dieser Methode war, dass die Maschinen der Konkurrenz auf größere Mengen Blut aus den Venen der Patienten ausgelegt waren. Theranos musste deswegen die kleinen Fingerproben strecken, was aber die Genauigkeit einiger Tests beeinträchtigte.

Ein weiterer Faktor war laut Experten, dass der Druck auf die Fingerkuppen bei der Blutabnahme die Beschaffenheit der Proben verändert – was ebenfalls zu falschen Analysewerten führen kann. Die Ergebnisse dienen Ärzten aber als Anhaltspunkt für mögliche Erkrankungen und Behandlungen. Theranos musste schließlich auf breiter Front Testergebnisse annullieren.

Einige Geldgeber trugen auch den Eindruck davon, dass die Theranos-Technologie für den Einsatz durch das US-Militär in Kriegsschauplätzen im Rennen sei. Sondierungen dazu liefen jedoch in Wirklichkeit schnell in eine Sackgasse.



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