Theranos

Der unaufhaltsame Aufstieg und Fall eines Start-ups

Stuttgart - 08.07.2016, 12:00 Uhr

Zu besseren Zeiten: Firmeninhaberin Elizabeth Holmes auf einer Konferenz in San Francisco. (Foto: TechCrunch / Flickr, CC BY 2.0)

Zu besseren Zeiten: Firmeninhaberin Elizabeth Holmes auf einer Konferenz in San Francisco. (Foto: TechCrunch / Flickr, CC BY 2.0)


Mit schmerzfreien Bluttests hatte Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes ihr Start-up zum milliardenschweren Konzern ausgebaut. Nach Unregelmäßigkeiten in Labors schreitet jetzt die zuständige Aufsichtsbehörde ein. Sie entzog Holmes´ Firma in Kalifornien die Betriebserlaubnis.

Elizabeth Holmes (32), vor mehr als einem Jahr vom Time Magazine noch als eine der „Time 100-Titanen“ genannt, ist tief gefallen. Patienten waren von ihrer Idee, mit einem neuen Blutabnahmestift Proben aus der Fingerbeere zu entnehmen, begeistert. Kleine Proben sollten bereits ausreichen, um dank neuer Technologien bis zu 70 verschiedene Untersuchungen durchzuführen. Der Konzern arbeitete bereits an Partnerprogrammen mit Walgreens-Drogerien sowie mit Kliniken. 

Zweifel im Mitarbeiterkreis

Ende 2015 schrieb das „Wall Street Journal“ über „massive Probleme“ mit der vermeintlich innovativen „Edison“-Blutanalytik. Mitarbeitern zufolge seien statt innovativer Gerätschaften kommerzielle Systeme, wie sie in jeder Klinik verwendet würden, im Einsatz. Gleichzeitig zweifelten sie ihre eigene Messmethodik an.

Kurz darauf zog Theranos Testergebnisse aus den Jahren 2014 und 2015 zurück und korrigierte tausende Laborberichte. Holmes beharrt gegenüber US-Medien jedoch auf der Funktionsfähigkeit von „Edison“.

Für zwei Jahre geschlossen

Damit gaben sich die Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) als Aufsichtsbehörde des amerikanischen Versicherungsprogramms Medicare nicht zufrieden. Sie sprachen von „direkten Gefahren für die Gesundheit und die Sicherheit von Patienten“. Kurz darauf wurde die Betriebserlaubnis für Theranos´ kalifornisches Labor für die nächsten zwei Jahre entzogen. Theranos antwortete den CMS, man werde neue Maßnahmen zur Qualitätssicherung implementieren, ging aber nicht auf Details ein. Der Konzern hat eine weitere Betriebsstätte im Bundesstaat Arizona, die nicht geschlossen wurde. 

Vermögen verbrannt

Angesichts der Situation hat „Forbes“ eine Neubewertung von Theranos vorgenommen. Von den früheren neun Milliarden Euro Firmenwert seien lediglich 800 Millionen übrig, schreibt das Wirtschaftsmagazin. Für Elizabeth Holmes, sie ist zu 50 Prozent am Unternehmen beteiligt, brach eine Welt zusammen. Als Top-Managerin hatte sie mit ihrer Idee bei Investoren erfolgreich Gelder eingeworben. 

Ob ihr Versprechen, schmerzlose, aber dennoch akkurate Bluttests durchzuführen, eine Ente war, ist offen. Momentan befassen sich die Staatsanwaltschaft und die Börsenaufsicht SEC mit ihrem Unternehmen. Beide Behörden werfen Holmes vor, Investoren betrogen zu haben. Vom Restwert wird sie im Falle einer Insolvenz wenig sehen – ihre einstigen Geldgeber haben Priorität. 


Michael van den Heuvel, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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